Wahlergebnisse
Bezirk Lenzburg: SP legt dank Lokomotive Mosimann massiv zu – SVP verliert Sitz an FDP

Drei der vier neu gewählten Grossräte des Bezirks Lenzburg stehen einer Gemeinde vor. Die 12 Sitze verteilen sich nach wie vor auf 8 Parteien.

Fritz Thut
Merken
Drucken
Teilen

Montage: Elia Diehl

«Daniel Mosimann, darf man Sie als Lokomotive für Ihre Partei bezeichnen?» Der SP-Stadtammann von Lenzburg ist schon am frühen Nachmittag gut gelaunt: «Was? Ich als Lokomotive? Nachdem ich schon lange nicht mehr rauche.» Aber wer redet denn von einer Dampflok?

Die Sozialdemokraten haben im Tempo einer E-Lok Stimmen zugelegt. Mit einem Plus von 4,6 Prozent haben sie sich klar und deutlich wieder als Nummer 2 im Bezirk Lenzburg etabliert. Mit einem Anteil von fast 20 Prozent hat die SP das beste Ergebnis bei Grossratswahlen seit über zehn Jahren erreicht und damit den Abwärtstrend der letzten Jahre gebrochen.

Bezirk Lenzburg, Grossratswahlen: Gewählt und abgewählt (2016) Pascal Furer, SVP, Staufen (bisher)
13 Bilder
Alois Huber, SVP, Möriken-Wildegg (bisher)
Rolf Jäggi, SVP, Egliswil
Jeanine Glarner, FDP, Möriken-Wildegg (bisher)
Gérald Strub, FDP, Boniswil
Kathrin Scholl-Debrunner, SP, Lenzburg (bisher)
Daniel Mosimann, SP, Lenzburg
Sabine Sutter-Suter, CVP, Lenzburg
Irène Kalin, Grüne, Lenzburg (bisher)
Barbara Portmann-Müller, GLP, Lenzburg (bisher)
Maya Bally Frehner, BDP, Hendschiken (bisher)
Christian Minder, EVP, Lenzburg (bisher)
Abgewählt: Gabi Lauper Richner, SP, Niederlenz

Bezirk Lenzburg, Grossratswahlen: Gewählt und abgewählt (2016) Pascal Furer, SVP, Staufen (bisher)

Zur Verfügung gestellt

Getrübte Freude

«Meine Freude ist leicht getrübt», gestand der neu ins Kantonsparlament gewählte Lenzburger Stadtammann. Daniel Mosimann spricht damit an, was man befürchten musste: Er verdrängt mit seinem Ergebnis die Bisherige Gabi Lauper Richner. Für Mosimann ist der SP-Erfolg nicht einem aggressiven Wahlkampf zu verdanken: «Honoriert wurde sicher die Arbeit über die Jahre; für mich war der Wahltag jedoch auch Zahltag.» Von den Themen der Partei habe «die Bildung sicher eine Rolle gespielt».

Dass die SP quer durch den Kanton überall zulegte, «und zwar deutlich und nicht im Nullkommairgendwas-Bereich» hat laut Mosimann «mit der guten Arbeit und den guten Leuten» zu tun. Für die bisherige SP-Fraktionspräsidentin Kathrin Scholl-Debrunner, die im Bezirk sogar Mosimann um 352 Stimmen distanzierte, «hat der Kanton Aargau genug von der Abbau-Politik». Im Bezirk habe man auf eine «kompakte Liste» bauen können.
Als sich die kleine Chance auf einen dritten Lenzburger SP-Sitz in Luft aufgelöst hatte, zeigte sich Gabi Lauper Richner gefasst. Die ehemalige Vizeammann von Niederlenz und langjährige Präsidentin der Regionalplanungs-Kerngruppe habe «seit der Listenzusammenstellung mit diesem Ausgang rechnen müssen». Da spiele auch der Wohnort eine Rolle.

FDP übernimmt SVP-Sitz

Nachdem vor vier Jahren gar keine Sitzverschiebungen zu registrieren waren, gab es diesmal im Bezirk Lenzburg lediglich eine einzige Verschiebung. Die SVP verlor ihren vierten Sitz an die FDP, die die nächsten vier Jahre wieder zwei Grossräte stellen wird wie zwischen 2005 und 2009, als das Kantonsparlament erstmals nur noch 140 Räte umfasste.

Ammann-Trio vertritt Lenzburg im Grossrat Die drei Gemeindeammänner Rolf Jäggi (Egliswil), Daniel Mosimann (Lenzburg) und Gérald Strub (Boniswil) haben die Wahl in den Grossrat geschafft.

Ammann-Trio vertritt Lenzburg im Grossrat Die drei Gemeindeammänner Rolf Jäggi (Egliswil), Daniel Mosimann (Lenzburg) und Gérald Strub (Boniswil) haben die Wahl in den Grossrat geschafft.

Die souverän bestätigte FDP-Grossrätin Jeanine Glarner (Möriken-Wildegg) bekam am Wahltag mit ihrer Einschätzung recht. Für sie hatte sich der Einbruch der SVP schon länger abgezeichnet: «Auf den hinteren Positionen hatte es dort keine starken Kandidaturen.»
Wie erwartet ging der zweite FDP-Sitz an den Boniswiler Gemeindeammann Gérald Strub, der den zweiten Platz auf der Liste klar rechtfertigte. Sein Abstand zum ersten Ersatzmann, dem Lenzburger Stadtrat Martin Steinmann, beträgt fast 800 Stimmen. In einem Facebook-Post freute sich Strub über andere Neulinge im Bezirk: «Mit meinen Gemeindeammänner-Kollegen Daniel Mosimann und Rolf Jäggi werde ich mich wie versprochen auch für einen starken Bezirk einsetzen.»

Die SVP weist im Bezirk Lenzburg mit 34,6 Prozent immer noch einen Wähleranteil auf, der deutlich über dem Kantonsschnitt liegt. Doch die Volkspartei hat auch hier 1,6 Prozent der Stimmen und damit einen Sitz verloren. Dies ist sicher der Tatsache geschuldet, dass vom bisherigen Grossrats-Quartett nur zwei Bisherige wieder kandidierten. Der Wegzug von Maya Meier-Frey (die im Bezirk Brugg wieder gewählt wurde) und der Rückzug von Hans Dössegger führten zum Verlust der nötigen Stimmen.

Die Bisherigen Pascal Furer und Alois Huber führen die SVP-Liste an. Die beiden werden die nächsten vier Jahre vom Egliswiler Gemeindeammann und Bezirkspartei-Präsidenten Rolf Jäggi begleitet. Eher überraschend belegen die zwei einzigen Frauen auf der Liste die ersten Ersatzplätze: Jacqueline Felder aus Boniswil liegt vor der aus dem Wynental zugezogenen Michelle Rütti.

«Dass wir hier einen Sitz verloren haben, ist für mich schon ein Wermutstropfen», räumte Jäggi ein: «Einmal erwischt es jene, mal die andern: Vor vier Jahren die FDP, nun uns.»

CVP konnte Sitz halten

Die drei Parteien mit einem zweistelligen Wähleranteil schicken auch die nächsten vier Jahre sieben Vertreter nach Aarau. Für viele Beobachter überraschend konnten alle fünf Splittergruppen mit einem Anteil zwischen 4,9 und 6,5 Prozent Wähleranteil ihren Sitz behaupten. Die GLP mit Barbara Portmann (Lenzburg), die Grünen mit Irène Kälin (Lenzburg), die CVP mit Sabine Sutter-Suter (Lenzburg), die BDP mit Maya Bally (Hendschiken) und die EVP mit Christian Minder (Lenzburg).

Alle ausser Sabine Sutter sassen bisher schon im Grossen Rat. Die CVP trat ohne die Bisherige Trudi Huonder an. «Ich freue mich sehr, dass wir den Sitz trotzdem halten konnten», so die Lenzburger Einwohnerrätin. Die CVP sackte zwar in der bezirksinternen Rangliste auf die ungewohnte Position 6 ab, doch Sabine Sutter will dies nicht dramatisieren: «Dies ist eher ein Zufall, denn wir sind da alle ganz nah beieinander.»