Im Frühling hatte der Stadtrat das Baugesuch für einen Kiesrasenplatz auf der Schützenwiese zurückgezogen. Aus der «Schützi»-Nachbarschaft hatte man sich gegen das Projekt zur Wehr gesetzt.

Hans Peter Eichenberger: «Die Baumwurzeln haben den gleichen Umfang wie das Kronenwerk. Dementsprechend schonend müsste mit dem Boden in diesem Radius umgegangen werden.»

Hans Peter Eichenberger: «Die Baumwurzeln haben den gleichen Umfang wie das Kronenwerk. Dementsprechend schonend müsste mit dem Boden in diesem Radius umgegangen werden.»

Hans Peter Eichenberger schüttelt den Kopf über diesen Entscheid. Auch er wohnt unweit der Schützenmatte. Und er sorgt sich um den alten Baumbestand, der unter der nun weiter anhaltenden unveränderten Situation leiden muss. «Wenn das so weitergeht, sind die Bäume gefährdet. Die teilweise gegen 90 Jahre alten Kastanien- und Lindenbäume haben nur an der Peripherie des Platzes überlebt. Die zentral stehenden mussten teils schon mehrmals ersetzt werden.»

Bleiben die Verhältnisse so wie sie sind, haben die Bäume keine Überlebenschance, ist Eichenberger überzeugt. Seine Auffassung erklärt er so: Der Kiesplatz zwischen dem Cholerahaus und der Mehrzweckhalle, auf welchem die Bäume angesiedelt sind, dient bei Grossveranstaltungen auf der Schützenmatte und in der Mehrzweckhalle schon seit Jahrzehnten als Parkplatz für Motorfahrzeuge. Zudem fahre das Militär, welches mehrere Wochen im Jahr auf der Schützenmatte einquartiert ist, oftmals mit schweren Fahrzeugen auf, sagt Eichenberger. «Das alles strapaziert und stresst die Kastanien- und Lindenbäume auf dem Naturplatz über Gebühr.» Eichenbergers Arbeitsweg führte über Jahre hinweg tagtäglich über die Schützenmatte. Er hat die seines Erachtens unerfreuliche Entwicklung der Bäume hautnah miterlebt.

Wurzeln unrettbar beschädigt

Einzelne Baumstämme seien von parkierenden Autos beschädigt und der von den Fahrzeugen verdichtete Boden schade dem Wurzelwerk, echauffiert sich der pensionierte Informatiker. «Die Wurzeln haben den gleichen Umfang wie das Kronenwerk, dementsprechend schonend müsste mit dem Boden in diesem Radius umgegangen werden», erklärt er. Doch dem sei nicht so. Bei Regenwetter würde der Boden durch die darauf fahrenden Autos verdichtet, dabei würden die Baumwurzeln ganz besonders mitgenommen. «Im weichen Untergrund des gekiesten Platzes entstehen durch das Befahren und Manövrieren stellenweise tiefe, gut sichtbare Fahrrinnen, der Druck auf das Wurzelwerk wird zu gross», erklärt Eichenberger. Bis zu drei Wochen bleibe das Wasser in den tiefen Spuren zurück, hat er festgestellt. Diesen Umstand hat er auch fotografisch festgehalten.

In einem Brief an den Stadtrat hat er im Januar den Zustand angeprangert. Vonseiten der Stadt wurde ihm bestätigt, dass man sich der Situation bewusst sei. Doch: Das Wachstum der Bäume sei mässig, dem Umstand entsprechend genügend, hiess es. Regelmässige Kontrollen und Behandlungen durch Baumpfleger können die Lebenserwartung der Bäume verlängern. Verbesserungsmassnahmen würden derzeit geprüft. Mit dieser Antwort ist Hans Peter Eichenberger nicht zufrieden. «Es enttäuscht mich, dass die zuständigen Stellen das Problem zwar sehen, aber nichts machen.»

Militär ist wichtiger Mieter

Weil der geplante Parkplatz nicht realisiert werden kann und somit keine Alternative da ist, um die Autos abzustellen, ist die Stadt in einer Zwickmühle. Christian Brenner vom Stadtbauamt hält fest. «Die Mehrzweckhalle muss vermietet werden können, um deren Unterhalt zu finanzieren.» Dabei sei das Militär ein wichtiger Mieter. Doch dieser belegt den Naturparkplatz über mehrere Wochen hinweg mit schweren Fahrzeugen. Um die alten Bäume zu schützen, müssten diese im Umfang des Wurzelwerks abgeschrankt werden. Das ist laut Brenner nicht möglich. «In diesem Fall kann der Platz zum Parkieren nicht mehr benutzt werden.» Man plane nun, mit der Armee das Parking weiter zu optimieren, dass möglichst wenig zusätzlicher Schaden entstehe. Aus Rücksicht auf die Bäume würden die ganz schweren Fahrzeuge schon jetzt andernorts abgestellt.

Die heutige Situation auf der Schützenmatte ist für Eichenberger unhaltbar. «Wenn Lenzburg diesen Platz als Abstellfläche für schwere Motorfahrzeuge zur Verfügung stellen will, dann sollte man konsequenterweise die Bäume fällen», greift er zur radikalsten aller Lösungen. Diese Massnahme würde von der Bevölkerung wohl kaum goutiert. Auch Eichenberger sähe lieber eine Regelung zugunsten des Erhalts der Bäume. «Immerhin ist es der Platz, auf dem alljährlich das Jugendfest stattfindet», gibt er zu bedenken.