Ammerswil

Baustelle macht aus Ammerswil ein Nadelöhr – «Gmües-Egge» verliert Kunden

Praktisch durch das ganze Dorf Ammerswil herrschen derzeit enge Platzverhältnisse.

Praktisch durch das ganze Dorf Ammerswil herrschen derzeit enge Platzverhältnisse.

Wegen Sanierungsarbeiten rollt der Verkehr auf einer Spur durch Ammerswil. Für Marianne Barmettlers Laden bedeutet das weniger Kunden.

«Es ist schon ein Durcheinander vor dem Laden. Doch die Arbeiten müssen halt einmal gemacht werden.» Gemüsebäuerin Marianne Barmettler zeigt sich fast ein wenig verständnisvoll, wenn sie auf die 300 Meter lange Baustelle blickt, die sich direkt vor Barmettlers «Gmües-Egge» erstreckt. Fast durch das ganze Dorf. Vom Gemeindehaus bis zum ehemaligen Restaurant Rütli fliesst der Verkehr einspurig durch das Dorf und sorgt für enge Platzverhältnisse. Für Barmettlers Geschäft ein folgenschwerer Zustand. Vielen Kunden verzichten unter den erschwerten Bedingungen auf einen Einkauf im «Gmües-Egge». «Die Kunden halten in der Baustelle nicht mehr an. Sie fahren am Laden vorbei.»

Dabei war Barmettler vor Jahresfrist, als der Volg-Laden im Dorf schloss, in die Bresche gesprungen und hatte das bestehende Gemüsesortiment um Produkte für den täglichen Bedarf erweitert. Ein kleiner Trost für die wegfallenden Kunden sind für Barmettler die Baustellenarbeiter, welche im «Gmües-Egge» jetzt ihr Znüni holen. Die Gemüsebäuerin will jedoch bis zum Ende der Bauarbeiten «durebisse» und hofft, dass sich die Situation dann wieder normalisiert.

Seit rund drei Monaten ist die Strasse durch das Dorf eine Baustelle. Für rund 2,15 Millionen Franken (Anteil Gemeinde rund 1 Million Franken) saniert der Kanton die Hauptstrasse und den Buswendeplatz. Gleichzeitig werden die Werkleitungen ersetzt. Kostenpunkt für Ammerswil: rund 2,6 Millionen Franken. Diese gehen zulasten der Wasser- und Abwasserkasse.

Letzte Sanierung vor über 30 Jahre

Der Strassenbelag und der Belag des Buswendeplatzes beim Gemeindehaus befinden in einem schlechten Zustand. «Die letzte Belaginstandsetzungsmassnahme datiert aus dem Jahr 1986», sagt Elmin Jelecevic, beim Departement Bau, Verkehr und Umwelt verantwortlicher Projektleiter. Deshalb werden nun Strasse und Buswendeplatz umfassend erneuert: Der bestehende Belag wird durch einen lärmarmen Deckbelag und eine neue Tragschicht ersetzt.

Rund 4600 Fahrzeuge rollen täglich durch das 670-Seelen-Dorf. Nebst der Gemüsebäuerin fordert die aktuelle Verkehrssituation auch die Verkehrsteilnehmer. Bei den Rotlichtern ist Geduld gefragt: Autolenker berichten von mehreren Intervallen während der Stosszeiten. Ebenso anspruchsvoll gestalten sich die engen Verhältnisse im Baustellenbereich für die Regionalen Busbetriebe Lenzburg (RBL). Die Linie 392 nach Dintikon führt über Ammerswil. «Die sehr enge Baustelle ist für unsere Chauffeure eine Herausforderung. Wir mussten schon einige Blechschäden in Kauf nehmen», sagt Urs Lüscher, Leiter Betrieb bei den RBL. Verspätungen hielten sich jedoch selbst bei grossem Verkehrsaufkommen in Grenzen, da die RBL-Busse die Lichtsignalanlage steuern können. Am heikelsten sei es während des Berufsverkehrs morgens und abends, so Lüscher. Auch dann seien Anschlussprobleme an die SBB in Lenzburg nicht bekannt.

Noch eine Lichtsignalanlage

Die Strasse wird auf einer Gesamtlänge von 750 Metern saniert. Im März wurde mit den ersten 300 Metern gestartet. Nun nimmt die Beeinträchtigung des Verkehrs nochmals zu. Ab kommendem Montag, 28. Mai wird eine zusätzliche Baustelle eröffnet. Sie führt von der Bushaltestelle Rebrain bis zum Dorfeingang – von Lenzburg herkommend. Auch dieser Streckenabschnitt wird während der Bauphase einspurig geführt und der Verkehr mit einem zweiten Lichtsignal gelenkt. Mit dieser Massnahme soll nicht zuletzt der Terminplan eingehalten werden können. «Die Bauarbeiten schreiten trotz schwieriger Bodenverhältnisse wegen des Grundwassers, komplexer Werkleitungen und enger Platzverhältnisse gut voran», erklärt Projektleiter Jelecevic. Bis auf den Deckbelag sollen die Arbeiten Ende Jahr abgeschlossen sein.

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