Bezirksgericht Lenzburg
Alkohol, Kokain und ein Auto: «Ein grosser Schandfleck in meinem Leben»

Ein heute 34-jähriger Schweizer liess am Jugendfest Lenzburg vor zwei Jahren einen betrunkenen Bekannten sein Auto fahren, danach fuhr er selbst auch. In der Polizeikontrolle wurden beide positiv auf Alkohol und Kokain getestet. Jetzt entschied das Bezirksgericht über den Fall.

Valérie Jost
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Mehrere Verkehrsvergehen beschäftigten kürzlich das Bezirksgericht Lenzburg. Im Bild der Gerichtssaal, aufgenommen im Dezember 2018.

Mehrere Verkehrsvergehen beschäftigten kürzlich das Bezirksgericht Lenzburg. Im Bild der Gerichtssaal, aufgenommen im Dezember 2018.

Chris Iseli

Es ist Lenzburger Jugendfest 2019. Der damals 32-jährige Malik (alle Namen geändert) geht «nach langem wieder mal raus», wie er vor dem Bezirksgericht Lenzburg sagte, trifft alte Kollegen, trinkt, später geht er ins «Tommasini». Dort trifft er Eymen (der sich in einem separaten Verfahren verantworten muss), der ihn von früher erkannte – er ihn aber nicht. Und ab da ging so viel schief, dass Malik die Nacht heute als «grossen Schandfleck» in seinem Leben bezeichnet.

«Eymen lief mir nach, als ich in meinem Auto den Hausschlüssel holen wollte», so Malik vor Gericht. Schon die ganze Nacht habe er an ihm «geklebt» und nun verlangt, er solle ihn heimfahren. Es war nach 7 Uhr morgens. «Ich sagte Nein, ich war viel zu betrunken.» Er habe Eymen gesagt, er solle mit dem Zug nach Hause, bot ihm Geld fürs Billett an.

«Ich wollte ihn loswerden.» Da habe sich Eymen, ebenfalls betrunken, kurzerhand selbst ins Auto gesetzt. «Er war aggressiv, hat mir gedroht und noch mehr Geld verlangt», so Malik. «Im Nachhinein betrachtet, war es natürlich die falsche Entscheidung, aber da habe ich einfach nachgegeben.»

Das Problem: Eymen war gemäss Anklageschrift nicht nur betrunken, sondern besass auch keinen Führerschein. Das Resultat: Beim Ausparkieren verursachte er einen 1500-Franken-Schaden an einem anderen Auto. Danach sei Malik doch noch selbst ans Steuer gesessen.

Die beiden wurden an der Bahnhofstrasse von der Kantonspolizei kontrolliert. Die angeordnete Blut- und Urinprobe ergab bei Malik knapp ein Promille Blutalkohol, bei Eymen mehr als 2,5 Promille (der Grenzwert liegt bei 0,5 Promille).

Dazu wurden beide positiv auf Kokain getestet: Bei Malik war es gut das Vierfache, bei Eymen fast das Achtfache des Grenzwerts. Zudem wurden bei Malik 0,2 Gramm Kokain gefunden, so die Anklageschrift. Dies bestritt er: «Ich wurde nicht durchsucht. Es hiess einfach, das Kokain-Säcklein sei mir aus der Tasche gefallen.»

Malik war weniger fahruntüchtig als Eymen

Da es nicht Maliks erstes Verkehrsvergehen war – eine frühere Strafe von 18'200 Franken wegen betrunkenen Fahrens hatte er, damals arbeitslos, mit 524 Arbeitsstunden im Altersheim abgearbeitet –, beantragte die Staatsanwaltschaft nun nebst 100 Franken Busse eine Haftstrafe.

Was sechs Monate Gefängnis für ihn bedeuten würden, fragte Gerichtspräsidentin Eva Lüscher. «Das Ende meiner Selbstständigkeit als Treuhänder», sagte Malik. «Ausser meinem Beruf habe ich seit der Scheidung nichts mehr.»

Eva Lüscher sprach Malik in allen Punkten schuldig. «Sie hätten den Autoschlüssel an sich nehmen und den Vorfall verhindern können», sagte sie, berücksichtigte aber die Tatsache, dass schlussendlich «nicht weit gefahren» wurde. Malik sei zudem gemäss Polizeikontrolle («niedergeschlagen, weinerlich, gerötete Augen») etwas weniger fahrunfähig gewesen als Eymen («stark schwankender Gang, lallende und verwaschene Sprache, sehr aufgedreht, unruhig und angetrieben»), sein Verschulden also geringer.

Lüscher wandelte die unbedingte in eine bedingte Haftstrafe um und senkte sie von sechs auf vier Monate, jedoch bei einer relativ langen Probezeit von vier Jahren. «Sie haben sich seit dem Vorfall drei Jahre bewährt, machen Sie weiter so.»

Daneben erhält Malik eine Busse von 1300 Franken und muss die Anklagegebühr von 1250 Franken sowie die Verfahrenskosten von 2245 Franken tragen.

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