Lenzburg
Baugesuch abgelehnt – jetzt geht es für Gärtnerei um ihre Existenz

Im Bergfeld von Lenzburg werden keine Folientunnel erstellt – der Stadtrat weist das Baugesuch der Gärtnerei Rupp ab. Er begründet das mit der fehlenden «Zonenkonformität» für den Bau der Gewächshäuser, hätte es aber auch sonst abgelehnt.

Ruth Steiner
Merken
Drucken
Teilen
Noch haben sie alle Hände voll zu tun: Gärtnerei-Besitzer Willy Rupp (l.) und Pächter Pirmin Lang.

Noch haben sie alle Hände voll zu tun: Gärtnerei-Besitzer Willy Rupp (l.) und Pächter Pirmin Lang.

Ruth Steiner

Der Entscheid habe ihn schwer getroffen, sagt Willy Rupp. Im Bergfeld zwischen der Justizvollzugsanstalt und dem «Forellenhof» plante er den Bau von drei Folientunneln mit einer Länge zwischen 71 und 89 Metern.

Vor wenigen Tagen hat er vom Stadtrat auf sein Baugesuch abschlägigen Bescheid erhalten. Im Moment mag sich Rupp dazu nicht weiter äussern.

In seiner Begründung stützt sich der Stadtrat auf den Kanton, der begründet, die Zonenkonformität für den Bau von Folien-Gewächshäusern auf dem vorgesehenen Grundstück sei nicht gegeben.

Dieses befindet sich in der Landwirtschaftszone 1. Das heisst, dass eine Produktion möglich wäre, bei der Pflanzen in den Boden gesetzt werden, jedoch keine Gewächshäuser benötigt werden.

Entscheid von grosser Tragweite

Die Stadt Lenzburg führt in ihrer Abweisung einen weiteren Grund an: «Selbst wenn die Zonenkonformität gegeben wäre, ist der Stadtrat der Meinung, dass das Bauprojekt an dieser Lage landschaftlich nicht ins Bild passt und es dem zufolge auch deshalb abgewiesen worden wäre», erklärt Stadtschreiber Christoph Hofstetter auf Anfrage.

Gegen das Projekt sind vierzehn Einsprachen eingegangen. Da das Baugesuch abgelehnt wurde, sind diese Einwendungen gegenstandslos, schreibt der Stadtrat.

Dieser Entscheid ist für den Lenzburger Traditionsbetrieb von grosser Tragweite. Rund die Hälfte der Produktionsfläche im Bifang ist gepachtet.

Die zwei Landeigentümer haben nun die Pacht gekündigt. Sie wollen bauen: In der unteren Widmi 19 Reiheneinfamilienhäuser, an der Ammerswilerstrasse sind Mehrfamilienhäuser geplant.

«Wir müssen bis im nächsten Mai rund die Hälfte unserer Produktionsfläche räumen», sagt Rupp. Die verbleibenden 2500 Quadratmeter reichen nicht aus, um die Existenz des Betriebes zu sichern.

Die Gärtnerei Rupp ist ein Lenzburger Traditionsbetrieb. Willy Rupp hat die Gärtnerei in vierter Generation geführt, war 30 Jahre lang Friedhofgärtner. Seit sieben Jahren ist der Betrieb an den ehemaligen Mitarbeiter Pirmin Lang verpachtet. Sieben Mitarbeitende, davon zwei Praktikanten im dritten Lehrjahr werden beschäftigt.

«Doch das zählt heute alles nicht mehr», bedauert Rupp. «Wir haben jahrzehntelang recht geschäftet.» Für Gartencenter in der Region und die Blumenbörse wird saisonaler Blumenflor produziert. «Derzeit haben wir alle Hände voll zu tun.»

Bergfeld-Land als Reserve gekauft

Die Gärtnerei ist auf einen Standort angewiesen, an dem sie Gewächshäuser oder Folientunnel aufstellen kann. Ein Grossteil der Kulturen würde im Freien erfrieren. «Gerade in den letzten Tagen über die Eisheiligen waren die Temperaturen in der Nacht viel zu tief.»

Rupp hat das Land im Bergfeld 1975 gekauft. «66 Aren, auf Anraten des Vaters, genau für diese Situation. Vater hat damals schon vorausgesehen, dass es eventuell einmal eng werden könnte in der Stadt», sagt Rupp.

Jetzt wird es nicht nur eng, sondern für die Gärtnerei gar zur Grundsatzfrage – die Landreserve nützt Willy Rupp wenig. Er ist 76-jährig. Doch aufgeben will er nicht. Er will weiter nach Lösungen suchen, mag jedoch im Moment nicht öffentlich darüber sprechen. Nur soviel: «Ich würde es meinem Pächter gönnen, wenn er für die nächsten zwanzig Jahre eine Existenz hätte.»