Es kommt vor, dass Hausbesitzer einen Schopf aufstellen oder eine Gartenmauer verschieben, ohne dafür eine Baubewilligung zu haben. Im schlimmsten Fall muss die Änderung rückgängig gemacht und der Schopf wieder abgerissen werden. In Staufen wird seit Jahren ein Einkaufszentrum betrieben – ohne Baubewilligung.

Es ist eine alte Geschichte: Bis 1989 befand sich im Gebäude an der Aarauerstrasse das Modehaus Beyeler; die Bushaltestelle heisst heute noch so. Das Baugesuch für den Lenzopark wurde ausgeschrieben, doch an diesem Punkt ist ein Fehler passiert: Das Gesuch wurde nur im Lenzburger Bezirksanzeiger und nicht im Amtsblatt ausgeschrieben. Die Bewilligung wurde 2005 zwar erteilt. Doch vier Jahre später hat der Verkehrsclub Schweiz (VCS) eine Beschwerde eingelegt, die vom Regierungsrat gutgeheissen wurde.

Die Baubewilligung des Lenzoparks wurde ab 11. März 2009 aufgehoben – als das Einkaufszentrum schon in Betrieb war. Im Lenzopark ist seither jahrelang im rechtlich nicht definierten Raum geshoppt worden. Bei der BNO-Revision im Jahr 2013 wurde das Einkaufszentrum absichtlich ausgelassen. Nun sollen der Raum und die Rahmenbedingungen definiert werden, der Entwurf zur Revision für die Teiländerung «Lenzopark» der Bau- und Nutzungsordnung mit Umweltverträglichkeitsprüfung liegt noch bis zum 10. Juli 2018 auf der Gemeinde auf.

Nutzfläche fast erreicht

Auf den ersten Blick scheint die Teiländerung keine grossen Einschränkungen zu bringen, dies bestätigt auch der Staufner Gemeinderat Gallus Zahno, der das Ressort Bau- und Raumplanung betreut. Der Lenzopark liegt in der Gewerbezone und wird von der Gemeinde als Kern- und Zentrumsgebiet im urbanen Raum beurteilt. Dem stimmt der Kanton zu, eine Richtplanänderung sei nicht erforderlich.

Die Nutzfläche des Einkaufszentrums wird auf 7500 Quadratmeter beschränkt, momentan werden 7484 davon genutzt. Die Anzahl der Parkplätze wird auf 325 plafoniert, aktuell verfügt das Einkaufszentrum über 204 Kundenparkplätze, dazu kommen 71 Parkplätze für Angestellte. Soweit wird sich für die Kunden nichts ändern. Doch ein Satz im Baugesuch wird für alle, die mit dem Auto im Lenzopark einkaufen, eine spürbare Veränderung bringen: «Die Kunden- und Besucherparkplätze sind aber der 1. Minute kostenpflichtig zu bewirtschaften», steht da geschrieben.

VCS ist nicht schuld

Dass für Parkplätze bezahlt werden muss, ist ganz im Sinne des VCS. Doch dieser ist nicht für diesen Satz verantwortlich. Die Bewirtschaftung von öffentlichen Parkplätzen ist so im kommunalen Gesamtverkehrsplan (KGV) für Staufen, Lenzburg und Niederlenz festgehalten. «Noch ist der Plan nicht in Kraft. Die Parkplatzbewirtschaftung wäre eine mögliche Massnahme», sagt Gallus Zahno. Der KGV ist für alle Gemeinden verbindlich und würde verhindern, dass der Lenzopark gegenüber anderen Einkaufsmöglichkeiten wie dem Hetexareal in Niederlenz mit Aldi und Migros abfallen würde. «Parkgebühren müssten koordiniert eingeführt werden, damit keine Konkurrenzvorteile entstehen», sagt Zahno.

Dass ein Gesamtverkehrsplan über den Eigentümer hinweg Parkplatzgebühren verordnen kann, war zuletzt in Suhr ein Thema. Dort hat Möbel Pfister Schritte unternommen, um sich gegen kostenpflichtige Parkplätze zu wehren. Auf dem Hetexareal in Niederlenz ist das Parkieren momentan noch gratis, genau wie im Wynecenter in Buchs. Im Gais Center Aarau sowie im Mülimärt Lenzburg ist nur die erste Stunde gratis.