Möriken
Bauer nach Grossbrand seiner Scheune verurteilt – gibt es trotzdem ein Happyend?

Ein Stall in Möriken brannte ab, der Bauer wurde verurteilt. 600 000 Franken hätte ihm die Versicherung verrechnen können. Doch nun könnte alles anders kommen.

Manuel Bühlmann
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Der Stall in Möriken fiel im September 2013 den Flammen zum Opfer.

Der Stall in Möriken fiel im September 2013 den Flammen zum Opfer.

Am Mittag ging der Stall in Flammen auf. Die Feuerwehr rückte nach Möriken aus, kämpfte stundenlang gegen Wind und Flammen. Beim Grossbrand im September vor drei Jahren wurden weder Menschen noch Tiere verletzt.

Der Sachschaden allerdings war beträchtlich: über eine Million Franken. Dem Bauern, der über keine Haftpflichtversicherung verfügte, drohten in der Folge hohe Regressforderungen von der Versicherung. Denn schon bald stand die Brandursache fest: Der junge Landwirt montierte auf dem väterlichen Bauernhof ein Getränkebecken im Stall. Als er vorstehende Schrauben kürzte, flogen Funken, wobei sich Gase aus der darunterliegenden Güllegrube entzündeten und das Stroh in Brand gesetzt wurde.

Die Flammen schossen in die Höhe und waren weitherum zu sehen.
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Zum Brand kam es durch einen Funkenschlag.
Die Feuerwehr konnte ein Übergreifen auf Wohnhaus und Stallanbau verhindern.
Der Schaden des Brandes lag bei mehreren hunderttausend Franken.
Die Feuerwehr konnte mit Helfen 250 Tiere in Sicherheit bringen.
Brand zwischen Othmarsingen und Brunegg

Die Flammen schossen in die Höhe und waren weitherum zu sehen.

Peter Rippstein

Gericht hebt Urteil auf

Vergangenes Jahr musste sich der Landwirt vor dem Bezirksgericht Lenzburg verantworten. Er wurde wegen fahrlässiger Verursachung einer Feuersbrunst schuldig gesprochen. Deutlich schwerer als die bedingte Geldstrafe von 4200 Franken und die Busse von 840 Franken wog Punkt 7 des Urteils: Der Beschuldigte habe der Aargauischen Gebäudeversicherung rund 570'000 Franken zuzüglich fünf Prozent Zinsen zu bezahlen, steht dort.

Sein Anwalt sagt, allein die Zinsen hätten seinen Mandanten rund 30'000 Franken pro Jahr gekostet. «Er wäre gar nie mehr aus dem Existenzminimum herausgekommen.» Doch nun steht fest: Der Landwirt muss 30'000 Franken an die Aargauische Gebäudeversicherung (AGV) zahlen.

Diese Vereinbarung haben Verteidiger und AGV miteinander geschlossen. Demnach wird der Betrag nur dann fällig, wenn der Bauer rechtskräftig verurteilt wird – doch das ist längst nicht sicher. Den erstinstanzlichen Entscheid hat das Obergericht inzwischen aufgehoben und den Fall ans Bezirksgericht Lenzburg zurückgewiesen.

Der Grund: Das Urteil sei ungenügend begründet und habe die Argumente des Beschuldigten nicht angemessen berücksichtigt.

Wann das Bezirksgericht Lenzburg erneut entscheidet, steht noch nicht fest. Klar ist für den Verteidiger, dass er den Schuldspruch und insbesondere die Zahlungsverpflichtung über fast 600'000 Franken weiter anfechten will. Letzteres sei «grundlegend falsch». Der Anwalt befürchtet eine präjudizielle Wirkung für künftige Fälle.

Positiver Effekt des Brands

Das Schicksal des Möriker Bauern beschäftigte auch die Politik. Die Grossräte Ralf Bucher (CVP) und Alois Huber (SVP) reichten einen Vorstoss ein, in dem sie die Regressforderungen von 600'000 Franken als «unverschämt» bezeichneten. Vom Regierungsrat verlangten sie unter anderem eine Antwort auf die Frage, ob dieser die Summe ebenfalls für übertrieben halte.

Die Regierung wollte sich jedoch nicht dazu äussern, verwies auf die Gewaltenteilung und die Zuständigkeit der Gerichte. Nach dem glimpflichen Ausgang für den jungen Landwirten sieht Ralf Bucher, Geschäftsführer des Aargauer Bauernverbands, zurzeit keinen Bedarf für eine Gesetzesänderung.

Der CVP-Grossrat stellt gar einen positiven Effekt des Vorfalls fest: «Bei Arbeiten in Ställen wird seither stärker darauf geachtet, dass keine Funken fliegen. Gut, dass nun mehr über die Gefahren gesprochen wird.»