Lenzburg
Beim Bahnhof Lenzburg gab es keine Verschärfung der Bewilligungspraxis

Das Bundesamt für Verkehr weist den SBB-Vorwurf wegen der Verzögerung der Bahnhofbauten von sich. Die Vorgaben für Perronbauten und Gleisabstände sind seit Jahren gleich: Die SBB hätten mit falschen Personenzahlen gerechnet.

Fritz Thut
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Die Anpassung der Infrastruktur für den Bahnhof Lenzburg wird mit Sicherheit viel teurer als zuerst erwartet.

Die Anpassung der Infrastruktur für den Bahnhof Lenzburg wird mit Sicherheit viel teurer als zuerst erwartet.

Am 15. Mai platzte die «Bombe»: Die Planung des Bahnhofs Lenzburg muss frisch starten und damit auch das städtische Projekt der Neugestaltung des Bahnhofplatzes. Die «Studie Lenzburg 2012» der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB), auf der die Pläne basierten, war nicht einmal mehr das Papier wert, auf das sie gedruckt war.

Verantwortlich für die Verzögerung – so wurde damals kommuniziert – ist das Bundesamt für Verkehr (BAV): «Das BAV hat die Bewilligungspraxis für den erforderlichen Sicherheitsnachweis kontinuierlich verschärft und anfangs dieses Jahres für alle Involvierten überraschend die Bewilligungsfähigkeit der Studie in Frage gestellt.»

Diesen Pauschalvorwurf seitens der SBB lässt das Bundesamt nicht auf sich sitzen: «Das BAV weist diese Anschuldigungen in aller Form zurück», steht in einem auch der az zugestellten Mail von Gregor Saladin, dem Sektionschef Information und Informatik des Bundesamts.

Perronvorgaben sind unverändert

In dem Schreiben wird festgehalten, dass «die hoheitlichen Vorgaben zu den Abständen auf Perrons seit 2006 grundsätzlich unverändert» sind. Die Vorgaben zu Gleisabständen in Bahnhöfen seien «sogar seit bald 30 Jahren unverändert».

Der BAV-Sektionschef schreibt weiter, dass die «Studie Lenzburg 2012» auf einem Personenaufkommen von 16 000 pro Tag «basiert». Inzwischen steigen bereits heute 25 000 Personen am Bahnhof Lenzburg ein und aus: «Da die Planung richtigerweise auf dem langfristig zu erwartenden Publikumsaufkommen basieren muss, ist das Dimensionierungsziel von 40 000 Personen pro Tag plausibel.»

Gemäss BAV «ist nachvollziehbar», dass diese wesentlich höhere Personenzahl «grössere Perronbreiten erfordert, als dies die Studie hervorgebracht hat». Die verlangte Verbreiterung der Anlagen sei folgerichtig «in keiner Weise geänderten Richtlinien des BAV zuzuschreiben». Die Bewilligungsfähigkeit der Resultate der «Studie Lenzburg 2012» sei «unter diesen Umständen nicht mehr gegeben gewesen».

Auf eine Anfrage der az gehen die SBB in ihrer schriftlichen Antwort nicht konkret auf die Korrekturen des BAV ein: Es sei «das gute Recht einer Aufsichtsbehörde, die Bewilligungspraxis zu ändern», wird da etwas kommentiert, was eigentlich gar nicht zur Debatte steht. Allgemein halten die SBB fest: «Das Ziel von SBB und BAV ist letztlich dasselbe: Den stetig steigenden Publikumsfrequenzen zukunftsorientiert und kundenfreundlich Rechnung zu tragen.»

Eine Schätzung der neuen Kosten der Anpassung der SBB-Publikumsanlagen, die ohnehin frühestens 2021 beginnen, «ohne Kenntnis der effektiven Gleisgeometrie» sei «unseriös», schreiben die SBB. In der nun völlig überholten Studie rechneten die SBB noch mit rund 50 Millionen. Dabei war jedoch die nun zwingend geforderte Unterführung West nicht dabei.

Der für die SBB, die Stadt Lenzburg und wohl weitere Partner teure Flop mit der «Studie Lenzburg 2012» habe keine personellen Konsequenzen, schreibt die SBB-Pressestelle: «Dass die Studie heute nicht bewilligungsfähig ist, war so bei der Erarbeitung nicht erkennbar», wird diese Haltung begründet.