«Öffentliche Bauten haben ihre Geschichte. Auch das neue Schulhaus hat die seinige, die nicht lauter erfreuliche Blätter aufweist», schrieb Bankdirektor Max Hemmeler als Mitglied der Schulhausbaukommission in der Festschrift zur Einweihung des neuen Bezirksschulhauses am 30. Oktober 1930.

Tatsächlich liest sich das überlieferte Dokument wie ein spannender Krimi.

Obwohl die Schulbehörden vor einhundert Jahren von der Notwendigkeit eines Neubaus überzeugt waren, dauerte es «lange Zeit, bis der Gedanke der Verwirklichung entgegengeführt werden konnte». Ein neues Schulhaus verlange von der Gemeinde finanzielle Opfer, schrieb Hemmeler. So erstaunt es wenig, wenn der 1. Weltkrieg das Schulhausprojekt auf die lange Bank schob.

Erstes Projekt war zu teuer

1922 sprach die Gemeindeversammlung «einen Kredit von 6000 Franken für die Erlangung eines Baukredits». Das Projekt scheiterte jedoch an den «viel zu hohen Baukosten von bis zu 1,4 Mio. Franken», an denen sich die Nachbargemeinden nicht beteiligen wollten. 1925 nahm man einen neuen Anlauf. Im August 1926 fand «die bedeutungsvolle Gemeindeversammlung» statt, in welcher endlich der Bau eines neuen Schulhauses beschlossen wurde.

Zum erneuten Wettbewerb wurden die Sieger der ersten Konkurrenz und zusätzlich die Lenzburger Architekten Häusler und Hächler eingeladen.

Hitzige Debatte über Bauweise

Das Siegerprojekt des Basler Architekten Schmidt folgte «der neuerdings in Erscheinung getretenen sachlichen Bauweise». Kaum vorgestellt, «regte sich gegen dieses Projekt lebhafter Widerspruch». Die Diskussion, die auch auf die Presse übergriff, wurde zeitweilig recht hitzig geführt. Die moderne Bauweise wurde als eine «Krisis der Architektur» bezeichnet.

Die Presse mischte heftig mit

Die Baukommission kam überein, «die beiden erstplatzierten Architekten zu veranlassen, ein gemeinsam ausgearbeitetes neues Projekt vorzulegen, welches sich in architektonischer Hinsicht besser dem Stadtbild anpasse».

Das Resultat enttäuschte. Der erneute Flachdachbau rief Bedenken hervor. In der Folge wurde der Frauenfelder Architekt Stutz beauftragt, ein Projekt auszuarbeiten, «das sich an die herkömmliche, in der Praxis bewährte Bauweise halte.»

Nun standen sich die beiden Vorschläge Schmidt/Hächler und Stutz gegenüber. Sowohl im Gemeinderat als auch in der Baukommission waren die Meinungen geteilt. Und wiederum mischte sich die Presse heftig in die Diskussion mit ein.

Die entscheidende Gemeindeversammlung am 5. November 1928 «nahm einen ziemlich bewegten Verlauf». In einer geheimen Vorabstimmung wurde gegen den Bau eines Flachdachs und für ein Satteldach entschieden. Schlussendlich sprach man sich für das Projekt Stutz aus.