Niederlenz
Bei der Kiesgrube gibt sich jetzt der Aargau ein Stelldichein

20 Aargauer Apfelsorten schaffen den ökologischen Ausgleich zum Kiesabbau. Nun hat die BBZ einen neuen Baumgarten gepflanzt. Dieser liegt am offiziellen Wanderweg von Lenzburg zur Kantonsmitte und zum Schloss Wildegg.

Ruth Steiner
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Willi Bürgi, Präsident der Landschaftskommission, BBZ-Chefin Brigitte Vogel (rechts) und eine Lernende in Aktion. Str

Willi Bürgi, Präsident der Landschaftskommission, BBZ-Chefin Brigitte Vogel (rechts) und eine Lernende in Aktion. Str

Rudolf Lüscher – Jahrzehntelang hat der 75-jährige ehemalige Landwirt in seinem eigenen Baumgarten neue Apfelsorten gezogen. Der «Niederlenzer Orangenapfel» ist eine der zwanzig verschiedenen Aargauer Apfelsorten, welche die Niederlenzer Ortsbürger gestern als ökologische Ausgleichsmassnahme für den Kiesabbau angepflanzt haben. «Vater» dieser Apfelsorte ist Rudolf Lüscher aus Niederlenz. Er war dabei, wie einer der seltenen Jungbäume in die Niederlenzer Erde gesetzt wurde, und erzählte die Geschichte rund um den «Niederlenzer Orangen». Herr Lüscher, wie schmeckt der «Niederlenzer Orangen»? Der Apfel ist angenehm weich im Biss, das Fruchtfleisch eher saftig, im Geschmack weder zu süss noch zu säuerlich. Welches sind die besonderen Merkmale dieser Apfelsorte? Es ist ein Tafelapfel. Und zwar eine sehr robuste Sorte, das heisst, der Apfel kann nach der Ernte Ende Oktober/Anfang November bis im März des kommenden Jahres gelagert werden. Weshalb haben Sie dem Apfel die Bezeichnung «Orange» gegeben? Der Name ist auf das Aussehen des Apfels zurückzuführen. Es ist eine mittelgrosse, rote Frucht, die dem bekannten «Schweizer Orangen» ähnelt. Das hat mich auf diese Idee gebracht. Die Namensgebung hat nichts mit dem Geschmack des Apfels zu tun. Wie ist der «Niederlenzer Orangen» überhaupt entstanden? Das ist ein reiner Zufall. Diese Sorte hat die Natur eigenständig entwickelt, da wurde wenig Hand angelegt. Schon als kleiner Bub habe ich Jungpflänzli, die aus Samen gewachsen sind und die ich in unserer «Hoschtet» gefunden habe, sorgfältig im eigenen Gärtli eingepflanzt. Und dann geschaut, was sich daraus ergibt. Dabei war die grösste Herausforderung, geduldig zu warten, bis die Jungpflanzen heranwuchsen und erste Früchte trugen. Dieser Prozess dauert gut und gerne acht oder mehr Jahre. Eines Tages war darunter ein Baum, dessen Früchte jenen des «Schweizer Orangen» ähnelten. Man kann es auch so sagen: Ich bin eigentlich nichts weiter, als der Handlanger der Natur. Ist diese Apfel-Sorte heute weit verbreitet? Nein es gibt nur wenige Bäume. Umso mehr freue ich mich, dass der «Niederlenzer Orangen» hier gepflanzt wird.

Rudolf Lüscher – Jahrzehntelang hat der 75-jährige ehemalige Landwirt in seinem eigenen Baumgarten neue Apfelsorten gezogen. Der «Niederlenzer Orangenapfel» ist eine der zwanzig verschiedenen Aargauer Apfelsorten, welche die Niederlenzer Ortsbürger gestern als ökologische Ausgleichsmassnahme für den Kiesabbau angepflanzt haben. «Vater» dieser Apfelsorte ist Rudolf Lüscher aus Niederlenz. Er war dabei, wie einer der seltenen Jungbäume in die Niederlenzer Erde gesetzt wurde, und erzählte die Geschichte rund um den «Niederlenzer Orangen». Herr Lüscher, wie schmeckt der «Niederlenzer Orangen»? Der Apfel ist angenehm weich im Biss, das Fruchtfleisch eher saftig, im Geschmack weder zu süss noch zu säuerlich. Welches sind die besonderen Merkmale dieser Apfelsorte? Es ist ein Tafelapfel. Und zwar eine sehr robuste Sorte, das heisst, der Apfel kann nach der Ernte Ende Oktober/Anfang November bis im März des kommenden Jahres gelagert werden. Weshalb haben Sie dem Apfel die Bezeichnung «Orange» gegeben? Der Name ist auf das Aussehen des Apfels zurückzuführen. Es ist eine mittelgrosse, rote Frucht, die dem bekannten «Schweizer Orangen» ähnelt. Das hat mich auf diese Idee gebracht. Die Namensgebung hat nichts mit dem Geschmack des Apfels zu tun. Wie ist der «Niederlenzer Orangen» überhaupt entstanden? Das ist ein reiner Zufall. Diese Sorte hat die Natur eigenständig entwickelt, da wurde wenig Hand angelegt. Schon als kleiner Bub habe ich Jungpflänzli, die aus Samen gewachsen sind und die ich in unserer «Hoschtet» gefunden habe, sorgfältig im eigenen Gärtli eingepflanzt. Und dann geschaut, was sich daraus ergibt. Dabei war die grösste Herausforderung, geduldig zu warten, bis die Jungpflanzen heranwuchsen und erste Früchte trugen. Dieser Prozess dauert gut und gerne acht oder mehr Jahre. Eines Tages war darunter ein Baum, dessen Früchte jenen des «Schweizer Orangen» ähnelten. Man kann es auch so sagen: Ich bin eigentlich nichts weiter, als der Handlanger der Natur. Ist diese Apfel-Sorte heute weit verbreitet? Nein es gibt nur wenige Bäume. Umso mehr freue ich mich, dass der «Niederlenzer Orangen» hier gepflanzt wird.

Ruth Steiner

Doch für das, was gestern Morgen am Kännelmattweg am Rande des Niederlenzer Kiesabbaugebiets von sich ging, waren die klimatischen Verhältnisse geradezu perfekt. «Es ist ein idealer Tag, um Bäume zu pflanzen», freut sich Baumschulist Fritz Walti aus Dürrenäsch.

«Bei diesem Wetter können die feinen Faserwurzeln der Jungbäume an der Luft nicht austrocknen. Zudem werden die eingepflanzten Bäume von Mutter Natur gerade noch bewässert», sieht er einen weiteren Vorteil im garstigen Wetter.

Fritz Walti hat die Niederlenzer Ortsbürger bei der Aktion «Hochstammbäume als ökologischen Ausgleich für den Kiesabbau» fachlich begleitet. Gemeinsam mit Toni Suter von der Baumschule Baden und der Stiftung Pro Specie Rara aus Basel.

Das Resultat: Am Kännelmattweg steht jetzt eine Auswahl an Aargauer Hochstamm-Apfelbäumen – schön in Reih und Glied. Gestern wurden sie von Lernenden des Berufsbildungszentrums Niederlenz (BBZ) gesetzt.

Die Idee, neben dem Schutzwall zum künftigen Kiesabbaugebiet Bäume zu pflanzen, ist in der angrenzenden Nachbarschaft offenbar nicht nur auf Begeisterung gestossen. Einige Anrainer fühlten sich künftig um die Fernsicht ins Aaretal beraubt und hätten lieber Hecken gesehen, sagt Willi Bürgi, Präsident von der mit dem Projekt beauftragten Landschaftskommission.

Mittlerweile habe das Vorhaben mit den alten Aargauer Bäumen jedoch eine breite Akzeptanz gefunden. Bürgi selber hat im Verlaufe der Recherchen geradezu Feuer gefangen für das Unterfangen, bekennt er.

Das hat seinen guten Grund: «Viele Obstsorten sind vom Aussterben bedroht und es besteht die Gefahr, dass die genetische Vielfalt der Natur immer mehr verkümmert», sagt Bürgi.

Ersatz für Bäume beim «Rickli-Hof»

Die Niederlenzer haben sorgfältig ausgewählt, die Liste der gepflanzten Apfel-Sorten ist vielfältig: Der Aargauer Herrenapfel gehört dazu, der Mägenwiler Klotzapfel, der rote Egliswiler und die Brugger Reinette.

«Die Reihenfolge, in welcher die Bäume stehen, ist eher zufällig gewählt», erklärt Willi Bürgi. «Doch ist der ‹Möriker› eher nach Möriken ausgerichtet, die Aargauer Sorten in Richtung Kantonshauptstadt», sagt er und schmunzelt.

An allererster Stelle steht jedoch der «Niederlenzer Orangen». Das freut insbesondere Rudolf Lüscher. Der ehemalige Landwirt und Baumzüchter hat diese Sorte entdeckt (siehe Kontext).

Auch Grossrätin Gabi Lauper rammt eine Schaufel in den Boden und hebt ein Stück Erde hoch. Sie sei als Bürgerin von Niederlenz hier, betont sie. Doch ist die ehemalige Frau Vize-Ammann immerhin die politische Mutter des Projekts.

Weil die Bäume rund um den ehemaligen «Bauernhof Rickli» dem Kiesabbau zum Opfer fallen, hat sie sich für einen Ersatz dieses Baumbestandes eingesetzt.

Der neue Niederlenzer Baumgarten liegt am offiziellen Wanderweg von Lenzburg zur Kantonsmitte und zum Schloss Wildegg mit dem ebenfalls unter Mitwirkung von Pro Specie Rara angelegten grossen Schaugarten.

Künftig werden Wandervögel am Kännelmattweg wohl eine kurze Rast einlegen: Die Niederlenzer Ortsbürger planen, bei der neuen Obst-Kultur eine Informationstafel anzubringen.

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