Ein Stift fällt zu Boden und wird der Besitzerin mit einem doppelten Füller-Salto zurückgegeben. In der Unterführung fängt unvermittelt jemand an zu singen. Ein alter Mann stellt ein Tischchen auf und wird zum Zauberer: Nichts, was nicht aussergewöhnlich wäre, am 22. Gauklerfestival.

Doch nicht nur beim Publikum ist das Festival beliebt: Auch unter den Strassenkünstlern hat Lenzburg einen guten Ruf (unten stehender Text). Einen Platz im Programm zu ergattern ist darum nicht einfach: Weit über 300 Bewerbungen erhielt das Organisationskomitee alleine dieses Jahr, nur 22 Künstler durften auftreten.

Dass man hier mehr als einmal auftreten darf, ist eine Seltenheit, denn das OK bemüht sich, den Besuchern jedes Jahr etwas Neues zu bieten. Wer aber wiederkommen darf, tut das gerne. Doch was macht das Gauklerfestival in Lenzburg für die Artisten zu etwas ganz Besonderem? «Ich wollte schon sehr lange einmal am Lenzburger Gauklerfestival auftreten», sagt etwa Maurangas, «Jahr für Jahr habe ich mich beworben. Dieses Jahr hatte ich endlich Glück. Ich durfte für jemanden einspringen.» Der Strassenkünstler setzt sich in einen Hauseingang. «Man erzählt sich, dass man hier gut verdient.»

An diesem Samstag machte ihm und vielen anderen Künstlern aber dann das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Und so musste Maurangas um 21 Uhr vor einem eher zurückhaltenden Publikum spielen. Unberührt zog er sein sehr klassisches Programm durch: Comedy, Ballkunststücke, Publikumsbezug. Das Lächeln des vor Charme sprühenden Spaniers wirkte gegen Ende doch etwas angestrengt.

Viele der Gaukler sind mehrere Jahrzehnte in der Branche tätig. «Man ist fast wie eine Familie», sagt This Maag. Der Zürcher ist seit 28 Jahren mit dabei. «Da gehört es auch dazu, dass man sich untereinander austauscht.»

Maag und Maurangas zünden sich gemeinsam eine Zigarette an und unterhalten sich über ihre Shows. «Wie viel hast du verdient?» «Ich weiss es nicht, ich zähle nicht», sagt Maurangas. Wieder sitzen die Künstler in einem Hauseingang, um sich vor dem Regen zu schützen.

Lenzburger Altstadt wird zur Traumwelt

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