Alle wollen ein Familienzentrum. In der Bevölkerung sei ein Bedürfnis für die Angebote von «Familie plus» da, die gelte es zu erhalten. In diesem Grundsatz herrscht im Einwohnerrat von links bis rechts traute Einigkeit. Gewürdigt wurden auch die Angebote zur Integration Fremdsprachiger. Dann war es aber schon vorbei mit der Harmonie. An der Finanzierung der Institution beziehungsweise der Finanzspritze durch die Stadt schieden sich die Geister (az vom 27. 9.).

Vom bürgerlichen Block wehte dem Antrag des Stadtrates, dem Trägerverein Familie plus weiterhin finanziell unter die Arme zu greifen und ihn im kommenden Jahr mit einem Betriebsbeitrag von 30 000 Franken zu unterstützen, ein rauer Wind entgegen. Dabei hatte zuvor der Sprecher der Geschäftsprüfungs- und Finanzkommisson, Remo Keller (SP), noch versichert, dass das Geschäft in der GPFK «nicht viel zu reden gab», man sich lediglich in Sachen Sponsoring vom Verein etwas mehr Anstrengungen erwünsche.

Die Grünliberalen forderten in einem Ergänzungsantrag, den Leistungsauftrag der Stadt mit dem Verein Familie plus konkreter zu formulieren und die Leistungen dort klar aufzulisten. Verbale Schützenhilfe gab es von SVP, FDP und BDP. «Die SVP anerkennt ein gewisses Mass an Familienbetreuung, aber dies lediglich in einem Umfang, der sich auf das Notwendige beschränkt», sagte SVP-Mann Markus Thöny. SVP und BDP würden sich hingegen fragen, ob das Familienzentrum nicht auch Angebote anbiete, die «eindeutig in der Kategorie Freizeitgestaltung anzusiedeln sind». In diesem Bereich dürften nicht einfach Steuergelder eingesetzt werden. Zudem habe die Rechnung bereits in den vergangenen Jahren ein strukturelles Defizit von 40 000 Franken ausgewiesen. Aus dem Bericht gehe nirgends hervor, wie man dieses zu verringern gedenke.

Änderungsanträge chancenlos

Parteikollege Erich Renfer ging noch weiter. «Man kann sich hier offensichtlich einfach alles wünschen. Und so lange der Einwohnerrat so ist, wie er ist, nämlich links, wird der Wunsch erfüllt», ereiferte er sich. Leistungen für 5 Franken anzubieten, sei heutzutage «eine Lachnummer».

Anja Voegeli (SP) warnte davor, die Kosten für die Angebote zu erhöhen. Diese könnten nur noch von jenen genutzt werden, die es sich auch leisten könnten. Das wiederum würde den gemeinnützigen Gedanken von «Familie plus» schmälern.

Die FDP versuchte es mit einem konstruktiven Vorschlag: Man könnte den Beitrag aus der Stadtkasse in Abhängigkeit zu den aufgebrachten Spenden und Sponsoringgeldern bringen, fand Francis Kuhlen. Er monierte, die Leistungsvereinbarung mit der Stadt sei zu lasch formuliert. Stadträtin Heidi Berner (EVP) entgegnete, die bestehende Leistungsvereinbarung werde dem heutigen Beschluss angepasst und erklärte: «Die Leistungsvereinbarung ist nicht unbedingt ein Papier, das dem Rat vorgelegt werden muss.»

Bei der anschliessenden Budgetdebatte wurde die SVP konkret: Sie beantragte, den Betriebsbeitrag für 2017 um 10 000 auf 20 000 Franken zu reduzieren. Dieser Änderungsantrag hatte, wie auch schon zuvor der Änderungsantrag der GLP, keine Chance. Beide wurden hoch verworfen.

Nachdem man von rechts nach links verbal tüchtig Dampf abgelassen hatte, legten sich die Wogen wieder. Bei der Schlussabstimmung wurde dem Begehren, den Betrieb des Familienzentrums 2017 mit 30 000 Franken aus der Stadtkasse zu unterstützen, mit 34 Ja und einer Gegenstimme stattgegeben.