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Baugesuch eingereicht: Millionen für einen Radweg ins Seetal

Die direkte Velo-Verbindung Lenzburg–Staufen–Seon steht vor der Realisierung. Auf eine Beleuchtung und eine Entwässerung wird allerdings verzichtet.

Ann-Kathrin Amstutz
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Rund 1,2 Kilometer des neuen Velowegs führen entlang des «Seetalers». Das Bild zeigt die Profile bei Seon.

Rund 1,2 Kilometer des neuen Velowegs führen entlang des «Seetalers». Das Bild zeigt die Profile bei Seon.

Pascal Meier

Radfahrer auf der Kantonsstrasse zwischen Lenzburg und Seon – das ist eine heikle Angelegenheit. Bald soll damit Schluss sein. Das Projekt für eine direkte Radwegverbindung zwischen Staufen und Seon lag bis vorgestern öffentlich auf den Bauverwaltungen der beteiligten Gemeinden Staufen, Lenzburg und Seon auf.

«Wir haben lange auf dieses Projekt gewartet und sind sehr froh, dass es endlich in Angriff genommen wurde», sagt Werner Christen, Präsident von Pro Velo Lenzburg. Er betont, dass eine direkte und alltagstaugliche Verbindung zwischen Lenzburg und dem Seetal sehr wichtig sei. Velofahrer, die nicht auf der Kantonsstrasse fahren wollen, mussten bisher einen Umweg über Schafisheim oder durch den Wald in Kauf nehmen – auf Kieswegen, die laut Christen im Winter «kaum befahrbar sind».

Schon im 2001 festgelegten Richtplan des kantonalen Radroutennetzes ist die direkte Verbindung Lenzburg–Staufen–Seon enthalten. Nun steht der Radweg vor der Realisierung. Bauherr ist der Kanton. Zwar ist der Baustart noch nicht bekannt, die Arbeiten sollen aber weniger als anderthalb Jahre dauern.

Drei Teilprojekte, ein Radweg

Die Gesamtstrecke wurde in drei Abschnitte und Teilprojekte unterteilt. Damit sollte eine Verzögerung des gesamten Projekts durch Einsprachen verhindert werden. Bis gestern lagen mehrere Einwendungen vor – wie viele, wird nächste Woche bekannt. Noch können beim Kanton weitere Einsprachen eintreffen.

Das erste Teilstück liegt vollständig auf Staufner Gemeindegebiet. Der Radweg soll dort auf bestehenden Flur- und Waldwegen gebaut werden, um den Landerwerb zu begrenzen.

Der zweite Abschnitt betrifft das Gemeindegebiet von Lenzburg und Seon. Hier muss das Gelände für den Radweg neu erschlossen werden. Die Strecke liegt direkt westlich der SBB-Bahnlinie.

Die dritte und kürzeste Teilstrecke befindet sich auf Seoner Land. Auch hier wird der Radweg über weite Strecken entlang der Seetalbahn geführt – im Siedlungsgebiet dann ein Stück auf einer bestehenden Privatstrasse.

Auch Fussgänger und der landwirtschaftliche Verkehr können die Veloroute nutzen. Der asphaltierte Weg wird drei Meter breit und insgesamt 2341 Meter lang. Rund die Hälfte davon grenzt direkt an die «Seetaler»-Bahnlinie.

Kosten: 3,6 Millionen Franken

Im technischen Bericht steht, dass der Verlauf in Absprache mit den SBB geplant worden sei. Vier Meter soll der Abstand vom Radwegrand zur Gleisachse betragen. Aktuell ist keine räumliche Trennung geplant. Das heisst, kein Zaun und keine Abschrankung stehen zwischen Veloweg und Bahn. Zu weiten Teilen liegt der Veloweg auf der Dammschüttung, jedoch deutlich unterhalb des Gleisniveaus. Teilweise aber sind Weg und Bahnlinie auf derselben Höhe. Sollte es aber zu einer «auffälligen Zahl an Gleisüberquerungen durch Radwegbenutzer» kommen, können die SBB den nachträglichen Bau eines Zauns verlangen.

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist im Bericht angetönt: die Tragfähigkeit des Baugrundes. Eine Untersuchung der Firma Consultest aus dem Jahr 2011 hat ergeben: «Es ist nicht auszuschliessen, dass an einigen Stellen die Tragfähigkeitsklasse durch das Befahren mit Baumaschinen bis auf S0 (sehr geringe Tragfähigkeit) abfällt.» Genauere Abklärungen sollen nun zeigen, ob ein Bodenaustausch oder eine Stabilisierung des Baugrundes nötig sein wird. Die Kosten für einen allfälligen Bodenaustausch wurden bereits abgeschätzt und im Kostenvoranschlag eingerechnet.

Der Kostenvoranschlag beträgt 3 634 500 Franken. Fast drei Millionen sind für die Bauarbeiten budgetiert, 146 500 Franken für den Landerwerb.

Keine Beleuchtung

Ein Teil der Strecke führt durch den Wald. Deshalb wird es Rodungen geben. Temporär für die Bauarbeiten genutzter Waldboden wird an gleicher Stelle wieder bepflanzt. Definitiv gerodeter Boden muss mit Ersatzaufforstungen kompensiert werden. Die Ersatzaufforstungsgebiete liegen zum grössten Teil auf Egliswiler Gemeindegebiet, der Rest auf Seoner Boden.

Auf eine Entwässerung des Radwegs wird ebenso verzichtet wie auf eine Beleuchtung. «Die fehlende Beleuchtung ist der einzige Kritikpunkt am Projekt», so Werner Christen. Für die Zukunft wünscht er sich aber, dass auch die Fortsetzung im Seetal bald zustande kommt. «Eine Verbindung zwischen Seon und Birrwil ist immer noch in Planung. Ich hoffe, dass es auch hier schnell vorangeht.»

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