Kinderbetreuung

Betreiberin kündigt den Vertrag: Ammerswil sucht Ausweg aus der Kita-Klemme

Gemeinderätin Rita Brunner (in der Bildmitte) hofft, bald eine Nachfolge für die Führung der Kita in Ammerswil zu finden.

Gemeinderätin Rita Brunner (in der Bildmitte) hofft, bald eine Nachfolge für die Führung der Kita in Ammerswil zu finden.

Ein kleines Dorf, eine Kindertagesstätte – doch schon bald hat die KITA keine Betreiberin mehr und kaum noch Kinder. Die Gemeinde will am Betreuungsangebot festhalten.

Der kleine Junge lässt sich beim Spielen vom Fotografen kaum stören. Er nimmt seine Betreuerin voll in Beschlag: Seit die «Grossen» in die Schule gegangen sind, hat er sie für sich ganz allein. Zusammen blättern sie in einem Bilderbuch und suchen nach den korrekten Namen für die abgebildeten Gegenstände. Die Wände im Raum in der Kita Ammerswil sind dekoriert mit farbigen Kinderzeichnungen.

Ein familienergänzendes Betreuungsangebot gehört heutzutage zum guten Ton einer Gemeinde. Wenn beide Elternteile arbeiten, ist das Angebot an vor- und ausserschulischer Betreuung oftmals mitentscheidender Faktor bei der Wohnungssuche. Ausserdem sind Doppelverdiener für Gemeinden nicht zuletzt als Steuerzahler attraktiv. Alleinerziehenden hingegen ist es oft nur dank Angebote der Kinderbetreuung möglich, beruflich aktiv zu sein.

Coronakrise hat die Situation verschärft

Das wusste man auch in Ammerswil: Auf den 1. Juli 2017 wurde eine Kita eingerichtet, die gleichzeitig auch Schulkinder in den Randstunden betreute und einen Mittagstisch anbot. In einem gemeindeeigenen Einfamilienhaus mit grossem Garten, das Ammerswil zu günstigen Konditionen zur Verfügung stellte, konnten Eltern ihre Kinder von Montag bis Freitag in professionelle Obhut geben.

Jetzt, drei Jahre später, sucht man bereits wieder nach einem Neustart. Was ist passiert? Die aktuelle Betreiberin der Kita, die «Teddybär – bärenstarke Kinderbetreuung AG», hat den Vertrag per 30. Juni gekündigt. Wenn sich nicht bald eine neue Lösung für die Ammerswiler Kita abzeichnet, droht ihr gar das Aus. «Wir benötigen so rasch wie möglich einen neuen Kita-Betreiber», sagt Gemeinderätin Rita Brunner und hält fest, Eltern könnten nicht weiter zuwarten und hätten bereits angefangen, sich nach andern Plätzen für ihre Sprösslinge umzuschauen.

Dass es so weit kommen konnte, habe auch ein Stück weit mit der Coronakrise zu tun, sagt die Gemeinderätin. Man sei mit potenziellen Kitabetreibern im Gespräch gewesen; diese gerieten mit dem Lockdown jedoch ins Stocken. Und nun steckt die Kita Ammerswil in der Klemme.

Familienverein setzt sich ebenfalls ein

«Eine kleine Dorfschule mit Betreuung»: Noch hofft man, diese Standortqualität nicht preisgeben zu müssen. Zwar ist man sich bewusst, dass der Plan, im 700-Seelen-Dorf Ammerswil eine Kita zu führen, ehrgeizig ist. Gemeinderätin Brunner hofft nebst der Dorfjugend zusätzlich noch auf Pendlerfamilien aus der Region, die ihre Kinder auf dem Weg zur Arbeit in die Kita bringen.

«Das Haus ist optimal gelegen, man kann die Kinder in die Kita bringen, ohne einen Umweg machen zu müssen.» Nebst der Lage wirbt Rita Brunner mit der kitafreundlichen Infrastruktur des zweistöckigen Gebäudes. «Für die Kinder ist es ein total lässiges Haus. Dank der vielen Zimmer und Nischen ist genug Platz zum Spielen und zum Rückzug vorhanden.» Die Kapazitäten reichen für die Betreuung von bis zu 14 Kindern.

In der Zwischenzeit sind in der Gemeinde weitere Kräfte aktiv geworden, welche die Kinderbetreuung im Dorf retten wollen. Der noch junge Familienverein Ammerswil führt eine schriftliche Umfrage durch, mit der er den konkreten Bedarf für die vorschulische und die Randstunden-Betreuung sowie für den Mittagstisch im Ort abklärt.

Mittlerweile hat der kleine Junge das Rätsel im Buch gelöst. Er freut sich. Die grosse, rote, runde Frucht auf dem Bild ist eine Tomate.

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