Lenzburg
Besucherinnen erlebten, wie Kunst und Knast nahe beieinander liegen

Frauen aus der Schweiz besuchten am Samstag die Herbstkonferenz der Business und Professional Women. Sie besuchten das Museum, die Sonderausstellung und die Justizvollzugsanstalt. Auch da gibt es Kunst, erfuhren die Besucherinnen auf einem Rundgang.

Sibylle Haltiner
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Gespannte Stimmung unter den Frauen vor dem Gefängnis. Wie wird es sich hinter Gittern anfühlen?

Gespannte Stimmung unter den Frauen vor dem Gefängnis. Wie wird es sich hinter Gittern anfühlen?

Sibylle Haltiner

«Kultur & Knast»: Zwei auf den ersten Blick völlig gegensätzliche Erlebnisse, die rund 150 Frauen am Samstag geniessen konnten. Sie waren auf Einladung des Lenzburger Clubs der Business & Professional Women (BPW) (siehe Box) aus der ganzen Schweiz zur Herbstkonferenz angereist und durften den Gastort unter verschiedenen Gesichtspunkten kennen lernen.

Weltweites Berufsnetzwerk

Business and Professional Women (BPW) bilden eines der grössten und ältesten Berufsnetzwerke für Frauen - schweiz- und weltweit. Der Verband vertritt die Interessen von berufstätigen Frauen und agiert über Branchen, Parteien und Religionen hinweg. Im Aargau gibt es neben Lenzburg Clubs in Aarau, Baden und Zofingen. (sih)

Nach der Konferenz stimmte die Lenzburgerin Monica Monico die Teilnehmerinnen auf das Nachmittagsprogramm ein. «Kultur ist ein attraktives Wort, es zieht an, steht auf der schönen Seite des Lebens.» «Knast» hingegen wecke negative Assoziationen. «Gemeint ist ein Ort, wo man nicht verweilen möchte, ein sichtbar ausgegrenzter Bereich.» Jedoch seien der Strafvollzug und sein dazugehörender Ort immer ein Teil der Kultur der jeweiligen Zeit.

Drei verschiedene Bereiche von Kultur und Knast konnten die Frauen anschliessend erleben: Eine Gruppe besuchte das Museum Burghalde mit seiner Sonderausstellung «Hero – seit 1886 in aller Munde». Eine Zweite stellte sich dem «Supermarkt der Möglichkeiten» in der Ausstellung «Entscheiden» des Stapferhauses. 50 Frauen bestiegen den Bus in die abgeschlossene Welt des Strafvollzugs, in die Justizvollzugsanstalt Lenzburg.

Das Gefühl war beklemmend in der engen Zelle. 7,6 Quadratmeter gross ist der Ort, in dem ein Strafgefangener den grössten Teil des Tages verbringt. Das hohe Fenster und die fehlende Türfalle verstärkten den Eindruck des Eingeschlossenseins und die Frauen waren froh, mindestens wieder auf den Gang hinaustreten zu können. Dort fühlten sich viele wie in einem Film: Die Gitter, die Metalltreppen und die Galerien in den oberen Stockwerken erinnerten an den «Gefangenen von Alcatraz». Etwas angenehmer war es im neuen Betriebsgebäude, und auch der Ausblick auf das Schloss gefiel den Besucherinnen.

Zu ihrem Erstaunen erfuhren sie, dass es auch innerhalb der Gefängnismauern Kultur gibt: zum Beispiel ein Theater, das regelmässig von den Insassen aufgeführt wird, oder die künstlerische Gestaltung des unterirdischen Verbindungsganges von Jean-Louis Ruffieux.