André Hauri (47) ist verzweifelt: Sein Dorfladen läuft von Tag zu Tag schlechter. «Mir steht das Wasser nicht am Hals, sondern über der Nase», sagt er. «Wenn nicht bald etwas passiert, sehe ich keine Zukunft mehr.»

Vor zwölf Jahren war das anders: Sein Epa-Laden, erst eröffnet, florierte. Er verkaufte Schnürsenkel, Kopfsalat, frische Brötchen. Die Niederlenzer Ortsbürgergemeinde vermietete ihm im Neubau an der Mühle-strasse den unteren Teil als Ladenlokal. Sein jährlicher Umsatz stieg auf drei Millionen. André Hauri war voller Elan. Und Übermut: Er eröffnete in Hallwil eine Filiale.

Dann verliess ihn das Glück. Das Lädeli in Hallwil ging ein, der Umsatz in Niederlenz stagnierte. Hauri wechselte zu Spar, doch die Kunden blieben immer mehr weg. Dafür kamen Aldi, Lidl und Tankenstellenshops. Sie machen ihm das Leben bis heute schwer. «Ich kann die Leute nicht mit der Peitsche zwingen, bei mir zu bleiben», meint Hauri. «Konkurrenz und Mobilität machen die kleinen Läden kaputt.»

Baustelle ruiniert ein Geschäft in Niederlenz

Baustelle ruiniert ein Geschäft in Niederlenz

Seit jedoch das Gebiet um die Mühlestrasse eine Baustelle ist (az 15.2.), hat es André Hauri doppelt schwer. Die Zufahrtsstrassen zu seinem Laden sind durch die Bauarbeiten gesperrt. Die Kunden müssen einen Umweg über den Stationsweg gehen. Doch diese Mühe machten sie sich nicht, sondern würden gleich weiter fahren, sagt der Ladenbetreiber: «Früher hatte ich im Tag durchschnittlich 450 Kunden im Laden, seit der Baustelle sind es 100 weniger.» Wenn gar nichts läuft, schickt er seine Angestellten nach Hause.

Hauri betont, er gebe sich Mühe, den Spar nach den Wünschen seiner Kundschaft zu führen. Doch verkaufe er keine Schuhe, sondern verderbliche Ware. Und auf dieser bleibt er jetzt hocken.

Hilfe bei Giezendanner gesucht

In seiner Verzweiflung suchte André Hauri Hilfe: Er bat den Gemeinderat um finanzielle Unterstützung, auch fragte er Unternehmer Ulrich Giezendanner an, ob dieser ihm helfen könne oder ob er eine Idee zur Rettung seines Ladens habe. Doch von dorther kam nichts, und auch die Gemeinde winkte ab. «Wir haben André Hauri schon mehrere Male unter die Arme gegriffen», sagt Gemeindeammann Maurice Humard. «Im letzten Jahr erhielt er eine Reduktion der Miete.»

André Hauri sei ein Unternehmer und solche gebe es noch einige in Niederlenz. «Wir müssen alle gleich behandeln. Eine Gemeinde ist nicht dazu verpflichtet, ihnen zu helfen. Sie müssen eigenverantwortlich handeln.» Doch Maurice Humard ist sich der schwierigen Situation für die Geschäftsleute bewusst. Gerade im Moment, da es so viele Baustellen gibt und diese die Zufahrten zu den Läden erschweren. «Ab März sollte sich die Situation wieder verbessern», sagt der Ammann. Das Konsumverhalten habe sich in den letzten Jahren stark verändert. Um Niederlenz gibts Grosszentren, da gingen die Konsumenten offenbar lieber hin.

Vielleicht sonntags geöffnet

Ein Rettungsacker hat der Ladenbetreiber noch: den Spar sonntags zu öffnen. Das bedeutet für André Hauri wohl Mehreinkommen, aber auch Mehrarbeit. «Meine Frau und ich arbeiten jetzt schon Tag und Nacht.»