Ausgebucht ist der Workshop, wo man sich 6000 Jahre zurückversetzt fühlen kann. In der Seifi Lenzburg, bei der Erlebniswerkstatt des Museums Burghalde, stellen 15 Personen (mit deutlichem weiblichem Überhang) Behältnisse aus Birkenrinde her. Der Kurator und Archäologe Jonas Nyffeler zeigt, wie solche Becher, wie sie auch Ötzi auf sich trug, gemacht werden. Dazu braucht man Werkzeug: ein Steinmesser zum Zuschneiden, verschiedene Ahlen und einen Knochenmeissel. Und Wasser, um den Bast reissfester zu machen.

Zuerst gilt es, die weisse Rinde zu entfernen und die Rinde rund zu formen, damit der Körper des Gefässes entsteht. Die Schwierigkeit ist das Zusammennähen der beiden Enden. Der verglichen mit Ötzi und seinen Zeitgenossen schwächeren Handmuskulatur geschuldet ist die Verwendung einer modernen Klammer. Das Nähen mit Lindenbast und Ahlen ist Arbeit genug. Bast franst gerne aus; da hilft Wachs. «Es ist nicht einfach», lacht Brigitta Raimann aus Zug beim Nähen. Sie mag Birken. Auch Samuel Hofstetters Feinmotorik ist herausgefordert. Er ist ein erfahrener Workshopler, hat in der Museums-Dependance schon einen Pfeilbogen nach Steinzeitart gebastelt.

Konzentriertes Arbeiten

«In Amerika wurden mit Birkenrinde Boote gebaut, in der Steinzeit Dächer gedeckt», umschreibt Jonas Nyffeler die Möglichkeiten des Materials. Und das Birkenpech, ein Destillat aus der Birkenrinde, kann als Klebstoff verwendet werden.

Eifrig und konzentriert wird gearbeitet. Die vierfache Mutter Andrea Zemp aus Lenzburg geniesst es, mit Tochter Lena mal allein etwas zu unternehmen. Es braucht Geduld. Levi Rudolf (9) aus Lenzburg ist mit seiner Mutter da und hilft ihr, Löcher in die Birkenrinde zu stechen. Das Nähen überlässt er ihr. Jonas Nyffeler gibt ihm Körner, die er in der Erlebniswerkstatt mit einem Stein mahlen darf.

Speditiv arbeiten Tatjana (17) und Eljane Wälli (14) aus Lenzburg. Handarbeitsunterricht? Sie sind jedenfalls zuerst fertig, schmücken ihre Gefässe noch mit Zierfransen und benutzen die Posten der Erlebniswerkstatt, die von Freitag bis Sonntag geöffnet ist. Ihre Grossmutter hat die beiden angemeldet. «Spannend, aber schwieriger, als man denkt», sagt Tatjana. Man kommt ins Schwitzen: Ärmel zurückkrempeln. Der Brunegger Samuel Hofstetter entledigt sich seiner Jacke. Das Nähen des Bodens überlässt er seiner Frau, die ihrerseits Pech hat: Der erste Boden hat sich gespalten. Natur halt.