Wildegg

Besucher wehren sich gegen die Volieren-Schliessung auf Schloss Wildegg

Weil sie den Tierschutzbestimmungen nicht mehr entspricht, will der Kanton die Voliere auf Schloss Wildegg schliessen. Damit würde das Schloss eine Attraktion verlieren.

Noch einen Monat soll es in den Käfigen auf dem Schloss Wildegg zwitschern, danach hebt die kantonale Stiftung Schlossdomäne Wildegg die Voliere auf. Die Vögel müssen raus. Denn laut Hans Ulrich Glarner, Leiter der Abteilung Kultur, entspricht die Voliere den Tierschutzbestimmungen nicht mehr. Die Abschaffung sei ein strategischer Entscheid der Stiftung und des Museums Aargau gewesen, man wolle die Ressourcen lieber für die einheimische Artenvielfalt verwenden.

Der Entscheid entzieht Peter Heuberger, der sich seit sieben Jahren um die Vögel kümmert, den Lebensinhalt. Der 49-Jährige ist zwar im 30-Prozent-Pensum beim Kanton angestellt, aber weil ihm die Tiere am Herzen liegen, kümmert er sich rund um die Uhr um die 200 Vögel und 30 Arten.

Kosten waren nicht entscheidend

Dass die Käfige damit überbelegt sind, weiss Heuberger. Der kantonsärztliche Dienst stellte aber noch mehr als ein Dutzend weitere Mängel fest. Detailliert will der Kanton darüber nicht Auskunft geben, aber laut Hans Ulrich Glarner lebten zum Beispiel falsche Vögel zusammen und heimische Wildvögel würden ohne Bewilligung gehalten.

Ausserdem sei die Voliere rund 50 Jahre alt und stark sanierungsbedürftig. «Die Gehege sind in einem traurigen Zustand», sagt Glarner, «das Wohl der Tiere steht im Vordergrund, dies ist uns wichtiger als das Vergnügen der Besucher.»

Sanieren will die Stiftung die Voliere aber nicht – und zwar nicht wegen der Kosten. «Unser Hauptziel ist die Pflege der Geschichte und der Natur, wie das mit dem Garten der Pro Specie Rara geschieht. Eingesperrte, exotische Vögel widersprechen dem. Diese haben in zoologischen Gärten ihre Funktion und optimale Betreuung.»

Ein weiterer Kritikpunkt des Veterinärdienstes ist die fehlende Ausbildung von Vogelbetreuer Peter Heuberger. Zwar heisst es, er habe seine Aufgabe gut erfüllt und sein Bestes gegeben, aber die Tierschutzbestimmungen würden in dieser Funktion einen Tierpfleger erfordern.

Die frei werdenden Ressourcen will der Kanton für die wilden Vögel ums Schloss einsetzen. «Es gibt von den Aareauen bis zum Grat des Chestenbergs ideale Lebensräume», meint Glarner. Damit und mit einer vermehrten Integration des Bio-Bauernhofes am Fuss des Schlosses will das Museum Aargau den Verlust an Attraktivität wieder wettmachen, der entsteht, wenn die Voliere abgerissen wird. Auch die freie Haltung von Pfauen werde wieder geprüft, sagt Glarner.

Silke Amrein, Präsidentin des Natur- und Vogelschutzvereins Holderbank, weist aber darauf hin, dass eine grössere Vogelpopulation in der Umgebung womöglich die Dohlenkolonie beim Schloss konkurriere.

Sie sagt: «Ich bin kein Freund der Käfighaltung oder der Ziervögelzüchterei, aber die Bevölkerung hängt an dieser Voliere.» Ihrer Meinung nach hätten die Vögel genug Platz. «Es ist leicht zu sagen, die Vögel sind unpassend. Dabei hatten die Adeligen doch schon immer exotische Tiere.» Auch andere Besucher teilen ihre Meinung: «Sind sich die Schlossbesitzer bewusst, wie viele Leute mit Kindern wegen der Vögel das Schloss Wildegg besuchen?», fragte Annemarie Vögeli aus Möriken in einem Leserbrief.

Weiterbeschäftigung garantiert

Der Vogelvater selbst, Peter Heuberger, mag nicht an die Zukunft denken. In seiner jetzigen Wohnung richtet der Kanton Büros ein. Doch in die angebotene Wohnung in Wildegg will er nicht. «Dort ist es zu laut und man darf keine Tiere halten», sagt er. Der Kanton hat Heuberger ausserdem die Weiterbeschäftigung zugesichert, womöglich könnte er sich um die einheimischen Vögel kümmern oder im Garten mithelfen.

Doch Peter Heuberger kann momentan nur an die Voliere denken. «Wenn sie meine Vögel raustragen, müssen sie mich auch raustragen», sagt er. Vermutlich werden auf dem Schloss seit über 100 Jahren Vögel gehalten, Peter Heuberger besitzt ein altes Foto von einer früheren Voliere auf der Wildegg.

Vögel werden nicht getötet

Einige der Vögel hat Heuberger aus dem eigenen Sack bezahlt. Doch gerade diese Vermischung von Privatem und Öffentlichem sei ein Problem, sagt Hans Ulrich Glarner, denn am Ende trage der Kanton die Verantwortung für die Voliere. Wichtig sei, festzuhalten, dass die Vögel auf keinen Fall getötet würden, sondern für sie neue Plätze gesucht werden.

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