Lenzburg
Berufsschule: Wie sich die Sanierung auf den Lerneifer auswirkt

6 Millionen Franken hat die Berufsschule Lenzburg in das 40-jährige Hauptgebäude investiert. Mit der nun abgeschlossenen Sanierung von Haus A hat die Berufsschule den Energieverbrauch gesenkt. Starke Raumfarben sollen den Lerneifer steigern.

Fritz Thut
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Rotbrauner Boden und eine türkisfarbene Wand: Gruppenarbeit in einem farbigen Schulzimmer des sanierten Hauses A der Berufsschule Lenzburg. Chris Iseli

Rotbrauner Boden und eine türkisfarbene Wand: Gruppenarbeit in einem farbigen Schulzimmer des sanierten Hauses A der Berufsschule Lenzburg. Chris Iseli

Chris Iseli

Das bald 40-jährige Hauptgebäude der Berufsschule Lenzburg (BSL) hat sich in einen Jungbrunnen gestürzt. Für rund 6 Millionen Franken wurde das 1976 in Betrieb genommene Haus A vorwiegend während den diversen Schulferien seit dem letzten Sommer intensiv saniert.

Nun sind die umfangreichen Arbeiten abgeschlossen und die Krux ist, dass die meisten Erneuerungen für Lehrende und Lernende im Schulalltag zwar spür-, aber kaum sichtbar sind. Vom ursprünglich geplanten Ersatz der Aluminiumfassade ist lediglich der Einbau neuer Wärmeschutzscheiben geblieben. Dank der intakten Tragstruktur konnte der Vernichtung von viel sogenannt grauer Energie entgegengewirkt werden.

Dadurch eingesparte Gelder wurden für Lüftung und Raumklima (etwa die elektronisch gesteuerte Nachtauskühlung) eingesetzt. Zusammen mit den isolierenden neuen Decken und dem konsequenten Einsatz tageslichtgesteuerter LED-Leuchtelemente wurde der Energieverbrauch massiv gesenkt.

Man rechnet mit Einsparungen von 30 Prozent beim Erdgasverbrauch und gar 60 Prozent bei der Elektrizität. «Obwohl es rund ein Jahr geht, bis die ganze Anlage feinjustiert ist, haben Lehrer bereits von einer spürbaren Verbesserung des Raumklimas berichtet», erzählt Rektor Ruedi Suter.

Farbkonzept statt Grautöne

Positive Rückmeldungen gab es bereits in den ersten Wochen über das Augenfälligste der Sanierung: Die neue Farbgebung. Wie beim benachbarten Weiterbildungszentrum wurde auch hier das Zürcher «Haus der Farbe» mit dem Konzept beauftragt. «Unsere Vorgabe für die Farbgestaltung lautete: frisch, frech, freundlich», so Suter. Damit wollte man nebenbei erreichen, dass man hier gerne die Schulbank drückt.

Woche der offenen Türen: Blick hinter die Kulissen, Referat und eine Podiumsdiskussion

Der Abschluss der Sanierungsarbeiten am Haupthaus A nimmt die Berufsschule Lenzburg (BSL) zu einer Charmeoffensive: In der nächsten Woche will man dem breiten Publikum einen umfassenden Blick hinter die Kulissen des Schulbetriebs ermöglichen. Von Montag bis Freitag sind die Türen aller Schulzimmer, aber auch der Kurswerkstätten jeweils von 10 bis 16 Uhr offen. Hier geht es also nicht nur um den nun aktuell sanierten Bau A, sondern um den gesamten BSL-Campus.

«Eine solche Aktion haben wir noch nie gemacht», so Rektor Ruedi Suter. Mit der Ausdehnung auf die ganze Woche und die ganze Anlage will man allen Angehörigen und Lehrmeistern Gelegenheit geben, ihre Auszubildenden im Schulalltag besuchen zu können. Damit man «seinen» Lernenden auch findet, hat die BSL auf dem Sekretariat eine Infostelle eingerichtet.

Ergänzt wird die «Woche der offenen Türen» durch zwei spezielle, prominent besetzte Anlässe. Am Montag, 16. März, hält der ehemalige Nationalrat und Bildungsforscher Rudolf Strahm um 19 Uhr in der Aula einen Vortrag über «Höhere Berufsbildung – ein echter Mehrwert». Im Anschluss an dieses Plädoyer, die zahlreichen Möglichkeiten der beruflichen Weiterbildung intensiv zu nutzen, kommt es zu einer Diskussionsrunde mit dem Aargauer Bildungsdirektor, Regierungsrat Alex Hürzeler.
Am Mittwoch, 18. März, gibt es ab 18 Uhr eine Podiumsdiskussion zum Thema «Berufsbildung eröffnet Perspektiven». Unter der Moderation von Peter Buri äussern sich Ständerätin Pascale Bruderer, Nationalrat Hansjörg Knecht, Grossrat Thomas Burgherr, Gewerbeverbandspräsident Kurt Schmid, Unternehmer Thomas Lenzin, Christine Davatz von SwissSkills und Karin Zehnder (Polymechanikerin im 4. Lehrjahr) über die Bedeutung der Berufslehre.
Passend zu Forums-Themen und Zielpublikum gibt es zum Anschluss die passende Verpflegung: Am Montag einen Apéro riche mit kulinarischen Häppchen aus dem Restaurant timeout. Am Mittwoch wird zum bodenständigen Handwerker-Imbiss (passend mit einem Bier) geladen. (tf)

Diese Auflage wurde mit starken, teils kontrastierenden Farbtönen und Kombinationen voll erreicht. Den einzelnen Etagen wurde jeweils eine Kombination zugeteilt und die jeweilige Bodenfarbe hat sich bei den Benutzern bereits als Bezeichnung eingebürgert: Man geht beispielsweise nicht mehr in den zweiten, sondern in den roten Stock.

Die ursprünglich vorgesehenen klassischen Grautöne sind nur noch bei den Flurböden, die man übernommen hat, zu sehen. Der Rektor war sich etwas unsicher, wie die kecken Farben angenommen werden: «Ich habe mich auf kritische Stimmen gefasst gemacht, doch die bisherigen Rückmeldungen sind fast ausschliesslich positiv.» Zusammenfassend sagt Ruedi Suter: «Unser Bekenntnis zu starken Farben hat sich gelohnt.»

Sanierung unter Vollbetrieb

Massiv erschwerend kam bei der BSL-Haussanierung dazu, dass die Arbeiten unter Vollbetrieb durchgeführt werden mussten. «Die hohe Auslastung der Schulzimmer liess eine Etappierung nicht zu», so der Rektor. Eine temporäre Auslagerung in ein Provisorium kam aus Kostengründen ebenfalls nicht infrage.

Aus diesen Gründen mussten sich die Arbeiten auf die Schulferien konzentrieren. Um schneller voranzukommen, wurden gewisse Arbeitsbereiche auf verschiedene Unternehmer aufgeteilt. Dies bedingte einen riesigen Planungs- und Koordinationsaufwand. «Zuerst hiess es, diese Arbeitsaufteilung sei unmöglich, doch dank dem tollen Engagement aller Beteiligten konnten die Arbeiten plangemäss und in guter Qualität abgeschlossen werden», so Suter.

Ruedi Suter, Rektor Berufsschule Lenzburg

Ruedi Suter, Rektor Berufsschule Lenzburg

Chris Iseli

Für die intensivste Bauphase in den letzten Sommerferien hat die Schule einen Kunstgriff angewandt: Mit zwei vorgängigen Projektwochen hat man den Arbeitern mehr Zeit gegeben. Und bei Lehrern und Lernenden haben diese Spezialwochen etwas bewirkt: «Der Team- und Klassengeist hat sich verbessert», hat der Rektor beobachtet.

In den Herbstferien folgten die Malerarbeiten und in den Sportferien vor wenigen Wochen mit Belagsarbeiten der letzte Schliff. So kann diesen Freitag der sanierte Haupttrakt offiziell eröffnet und nächste Woche durch die Bevölkerung besichtigt werden (siehe separaten Artikel).

Gemäss den aktuell vorliegenden Zahlen wird der vom Einwohnerrat im September und dem Lenzburger Stimmvolk im November 2013 bewilligte Kredit von 6,156 Millionen Franken nicht voll ausgeschöpft. Dies erreichte man laut Rektor Ruedi Suter mit der Maxime «Beschränkung aufs Nötige, Verzicht aufs Wünschbare».

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