Boniswil/Birrwil

Baugesuch für Hof eingereicht – doch die Lage ist nicht unproblematisch

Die Profile der landwirtschaftlichen Aussiedlung hoch über dem Hallwilersee.

Die Profile der landwirtschaftlichen Aussiedlung hoch über dem Hallwilersee.

An der Grenze Boniswil/Birrwil will eine Bauernfamilie für 2,5 Mio. Fr. einen Stall mit Silos und ein Wohnhaus realisieren.

Der Fall ist verzwickt: Der aktuelle Hof der jungen Birrwiler Bauernfamilie von Beat Gloor ist in verschiedener Hinsicht nicht mehr zeitgemäss. Die Gloors bemühen sich seit Jahren um die Lösung ihres Betriebsproblems. Sie wollen «aussiedeln». Doch das ist äusserst anspruchsvoll, denn in Birrwil ist das Generationenprojekt «Moderne Melioration» 2017 abgelehnt worden. Die landwirtschaftliche Nutzfläche ist nach wie vor in viele kleine Flächen aufgeteilt.

Die Bauprofile stehen ob dem «Panoramaweg»

Jetzt glaubt Beat Gloor, an der Gemeindegrenze, auf Boniswiler Boden, im Gebiet Grubmatt hoch über der «Häusergasse» (im Volksmund Panoramaweg genannt), einen optimalen Standort gefunden zu haben. Die Lage ist nicht unproblematisch, befindet sie sich doch in der Zone des Hallwilerseeschutz­dekretes. In einer weitgehend unberührten Landschaft – insbesondere, wenn man sie von der gegenüberliegenden Seeseite ansieht. Zudem ist der Wald nah (das Projekt unterschreitet die Waldabstandgrenze von 71 Metern deutlich). Und weiter befindet sich 150 Meter vom geplanten Stall entfernt ein Wildtierkorridor.

So präsentieren sich die Gloors in den Baugesuchsunterlagen.

So präsentieren sich die Gloors in den Baugesuchsunterlagen.

Das Hallwilerseeschutz­dekret schliesst das Erstellen von landwirtschaftlichen Betriebsgebäuden für die bodenabhängige Produktion nicht aus. Das scheint mit ein Grund zu sein, weshalb Beat Gloor sein Baugesuch «Neubau Milchviehlaufstall und Neubau Einfamilienhaus, Hochsilos (Landwirtschaftliche Aussiedlung)» jetzt auflegen liess. Die Auflage begann am Freitag und dauert bis am 14. April. Da es sich um ein Projekt in der Landwirtschaftszone und innerhalb der Hallwilerseeschutzzone handelt, werden als Erste die kantonalen Ämter ein gewichtiges Wort mitreden.

Mit 18,5 Metern sind die Silos am höchsten

Laut Baugesuchsmappe belaufen sich die Baukosten auf 2,5 Millionen Franken. Es sind zwei Gebäude geplant. Auf der Südseite ein freistehendes Einfamilienhaus mit 180 Quadratmetern Wohnfläche (plus Lehrlingszimmer von 20 Quadratmetern). Nördlich davon ein grosses Stallgebäude bestehend weitgehend aus einer Holzkonstruktion und einem Dach in «rot antik». Geplant sind zudem zwei olivgrüne Silos mit einer Höhe von 18,5 Metern – deutlich höher als das Stallgebäude.

In den Unterlagen zum Baugesuch wird die Situation des Landwirtschaftsbetriebes von Beat Gloor detailliert geschildert. Der Meisterlandwirt hat den Hof von seinem Vater übernommen. Die Eltern haben noch ein Wohnrecht. Die junge Familie wohnt extern in einer Mietwohnung, was aus betrieblicher Sich als nicht optimal geschildert wird.

Der Bauernbetrieb Gloor hat für Aargauer Verhältnisse eine beachtliche Grösse und eine entsprechend gute wirtschaftliche Basis. Laut Unterlagen gehören 43 Hektaren Land zum Betrieb, davon sind 18 Hektaren Eigenland. Das Land ist wegen der Hanglage und der Bodengegebenheiten nicht für den Ackerbau geeignet. «Deshalb ist es sinnvoll, dass die Familie Gloor einen Stall für raufutterverzehrende Nutztiere baut», heisst es im Baugesuch. Aktuell haben die Gloors 16 Milchkühe (Rätisches Grauvieh und Fleckvieh) sowie Mastkälber.

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Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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