Seetal

Beschwerde von Pro Natura erfolgreich: Aargauer Aprikosen-Projekt gescheitert – Folientunnel müssen weg

Mit Technologie aus Deutschland sollte das Seetal zum Marillen-Paradies werden. Dank Folientunnel wuchsen im Aargau Aprikosen. Dagegen führte Pro Natura Beschwerde. Und bekommt nun vom Regierungsrat recht.

Der Regierungsrat hat die Beschwerden von Pro Natura Aargau gegen die Aprikosen-Folientunnels in Egliswil und Seengen vollumfänglich gutgeheissen: Die Plastikbauten sind nicht standortgerecht und müssen weg. In der Medienmitteilung kommentiert Matthias Betsche, Präsident Pro Natura Aargau, den Entscheid des Regierungsrats: «Das ist ein wegweisender Entscheid für den Schutz von Ackerboden und gegen Plastik-Landschaften in geschützten Gebieten».

«Nicht aus dem Amtsblatt, sondern aus Zeitungsartikeln hatten die Umweltverbände von den Folien-Bauten in den Landschaftsschutzzonen am Hallwilersee erfahren», schreibt Pro Natura weiter. Über die Beschwerde, die der Verband dagegen führte, wurde wegen des Ausscheidens von Altregierungsrätin Franziska Roth und der Pflicht zum Ausstand betroffener Regierungsräte lange nicht entschieden. «Nun ist der Regierungsrat mit Jean-Pierre Gallati wieder vollzählig und sein Verdikt ist klar», heisst es weiter.

«Künstliche Bedingungen»

Was hat Pro Natura an den Folientunneln auszusetzen? «Aprikosen wachsen im Aargau nicht im Freien, sie sind keine natürlichen Landwirtschaftsprodukte des Aargaus. Nur unter künstlichen Bedingungen mit ständiger Abdeckung durch Folientunnels sind diese Kulturen überlebensfähig.» Solche Folientunnel-Bauten seien daher in der Landwirtschaftszone nicht zonenkonform.

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Wird aus dem Rüeblikanton bald ein Aprikosenkanton? Der Bericht von Tele M1 zum Projekt im August 2018.

Die Folientunnels seien auch wegen des Landschaftsschutzes nicht bewilligungsfähig. Sie liegen in einer Landschaft von kantonaler Bedeutung. Ziel dieser Landschaftsschutzzonen sei es, die weitgehend unverbaute Landschaft in ihrem Aussehen und ihrer Eigenart zu erhalten.

Betsche sagt: «Das unversehrte Landschaftsbild des Hallwilerseegebiets hat einen hohen Wert für Mensch und Natur. Es macht die Region als Wohn- und Naherholungsgebiet attraktiv. Auch die nächsten Generationen sollen davon profitieren können. Die jetzt beanstandeten Folientunnels wären ja erst der Anfang gewesen. Weitere Plastik-Tunnels in der geschützten Hallwilersee-Landschaft wären gefolgt».

Folientunnel verschwinden

Die Folientunnel müssen gemäss Entscheid des Regierungsrates zurückgebaut werden. Die Bauern jedoch durften sich auf die Baubewilligung von Kanton und Gemeinde verlassen, schreibt Pro Natura Aargau. Matthias Betsche ist überzeugt, dass der Staat für die «krassen Fehler» gerade stehen und die betroffenen Bauern unterstützen muss: «Die Behörden, welche diese Baubewilligungen erteilt haben, müssen die Bauern auch beim Rückbau unterstützen».

Der Entscheid hat wegweisende Bedeutung über die Fälle am Hallwilersee hinaus, schreibt der Umweltverband. «In Birmenstorf sollen auf mehr als 13 Hektaren Gewächshäuser in einer Landschaft von nationaler Bedeutung gebaut werden. Das entspricht einer Fläche von 18 Fussballfeldern. Ein Grossteil der vorgesehenen Gewächshäuser liegt in der geschützten Reusslandschaft, die im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) eingetragen ist.»

Das Projekt in Birmenstorf betreffe eine riesige Fläche neuer Gewächshaus-Bauten. «Das fruchtbare Ackerland könnte unwiederbringlich versiegelt werden», befürchtet Pro Natura. «Industrielle Gewächshäuser gehören nicht in eine geschützte Landschaft von nationaler Bedeutung. Die Landwirtschaftszone soll ach einer landwirtschaftlichen Produktion auf Ackerboden vorbehalten bleiben, welche diesen Namen verdient.», ist Betsche überzeugt.

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