Lenzburg

Bewohner verärgert: Bordell gefährdet Lenzburger Quartieridylle

Für EVP-Einwohnerrat Marcel Spörri hat es in Lenzburg keinen Platz für ein Bordell, weder im Westquartier noch an einem anderen Ort.

Für EVP-Einwohnerrat Marcel Spörri hat es in Lenzburg keinen Platz für ein Bordell, weder im Westquartier noch an einem anderen Ort.

An der Industriestrasse 32 im Westquartier in Lenzburg soll schon bald ein Bordell eröffnet werden. Ein entsprechendes Baugesuch für das Erotikstudio wurde ausgeschrieben. Die Bewohner des Westquartiers sind verärgert.

Der wilde Westen oder die Bronx von Lenzburg: Solch wenig schmeichelhafte Namen werden in der Stadt für das bevölkerungsreiche Multikulti-Quartier westlich der Augustin-Keller-Strasse verwendet. Doch meistens wird es einfach nur Westquartier genannt.

Wenn abends die Sonne zwischen den Hochhäusern der Fünflinde-Überbauung untergeht, der Verkehr auf der Ringstrasse West abgenommen hat und vom Zeughausareal jugendfestliche Klänge aus den Übungsstunden der Stadtmusik herüberschallen, ist im Westen alles in Ordnung. Doch der Schein trügt.

Folgt auf das Studio das Milieu?

Ein Baugesuch zur Umnutzung einer Wohnung in ein Erotikstudio an der Industriestrasse sorgt bei einigen Bewohnern des Westquartiers für Verärgerung.

EVP-Einwohnerrat Marcel Spörri wohnt im Westquartier und ist besorgt über die Entwicklung seines Quartiers: «Das Erotikstudio ist der erste Schritt. Wer weiss, was mit dem Gebäude der Bauknecht passieren wird. Am Schluss haben wir dort ein Rotlichtmilieu mit Strassenstrich.»

Eine andere Anwohnerin teilt Spörris Sorgen. «Was wird das für Leute anziehen? Zuerst der Albanerclub und jetzt ein Erotikstudio.»

Schon heute sei sie am Wochenende vermehrt der Lärmbelästigung durch Autos, die auf der Murackerstrasse ihre Motoren aufheulen lassen, ausgesetzt. Zudem befürchtet sie, dass die Kunden des Studios auf der Suche nach Parkplätzen von der Arbeitszone ins Wohnquartier ausweichen würden.

Für Spörri und die Anwohnerin ist das Baugesuch, das noch bis 15. Juni aufliegt, der Tropfen, der im Westquartier das Fass zum Überlaufen bringt. Sie sind sich sicher, dass das Baugesuch in einem anderen Stadtteil für viel mehr Aufregung gesorgt hätte.

«Doch im Westquartier besteht die Gefahr, dass so etwas einfach durchgewinkt wird», sagt Spörri. An der Einwohnerratssitzung vom 28. Mai hat er sich an den Stadtrat gewandt und wollte wissen, ob die aktuelle Bauzone eine Umnutzung zulasse und wie Anwohner vor negativen Auswirkungen geschützt werden könnten.

Die nüchterne Antwort von Stadtrat Martin Steinmann war für Spörri ein Zeichen dafür, dass dem Westquartier zu wenig Beachtung geschenkt wird. Nun will er sich gegen eine Verrohung des Westquartiers einsetzen, «wehret den Anfängen», lautet seine Parole.

Ob das Baugesuch rechtlich zulässig ist, kann noch nicht abschliessend gesagt werden. «Momentan ist das Baugesuch noch Gegenstand von Abklärungen. Doch nach heutigem Wissensstand bin ich der Meinung, dass das Gesuch zonenkonform ist», erklärt Christoph Schnegg, Leiter der Abteilung Hochbau.

Ausschlaggebend sei gewesen, dass laut Baugesuch beim Erotikstudio auf jegliche Werbung am Gebäude verzichtet werde, auch «Liechtli» werde es keine geben. Schnegg weiss aufgrund von Angaben des Gesuchstellers, dass das Unternehmen auch in Hunzenschwil eine Liegenschaft besitzt, in der ein Erotikstudio nach dem gleichen Muster betrieben wird. «Dort wissen manche Anwohner gar nicht, was nebenan vor sich geht.»

Der Fachbegriff für die Ängste und den Ärger der Bewohner lautet ideelle Emissionen. Auch sie spielen bei der Vergabe einer Baubewilligung eine Rolle. Allerdings müssen diese gemäss Schnegg auf eine objektive Basis gebracht werden, da sie oft stark mit Assoziationen und Vorstellungen verbunden seien.

Der Standort: Industriestrasse 32, hier soll schon bald ein Bordell eröffnet werden:

Der Standort: Industriestrasse 32, hier soll schon bald ein Bordell eröffnet werden:

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