Beinwil am See
Poesie steckt auch im Pinselstrich

Der Seetaler Poesiesommer besuchte den Künstler Titus Eichenberger in Beinwil am See.

Peter Weingartner
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Peter und Esther Lenzin, Myriam Eichenberger, Ueli Suter und Titus Eichenberger (v.l.) im Atelier in Bewinwil am See.

Peter und Esther Lenzin, Myriam Eichenberger, Ueli Suter und Titus Eichenberger (v.l.) im Atelier in Bewinwil am See.

Peter Weingartner

«Das Staunen ist wohl mein Hauptwesensmerkmal», sagt Titus Eichenberger, der Künstler in Beinwil am See. Staunen konnte auch die Handvoll Besucher seines Ateliers am Gerbeweg. Was auf den ersten Blick als Kritzelei wahrgenommen werden kann, entpuppt sich beim zweiten als Bild mit Tiefe. Eichenberger sieht sich weder als abstrakten, noch als gegenständlichen Maler, obwohl er die «klassische Landschaftsmalerei» beim lokalen Künstler Paul Eichenberger gelernt hat.

Bewegte Innenwelten kommen auf die Leinwand

«Mich interessiert mehr die Innenwelt», sagt er und nennt William Turner als Beispiel für einen Künstler, der Stimmung aus der Innenwelt schöpft. Titus Eichenberger hat die Einsicht, dass alles sich bewegt, zum Thema gemacht. Nichts ist stabil; auch beim Massivholztisch kreisen Elektronen um den Atomkern. Das Rotationsprinzip als Grundelement seiner Arbeit, sei es, wenn er zu Wachskreiden greift, aber auch bei seinen Kugelschreiberzeichnungen.

Titus Eichenberger hat auch ein wissenschaftliches Interesse an der Ästhetik. Was ist kulturell determiniert? Gibt es eine von Kultur und Zeit unabhängige Ästhetik? Das Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik in Frankfurt forscht daran. Beim Atelierbesuch zeigte er Zeichnungspaare und liess die Gäste entscheiden: Wo ist Aufbau, wo Zerstörung drin? Wo mehr Energie? In seinen Bildern tauchen auch Zeichen auf, die als Symbole gelesen werden können.

Wie Musik: mal Improvisation, mal Komposition

Oft geht er intuitiv vor, wobei die Intuition selber auch durch Erfahrungen geprägt ist. Hier treffen sich bildende Kunst und Wortkunst, also Poesie. Beide regen in ihrer Uneindeutigkeit an, wecken Assoziationen, fordern die Flexibilität des Denkens und des Empfindens heraus und bringen möglicherweise bei der betrachtenden Person neue Ideen zum Blühen. Bei kleinen Bildern auf Papier improvisiert Eichenberger mehr, während er bei den grossen, von denen eines, mit Skizzen vorbereitet, im Atelier unter dem Dach im Entstehen ist, komponiert. Wie ein Musikstück.

Seit einer Woche läuft die 22. Ausgabe des Seetaler Poesiesommers, ein «literarisches Festival der leisen Töne», ein Werk von Ulrich Suter aus Schongau LU. Der Juli macht den Auftakt. Übermorgen Mittwoch, 21. Juli um 17 Uhr, ist in Beinwil am See Gelegenheit zu einer Ortsbegehung unter dem Motto «Kein alter Tobak – ‹Böju› im Wandel».

Mit dem Erscheinen des Buches «Beinwil am See», herausgegeben von Ulrich Suter, wird die Gelegenheit geboten, Persönlichkeiten zu begegnen, die das Leben im Ort prägen. Treffpunkt ist um 17 Uhr beim Bahnhof. Inbegriffen ist ein Ausstellungsbesuch im Buch- und Kunstantiquariat Johannes Eichenberger, wo das Buch vorgestellt wird.

19. Schweizer Mundarttag auf dem Schloss Heidegg

Am Sonntag, 25. Juli findet von 14 bis 17 Uhr der 19. Schweizer Mundarttag auf dem Schloss Heidegg statt, unter anderen mit dem historiografischen Schriftsteller Pirmin Meier aus Aesch LU, der Tessiner Schriftstellerin mit Aargauer Wurzeln, Franca da Rin und dem langjährigen Tessinkorrespondenten von Radio SRF, Alexander Grass. Und am 29. Juli finden im Tessiner Bergdorf Calpiogna «Linien und Töne zueinander», mit Amina und Karima Tarchouni aus Köln und Hansruedi Zeder aus Hochdorf LU. Im August geht der Seetaler Poesiesommer weiter bis in den November hinein. Die jeweiligen Monatsprogramme erscheinen jeweils am Ende des Vormonats.