Schützenverein

Bei den Schützen läuten vor dem Jubiläum die Alarmglocken

Der abtretende Präsident Thomas Glarner

Der abtretende Präsident Thomas Glarner

Droht im nächsten Jahr der 550-jährigen, alt-ehrwürdigen Schützengesellschaft Lenzburg die Auflösung? Wenn die Generalversammlung am 4. März keine Nachfolge im Präsidium wählen kann, soll dieses Szenario Wirklichkeit werden.

Der Warnschuss wurde schon an der letzten Jahresversammlung abgegeben. Für das vergangene Vereinsjahr hatte sich ein Teil des Vorstandes nur ad interim wählen lassen. Darunter Präsident Thomas Glarner, der nach fünf Amtsjahren aus beruflichen Gründen schon seit längerem seinen Rücktrittswunsch kommuniziert hatte - und damit bis dato unerhört blieb.

«Ich entschloss mich in der Not, das Vereinsschiff für ein Jahr ad interim weiterzuführen. Heute bin ich jedoch fest entschlossen, das Präsidium definitiv am 4. März abzugeben», hält Glarner unmissverständlich fest. Und schreibt im präsidialen Jahresbericht im «Lenzburger Schützenkamerad», dass alle Bemühungen, einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin zu finden, «nicht gefruchtet» haben.

Offenbar hat der damalige dramatische Appell an die Mitglieder, sich aktiv an der Suche zu beteiligen oder sich zur Verfügung zu stellen, kein Echo gefunden. Doch bleibt Glarner dabei: «Ich bin überzeugt, dass aus den Reihen von 239 Mitgliedern sich eines finden lässt, das das Präsidium übernehmen kann.»

Ohne Präsident kein Schiessbetrieb

Auch der Vorstand hält den Druck auf die Basis aufrecht. Er beschloss an der ersten Sitzung dieses Jahres: «Sollte sich an der GV niemand als Präsident oder Präsidentin zur Verfügung stellen, stellt er den Antrag zu einer ausserordentlichen GV im Mai dieses Jahres, an der das einzige Traktandum die Auflösung der SG Lenzburg sein wird.»

Der Schützenvorstand macht auch ausdrücklich auf die Folgen eines Interregnums aufmerksam: Ohne Präsident werden bereits ab 5. März jegliche Schiessaktivitäten der Gesellschaft eingestellt, weil dies vom Verband so vorgeschrieben ist. Im Klartext: Es finden keine Trainings statt, Eröffnungs- und Habsburg-Schiessen fallen weg.

Personal-Probleme plagen die Schützengesellschaft - wie viele andere Vereine auch - schon seit langem. Mehrere leitende Funktionen sind seit Jahren unbesetzt. So steht dem Präsidenten seit seinem Amtsantritt kein Vize zur Entlastung zur Seite. Auch dieser Posten sollte endlich für die nächsten zwei Jahre besetzt sein.

Das Präsidium wird jeweils alle Jahre gewählt. Ebenfalls für diese Dauer steht die Bestätigung von Sekretär, Leitung Pistolen-Sektion, Combat-Sektion und Redaktion «Schützenkamerad» auf der Traktandenliste. Für jeweils zwei Jahre stellen sich Finanzchef, Oberschützenmeister, Leitung 300-Meter-Sektion, Vorderlader-Sektion und 10-Meter-Sektion zur Verfügung.

Gute Unterstützung zugesichert

Der Vorstand ist in seiner aktuellen Zusammensetzung bereit, mit einem neuen Präsidium «zum Wohl der alt-ehrwürdigen Gesellschaft weiter zu arbeiten». Der abtretende Präsident versichert denn auch seinem Nachfolger oder seiner Nachfolgerin, dass er oder sie «sehr gut unterstützt wird» und im Vergleich mit Sektionsleitungen und Finanzchef «weniger Arbeit anfällt». Denn im Vordergrund stehen repräsentative Aufgaben und organisatorische Arbeiten; jährlich werden rund acht Vorstandssitzungen abgehalten.

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