Hendschiken

Beruf Tierkommunikatorin: Die Frau, die mit den Tieren spricht

Tierkommunikatorin Erna John fungiert als Übersetzerin zwischen Tieren und ihren Besitzern. Heidy Dietiker

Tierkommunikatorin Erna John fungiert als Übersetzerin zwischen Tieren und ihren Besitzern. Heidy Dietiker

Wenn das Pferd verspannt oder die Katze auf das Sofa pinkelt, kommt Erna John und bietet Tierkommunikation an. Ist dies Spinnerei, oder eine Methode, um seine Lieblinge besser zu verstehen?

Die Türen des Einfamilienhauses am Dorfrand von Hendschiken sind weit geöffnet. Erna John begrüsst die Besucherin strahlend. Die 60-Jährige ist eine aufgeschlossene, fröhliche Frau, sprüht vor Lebensfreude.

Die Tierkommunikatorin scheint weder abgehoben noch mysteriös. Im Gegenteil, sie steht mit beiden Beinen im Leben. Denn sie habe selber schon etliche Schicksalsschläge verkraften müssen, erzählt sie.

Tierkommunikatorin Erna John bei der Arbeit.

Tierkommunikatorin Erna John bei der Arbeit.

Die gelernte Masseurin arbeitete während 13 Jahren als selbstständige Unternehmerin. Sie hat drei Kinder grossgezogen, das jüngste davon ist behindert und hat jahrelang ihre volle Aufmerksamkeit gefordert. Deshalb musste sie ihre Arbeit aufgeben. «Aber ich wusste immer, dass noch etwas anderes, Grösseres kommt», sagt John.

Dieses «Grössere» war – wie sich später herausstellte – die Fähigkeit, mit Tieren zu kommunizieren. Den Ausschlag gab ein einschneidendes Erlebnis nach dem Tod einer ihrer Katzen. John hatte ein junges Kätzchen zu sich geholt. «Dieses verstand sich aber mit der zweiten Katze überhaupt nicht, es gab immer Streit.» So nahm sie Kontakt zu einer Tierkommunikatorin auf. «Wie erstaunt war ich, als sich durch die Gespräche herausstellte, dass meine verstorbene Katze und das zweite Büsi, das ich jetzt zu mir genommen hatte, dieselbe Katze sind, es sich also um Reinkarnation handelte. Jetzt wurde mir schlagartig bewusst, warum sich die zweite Katze von Anfang an so seltsam benahm, als wäre sie schon immer hier zu Hause gewesen. Nun war auch klar, warum sie sich nicht unterordnen wollte. Durch die Gespräche zwischen Tierkommunikatorin und meinen Katzen veränderte sich die Situation zusehends.»

Verstand verdrängt Intuition

John war von diesem Erlebnis so beeindruckt, dass sie begann, Fachliteratur zu verschlingen. Sie erkannte, dass sie schon immer unbewusst mit Tieren kommuniziert hatte. «Meine Begeisterung kannte keine Grenzen, denn das bewusste Kommunizieren eröffnete mir eine neue Welt.»

Dass ihre Tätigkeit kontroverse Reaktionen hervorruft, ist ihr bewusst, macht ihr aber nichts aus. «Unser Verstand verdrängt die Intuition, das Bauchgefühl.» Wenn jemand das nicht gut finde, dann diskutiere sie nicht. «Wenn ich jemanden überzeugen muss, ist es der falsche
Weg.» Ihr Wissen gibt John zum Beispiel auch in Weiterbildungskursen weiter. Man kann vom Beruf der Hendschikerin halten, was man will – sie erfüllt offenbar ein Bedürfnis. In ihrer mittlerweile 10-jährigen Tätigkeit als Tierkommunikatorin hat sie schon vielen Tierhaltern und Tieren geholfen. Die Argumente der Zweifler ignoriert sie und meint lachend: «Ich würde ja niemals jahrelang eine Tätigkeit ausüben, die nicht funktioniert.»

Vom Pferd bis zur Schlange

Erna John sagt, sie könne mit allen Tieren kommunizieren. Ein Foto des Tieres, der Name und das Alter reichten für eine Kontaktaufnahme aus. Sie habe sich schon mit Schlangen, Papageien, Pferden, Kühen, Eseln, Hunden, Katzen, Meerschweinchen, Igeln oder Mäusen verständigt. «Selbst mit Fliegen und Ameisen in meinem Umfeld rede ich», sagt sie.

Pferdebesitzer beispielsweise würden oft versuchen, durch ihre Hilfe herauszufinden, weshalb das Pferd verspannt läuft, erst dann werde der Tierarzt beigezogen. Am häufigsten jedoch werde sie kontaktiert, um vermisste Tiere zu finden oder wenn Katzen oder Hunde plötzlich anfangen, im Haus zu markieren. «Oft liegt der Grund beim Besitzer und dessen psychischer Verfassung, und das Problem kann manchmal mit einfachen Verhaltensänderungen gelöst werden.» Bei der Kontaktaufnahme erhalte sie Bilder, Worte, Gefühle und Gedanken des Tieres, wisse aber nicht immer, wohin diese gehörten. Oftmals kläre sich das aber im Gespräch mit dem Besitzer. Selbstverständlich gebe es aber auch Fälle, in denen die Tierkommunikation nicht weiterhelfe.

Alle können mit Tieren reden

John ist überzeugt, dass jeder Mensch die Fähigkeit hat, mit Tieren zu sprechen. Eine Mutter könne ihr Baby ja auch verstehen, obwohl es nicht reden kann. Für Menschen und Tiere sei Kommunikation eine wichtige Form des Ausdrucks, um harmonisch zusammenleben zu können. Da aber nicht jedes Lebewesen dieselbe Sprache spricht, entstünden oft Missverständnisse. «Die Telepathie kann hier eine grosse Hilfe sein.» Telepathie sei ein Gespräch von Seele zu Seele. «Alle Menschen haben diese Gabe in sich, wissen es aber nicht. Deshalb stelle ich mich als ‹Übersetzer›, als Kommunikator zur Verfügung.»

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