Lenzburg

Berufsbildung: Das Notebook erobert das Klassenzimmer

Die Schüler der Berufsmaturitätsklasse 19a haben sich rasch an den integralen Einsatz der Laptops gewöhnt.

Die Schüler der Berufsmaturitätsklasse 19a haben sich rasch an den integralen Einsatz der Laptops gewöhnt.

Wie am KV Lenzburg digital unterrichtet und dabei Unmengen von Kopierpapier gespart wird.

Wenn die Lernenden der Berufsmaturitätsklasse BM19a des KV Lenzburg Reinach seit diesem Sommer im Schulzimmer sitzen, in ihre Lehrbücher vertieft am Lernen sind, liegen vor ihnen nicht mehr nur gedruckte Bücher – sie schauen in Notebooks.

Die Bücher, Arbeitsblätter und Prüfungen erhalten sie grösstenteils in elektronischer Form. Die Digitalisierung verändert Lernen und Arbeiten insbesondere in den kaufmännischen Berufen. Das KV Lenzburg Reinach will dieser Entwicklung Rechnung tragen.

«Die Lernenden können einfacher kollaborativ arbeiten, etwa wenn sie gemeinsam einen Text verfassen und sich gegenseitig Feedback geben», erklärt Französischlehrerin Linda Leutwiler.

Anstatt dass jeder seine Argumente auf Papier bringt und diese anschliessend zusammengeführt werden, können die Lernenden über das Computertool OneNote ihre Textteile gleichzeitig auf derselben Seite verfassen und den Schreibprozess der anderen in Echtzeit mitverfolgen.

«Die Lernenden beginnen, ihre Texte gegenseitig zu lesen und zu bearbeiten. Das ist ein echter Mehrwert zum analogen Schreiben auf Papier», stellt Linda Leutwiler fest.

Für die Lernenden wie auch für die Lehrpersonen waren die neuen Computerprogramme anfänglich gewöhnungsbedürftig. In der Zwischenzeit funktioniere es aber gut.

Der Vorteil der Lehrperson gegenüber dem Internet

Den Unterricht selbst führt Linda Leutwiler nach wie vor im Klassenzimmer durch. Bei Gruppen- und Einzelarbeiten kann sie so rasch eingreifen, unterstützen und Fragen beantworten.

Lachend fügt sie an, «wenn die Lernenden ein Wort nicht kennen, fragen sie mich, im Internet finden sie fünf verschiedene Übersetzungen – da ist es schwierig, herauszufinden, welche die passende ist.»

Da Linda Leutwiler auch bei «analogen» Klassen viel mit elektronischen Hilfsmitteln wie Kahoot oder Padlet arbeitet, haben sich ihre Unterrichtsmethoden bisher nicht gross geändert.

Die Vorbereitung auf das internationale Diplom DELF B2, welches die digitale Klasse im nächsten Frühjahr ablegen wird, wird sie auf Papier durchführen, da die DELF-Prüfung bisher noch nicht digital angeboten wird. Dennoch hat sich ihr Kopierpapierverbrauch nahezu auf null reduziert.

Dass die Unterlagen alle elektronisch gesammelt werden, sehen auch die Lernenden als einen Hauptvorteil. Alles ist archiviert und immer zur Hand – als Abwechslung schätzen sie es aber, zwischendurch auf Papier zu arbeiten.

Warum «Ordinateurs» am Anfang geschlossen werden

Linda Leutwiler betont, dass gerade im Fach Französisch das Notebook immer wieder geschlossen bleibe. Dies, wenn sie in Kleingruppen die mündlichen Französischkompetenzen der Lernenden fördern will.

Sie hat festgestellt, dass sich bei geöffneten Notebooks viele Lernende «hinter den Bildschirmen verstecken». Mündliche Aktivitäten und Diskussionen, wie sie in Sprachfächern häufig und sinnvoll seien, aber auch eine ganz einfache Begrüssung zu Beginn der Lektion, würden durch die Notebooks eher erschwert.

Einer ihrer ersten Sätze zu Stundenbeginn lautet deshalb meistens: «Fermez vos ordinateurs portables, s’il vous plaît.»

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