Lenzburg

Beat Wälti: «Jetzt wäre der perfekte Zeitpunkt zum Einstieg»

Beat Wälti, neuer musikalischer Leiter des Musikvereins Lenzburg, bei einer Chorprobe.Emanuel Freudiger

Beat Wälti, neuer musikalischer Leiter des Musikvereins Lenzburg, bei einer Chorprobe.Emanuel Freudiger

Interview mit Beat Wälti, dem neuen musikalischen Leiter von Chor und Orchester des Musikvereins Lenzburg. Der Musiker und Musikpädagoge steht seit einigen Monaten dem Orchester und dem Chor des Musikvereins Lenzburg als Dirigent vor.

Beat Wälti ist Nachfolger von Ernst Wilhelm, der dem Verein während 40 Jahren als musikalischer Leiter gedient hatte. Im Folgenden gibt Wälti Auskunft über Einstand und Absichten in der neuen Funktion.

Ihrem lieblichen Dialekt nach zu urteilen, liegen ihre Wurzeln im Berner Oberland?

Beat Wälti: Ich bin in Interlaken aufgewachsen, habe dort das Gymnasium besucht und mich anschliessend am Konservatorium Bern ausbilden lassen, gleichzeitig habe ich an der Universität Bern das Gymnasiallehr-Diplom für das Fach Musik erworben. Zurzeit unterrichte ich mit Musiktheorie und Musikgeschichte, Chorgesang und Klavierspiel das gesamte musikalische Angebot der Kantonsschule Wohlen. Ab und zu gestalten wir mit den Studierenden auch grosse Projekte wie die «Schöpfung» von Haydn, «Die letzten Dinge» von Spohr, «Samson» von Händel, und so weiter.

Neben ihrem Beruf als Kantonsschullehrer sind Sie aber auch als Musiker tätig.

Ich habe selber auch in Chören gesungen und 16 Jahre lang den Berner Bach-Chor als Korrepetitor begleitet und als künstlerischer Assistent Chorkonzerte dirigiert. Ebenfalls während 16 Jahren habe ich das Vokalensemble «Cappella Cantemus» aufgebaut und geleitet. Sofern es die Zeit zulässt, trete ich gerne auch als Kammermusiker auf – gelegentlich als Klavier-Duo mit meiner Frau Masha.

Sie sind aber auch Konzertpianist «mit Auszeichnung». Strebten Sie nie eine Karriere als Konzertpianist an?

Natürlich spielt man als junger Pianist mit den Gedanken, eine Solokarriere als Pianist zu verfolgen. Aber die Konkurrenz ist ungeheuerlich gross und der Musikbetrieb macht Karrieren nach eigenen Kriterien. Dazu kommt, dass kaum ein Pianist oder eine Pianistin nur von Engagements leben kann.

Ist die Tätigkeit als musikalischer Leiter des Musikvereins Lenzburg ein künstlerischer «Abstieg»?

Der Reiz, die musikalische Leitung des Musikvereins Lenzburg übernehmen zu können, besteht unter anderem darin, dass musikalisch interessierte Laien sich zu einer Einheit von Chor und Orchester als gleichgewichtige Partner unter einer Leitung zusammenfinden. Dies ist äusserst selten der Fall. Es ist mir bewusst, dass sich meine Aufgabe nicht nur auf das rein Künstlerische beschränken kann, sondern auch auf die Pflege und Weiterentwicklung der Tradition und der Verankerung in der Bevölkerung und Gesellschaft von Lenzburg und Umgebung.

Gibt es für Sie auch spezielle Herausforderungen oder Motivationsansätze?

Mein Interesse am Repertoire der Orchestermusik ist sehr stark gewachsen und ich möchte ausloten, was wir mit begeisterungsfähigen Laien erreichen können.

Pflegen Sie ein besonderes Repertoire ? Gibt es besondere Affinitäten und Vorlieben ?

Als junger Mensch stand Chopin im Zentrum meiner Liebe, dann die grossen Romantiker Schubert, Schumann, Brahms. In der Gymnasiastenzeit «entdeckte» ich die Bedeutung Beethovens – so beschäftigte ich mich als Pianist mit dessen 32 Klaviersonaten. Dann machte ich den Sprung zur grossen Sinfonik Beethovens, zu Mozart und zu Johann Sebastian Bach. Im Studium kam dann die intensive Beschäftigung mit dem 20. Jahrhundert dazu. Demzufolge wird mein Wirken im «klassischen Repertoire» mit Barock, Klassik und Romantik sein Zentrum haben, aber es ist mir ein Anliegen, auch Werke aus vorbarocken Zeiten und vor allem aus dem 20. Jahrhundert aufzugreifen, wobei «moderne» Werke spiel- und hörbar sein sollen.

Gibt es spezielle Vorgaben für den Musikverein Lenzburg?

Im Chor werden wir an der klassischen «Belcanto»-Stimmung arbeiten und uns neben dem geistlichen Repertoire auch aus dem grossen weltlichen Musikschatz bedienen, so wie wir das jüngst mit dem fröhlich-witzigen Ständchen auf Schloss Wildegg getan haben. Mit dem Orchester wollen wir die traditionellen Veranstaltungen wie die Jugendfestserenade, die kommentierte Bach-Kantate und das Chor-Orchesterkonzert weiterführen und nach Möglichkeit auch eigenständige Sinfoniekonzerte aufführen.

Haben Sie nach wenigen Wochen schon erste Eindrücke gewonnen? Wie nehmen Sie die Stimmung in Chor und Orchester wahr?

Tatsächlich habe ich eine überaus positive Grundstimmung und Offenheit, verbunden mit grossem Interesse und mit Begeisterungsfähigkeit, angetroffen. Ich denke, es ist uns gelungen, bei der Serenade auf Schloss Wildegg mit dem Chor) und bei der Jugendfestserenade mit dem Orchester mit Engagement und auch Können zu musizieren. Eine wesentliche Hilfe waren mir dabei Christa Peyer als Assistentin beim Chor und Ueli Bürgi, der Konzertmeister des Orchesters.

Ich gehe davon aus, dass wir auf dieser Grundlage auch in Zukunft gute Konzerte veranstalten werden. Gute Konzerte und die Ausstrahlung der Ausübenden sind unsere Mittel, mit welchen wir das Weiterbestehen und die Weiterent- wicklung des Musikvereins sichern können. Übrigens wäre jetzt der perfekte Zeitpunkt, um bei uns einzusteigen, gerne würden wir neue Mitglieder aufnehmen, die sich in Chor oder Orchester aktiv mit Musik beschäftigen möchten.

Wie fühlen Sie sich hier in Lenzburg ?

Wir leben nun schon einige Jahre in Lenzburg und fühlen uns ausgesprochen wohl hier. Dazu beigetragen hat natürlich die Aufnahme durch Freunde, Nachbarn und Bekannte – unter anderem über unsere drei kleinen Kinder.

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