Brutsaison

Beinwil am See wird die Krähen nicht los: «Momentan hat es hier wohl etwa 200 bis 250 Tiere»

Wirt Rui Soares auf der Terrasse des Restaurants Rütli. Direkt hinter ihm sind die Nester der Krähen in den Bäumen des Häxewaldes zu sehen.

Wirt Rui Soares auf der Terrasse des Restaurants Rütli. Direkt hinter ihm sind die Nester der Krähen in den Bäumen des Häxewaldes zu sehen.

Das Häxewäldli in Beinwil am See beherbergt besonders viele Krähen. Während der Brutsaison sind die Tiere besonders laut. Vertreiben lassen sie sich nur schwer.

Wer zur Zeit in Beinwil am See am Bahnhof ist, hört sie: die Krähen. Die grossen schwarzen Vögel kreisen über dem sogenannten Häxewäldli, wo sie seit Jahren ihr Quartier bezogen haben. Auf einzelnen Bäumen finden sich bis zu 15 Nester. «Ich schätze, dass es momentan etwa 200 bis 250 Krähen hier hat», sagt Rui Soares, Wirt des Restaurants Rütli. Seine Gartenwirtschaft bietet Blick auf den Häxewald.

Momentan sind die lärmenden Vögel für den Wirt kein Problem, die Gäste kommen nur für das Abholen der Tagesmenus vorbei. Auch sonst sieht Soares die Situation relativ gelassen. «Wir können daran sowieso nichts ändern, die Krähen sind seit Jahren hier. Ich glaube auch nicht, dass sie so schnell wieder weggehen.» Früher seien zudem noch viel mehr Krähen im Wald gewesen. «Ich schätze, dass es zeitweise beinahe doppelt so viele waren wie heute», sagt Soares.

Dass über dem Häxewald weniger Krähen fliegen, hat einen einfachen Grund, wie die zuständige Gemeinderätin Jacqueline Widmer sagt: «Einige Grundstückbesitzer haben Bäume gerodet, dadurch hat es auch weniger Nester.»

Die Krähen sind ein wiederkehrendes Thema im Dorf. An der Sommergmeind 2018 tat ein Anwohner seinen Unmut über die Vögel kund. Das Problem: Die Krähen machen viel Lärm und verkoten die Spazierwege, die durch den Häxewald führen. Worauf der Gemeinderat reagierte: «Wir haben mehrere Möglichkeiten geprüft, um die Krähenanzahl zu dezimieren», erklärt Jacqueline Widmer. Auch eine Expertin von Birdlife sei vor Ort gewesen, sagt die Gemeinderätin. «Das Problem ist, dass Krähen sehr intelligente Tiere sind. Für die Falknerei, eine spezielle Jagdart, hat es zu wenig Platz im Wald. Auch die sogenannten Fake-Vögel, die im Kantonsspital Aarau gegen die Krähenplage eingesetzt wurden, würden im Häxewald auf lange Sicht keine Besserung versprechen», so Widmer.

Radikale Lösung wäre Rodung des Häxewaldes

Die direkten Anwohner sind derweil zwiegespalten. Einige mögen die Tiere und füttern sie sogar, andere nerven sich ab den Exkrementen, die auf ihrem Balkon landen. Sicher helfen würde eine radikale Lösung: «Wenn man den Häxewald ganz roden würde, würden auch die Krähen verschwinden. Dies ist aber gesetzlich nicht erlaubt, da es sich um einen offiziellen Wald handelt. Es wäre auch nicht im Sinne des Gemeinderats den Wald zu holzen», so Widmer. Eine weitere Möglichkeit wäre, den Wald auszudünnen oder einige Baumkronen, auf denen die Nester sind, zu entfernen. Der Häxewald gehört jedoch nicht der Gemeinde, sondern diversen privaten Grundstückbesitzern. «Diese Methode wäre eine Sisyphusarbeit. Zudem müssten die jeweiligen Grundstückbesitzer damit einverstanden sein», sagt Widmer. Voraussichtlich werden die Krähen also noch länger im Häxewald zu Hause sein.

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