Bezirksgericht Lenzburg

Betrunken Unfall gebaut – Arbeitgeber: «Ich stehe vor Gericht für einen Fehler meines Angestellten»

Ein Angestellter baute unter Alkoholeinfluss einen Unfall. Sein Arbeitgeber musste sich deswegen vor Gericht verantworten. (Symbolbild)

Ein Angestellter baute unter Alkoholeinfluss einen Unfall. Sein Arbeitgeber musste sich deswegen vor Gericht verantworten. (Symbolbild)

Auf Anweisung seines Arbeitgebers fährt ein betrunkener Angestellter einen Lieferwagen ins Geschäft. Nun stand der Arbeitgeber vor dem Bezirksgericht Lenzburg.

Der Vorfall hat sich vor fast genau einem Jahr im Seetal zugetragen. An einem Morgen Ende Januar verursachte ein Angestellter des Angeklagten, nennen wir diesen Martin, einen Verkehrsunfall auf einer Kreuzung. Als Martin auf der Unfallstelle eintraf, beauftragte er den Mitarbeiter, mit dem Unfallfahrzeug in das 400 Meter entfernte Geschäft zu fahren. Wie die Polizei später feststellte, war der Angestellte zu diesem Zeitpunkt stark alkoholisiert. Sie konnte bereits beim ersten Kontakt mit dem Lenker den Alkoholgeruch wahrnehmen.

Dieser Umstand führte dazu, dass sich Martin letzte Woche vor dem Bezirksgericht wegen Anstiftung zum Fahren in fahrunfähigem Zustand verantworten musste. Die Staatsanwaltschaft forderte eine bedingte Geldstrafe von 40 Tagessätzen à 370 Franken, aufgeschoben bei einer Probezeit von drei Jahren. Zudem forderte sie eine Busse von 3600 Franken.

Martin kam ohne Verteidiger an die Verhandlung, und nachdem er anfangs noch etwas ungenau über seine momentan schwierigen finanziellen Verhältnisse Auskunft gegeben hatte, war er bei der Befragung über den Tathergang umso bestimmter: «Ich bin auf der Unfallstelle eingetroffen und habe mich als Erstes vergewissert, dass es zu keinem Personenschaden gekommen ist. Danach machte ich mich daran, die Situation unter Kontrolle zu bringen.» Mit seinem Angestellten habe er praktisch nicht gesprochen. «Ich war wütend auf ihn», sagte Martin weiter.

Er habe ihn nur kurz gefragt, ob alles gut sei, und nachdem der Angestellte dies bestätigt hatte, habe er ihn aufgefordert, den Lieferwagen ins Geschäft zu bringen, da sich verderbliche Waren im Fahrzeug befanden. Während dieser ganzen Zeit habe zwischen ihm und seinem Angestellten ein Abstand von 10 Metern bestanden. Sepp versicherte der Einzelrichterin: «Ich habe nichts vom Alkohol bemerkt.» In seinem Schlusswort machte Martin seinem Ärger Luft: «Ich stehe heute vor Gericht für einen Fehler, den mein Angestellter begangen hat. Ich verstehe es einfach nicht.»

Das Gericht sprach Martin frei. Die Gerichtspräsidentin hielt fest, dass gemäss Aussage der Polizei der Fahrer zwar stark nach Alkohol gerochen hatte, er aber ansonsten einen unauffälligen Eindruck machte. «Das Gespräch zwischen dem Angeklagten und dem Fahrer war kurz und es bestand ein grosser Abstand zwischen den beiden. Es ist gut möglich, dass der Angeklagte nicht gemerkt hat, dass sein Angestellter betrunken war.»

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Autor

Kim Barbara Wyttenbach

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