Lenzburg
Bäume fallen für das Dauer-Provisorium

Am Dienstag begannen beim Bahnhof die Bauarbeiten für die vorübergehende Neugestaltung des Bushofs.

Fritz Thut
Merken
Drucken
Teilen
Zum Baustart des provisorischen Bushofes beim Bahnhof Lenzburg wurden gestern die ersten drei von vier Bäumen gefällt. Chris Iseli

Zum Baustart des provisorischen Bushofes beim Bahnhof Lenzburg wurden gestern die ersten drei von vier Bäumen gefällt. Chris Iseli

Chris Iseli

Die Rentner waren schnell zur Stelle. «Die betreiben aber einen Riesenaufwand für etwas, das nur zwei, drei Jahre hält», wunderten sie sich auf dem Lenzburger Bahnhofplatz. Hier fuhren gestern Bagger, Presslufthämmer und Kettensägen auf. Die Arbeiten für das «Provisorium Bushof» begannen.

Ende Mai soll die Zwischenlösung fertiggestellt sein. Nach dem Übungsabbruch für das Projekt «Loop» wegen Umdispositionen bei den SBB bewilligte der Einwohnerrat im letzten November 380 000 Franken für das «Provisorium», das vor allem die Situation für die Benützer des öffentlichen Verkehrs verbessern soll.

«Für 6 bis 10 Jahre»

Bau-Stadtrat Martin Steinmann wollte mit den Baustellentouristen nicht reden, meinte aber etwas später zur az: «Dieses Provisorium dauert sicher länger als zwei, drei Jahre.» Die Zwischenlösung, die die Aufhebung der bestehenden Insel-Parkplätze für Autos und Velos östlich des Bahnhofs mit sich bringt und zwei zusätzliche Busabfahrtkanten, vier Taxi-Standplätze, zwei Carparkplätze und einen neuen Veloabstellort schafft, soll gemäss Einwohnerratsvorlage «für 6 bis 10 Jahre» ihren Dienst erfüllen.

Gemäss einer Medienmitteilung der Stadt von gestern Montag können «die Bau- und Auflageprojekte für die neuen Publikumsanlagen am Bahnhof Lenzburg sicher nicht vor 2019 starten.» Rechnet man die Bewilligungsphase und den notorischen Wankelmut der SBB-Planer dazu, dauert es wohl noch gut ein Jahrzehnt, bis Lenzburg zu einem schmucken neuen Bahnhof kommt.

Autos behindern Fäll-Aktion

Für den erweiterten Bushof müssen nicht nur die Kurzparkplätze zwischen Zufahrtskreisel und Bahnhofgebäude weichen, sondern auch ein Stück Natur: Die Rasenrabatte wird ebenso eliminiert wie vier der fünf Bäume in diesem Bereich. Der grösste Baum erhält eine Gnadenfrist.

Bei einem Augenschein am frühen gestrigen Nachmittag musste der Baum bei der Zufahrt als Nummer 3 dran glauben. Das vierte «Baumopfer» wird erst heute gefällt. Der Grund ist einfach. Trotz deutlich markiertem Verbot standen gestern fünf Autos auf den Parkfeldern. Die fehlbaren Lenker versuchte man zu erreichen. Klappt dies nicht, werden die Autos heute Mittwoch morgen abgeschleppt, damit die Baumfäller ihres Amtes walten können.

Um eine Busse werden diese Autofahrer nicht herumkommen. «Das markierte Parkverbot ist rechtskräftig», so Markus Basler von der Regionalpolizei Lenzburg. Zusammen mit einem Kollegen holte Basler die hier demontierte Parkuhr ab.

Wie viele andere Kleinigkeiten gehörte die Demontage des Parkingmeters zu den nötigen Vorarbeiten, die gestern erledigt werden mussten: Wander- und andere Wegweiser, eine Sitzbank, Fahnenstangen und Reklametafeln mussten laut Christian Brenner, Abteilungsleiter Tiefbau im Stadtbauamt, entfernt werden, ehe die eigentlichen Bauarbeiten aufgenommen werden konnten.

Fertig für die Grossanlässe

Parallel dazu wurde gestern bereits damit begonnen, das bestehende Trottoir abzubauen; es wird künftig einige Meter Richtung Bahnanlage verschoben, um den Taxi- und Carplätzen Platz zu machen. Während der Stadtrat überzeugt ist, dass in der Park-and-ride-Anlage westlich des Bahnhofs genügend Autoparkfelder bestehen, bekommt das Provisorium wieder einen Abstellplatz für 96 Velos. Während der Bauzeit müssen die Velofahrer ebenfalls auf die selten ausgelastete zweistöckige Velostation auf der Westseite ausweichen.

Kaum Auswirkungen hat die neue Baustelle auf die Transitpassagiere, die in Lenzburg vom Bus auf die Bahn umsteigen. Die Abfahrtsorte bleiben sich gleich.

Die Bauarbeiten dauern, «wenn alles gut läuft», wie die Verantwortlichen der beauftragten Baufirma einschränken, rund zwei Monate. «Ende Mai möchten wir fertig sein», so Markus Steimer, zuständiger Sachbearbeiter beim Stadtbauamt. Er ergänzt: «Rechtzeitig zu den Grossanlässen im Juni.» Damit ist das Kantonalschwingfest in Lenzburg (4./5. Juni) gemeint und das «Radio-Argovia-Fäscht» (10./11. Juni), wo der Bahnhof Lenzburg ein wichtiger Umsteigeort ist.

Eine Grossbaustelle

Nahezu gleichzeitig mit den Arbeiten am provisorischen Bushof haben die Sanierungsarbeiten am Bahnhofgebäude begonnen. Der gesamte Westtrakt ist eingezäunt; die Container für die vorübergehenden SBB-Schalteranlagen sind montiert. Ein Migrolino und ein Brezelkönig werden neu hier platziert. Gleich neben dem Bahnhofplatz laufen seit einiger Zeit die Arbeiten an der privaten Überbauung Arcmala.

Im Hintergrund laufen die Planungen weiter. In Machbarkeitsstudien kristallisiert sich laut Stadtrat Steinmann immer mehr heraus, dass sich dereinst das Zentrum des Publikumsverkehrs am Lenzburger Bahnhof deutlich Richtung Westen verlagern dürfte.