Birrwil
Batterie laden, Träume leben, Musik geniessen

Dass Lenzburg ein Gefängnis hat, ist bekannt. Aber Birrwil? Die Country-Night machts möglich.

Peter Weingartner
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Country Birrwil
26 Bilder
Zum Jubiläum beschenkt wurden Urs und Marianne Lehmann
Tim will ins Gefängnis
Sonja Baumann verkauft Feuerwasser
Marianne Lehmann wird auf der Bühne verhaftet
Marianne Lehmann in Aktion in einem Sketch
Moni Amsler wird ins Gefängnis gesteckt
Männermodeschau
Linedance verbindet
Line Dance zu den Swiss Highwaymen
Line- und andere Dances
Leo Klocky aus Amsterdam mit Freundin
Hansjörg Häfliger aus Kulmerau ist Wildwest-Arzt
Die beiden sprechen dem Feuerwasser zu
Haftbefehle zuhauf
Die Sheriffs haben auch Schiesseisen
Das sind die drei Sheriffs vor dem Gefängnis
Buddy Lee und seine Kumpels geben Gas
Da fliesst Feuerwasser
Da füllt einer den Verhaftungsauftrag aus
Adrian Bruder aus Egliswil im Element
Auch Leila Lehmann wurde verhaftet
Blizzard Ladies in Aktion
Auch Junge haben Spass an Countrymusic
Alois (rechts) hat eine Reise nach London gewonnen
Luciana Di Nardo von den Blizzard Ladies

Country Birrwil

Picasa

Einmal im Jahr hat man im Dorf am Hallwilersee günstig Gelegenheit, gesiebte Luft zu geniessen. An der 25. Country-Night amteten gleich drei Sheriffs ihres Amtes: Bruno Schütz aus dem Bernbiet, André Seifferth alias Wyatt Earp aus Reinach und Röbi Rösli alias Old Mc Cloud aus Villmergen. Für zwei Franken kann, wer jemanden in den Knast bringen will, einen Haftbefehl ausfüllen. Die Gründe sind vielsagend: «Säuft zu viel Weisswein» heisst es da, oder «ist nicht lieb», oder «hockt nur da». Und einer wollte seine Frau «schon immer ins Gefängnis bringen». Bald schon klappen die Handschellen zu und selbiges tut die Gefängnistüre.

Wildwest und Mittelalter

«Aus dem Alltag ausbrechen und die Batterien laden», das kann Hansjörg Häfliger aus Kulmerau in dieser Gesellschaft «guter, friedlicher Leute». Er ist als Arzt dabei. Die Country-Night bietet Gelegenheit zum Rollenspiel. Sheriff Wyatt Earp arbeitet im richtigen Leben als Baggerführer. Er sieht sich als Authentiker. Das heisst: möglichst echte Kleidung und an einschlägigen Anlässen leben wie einst im Wilden Westen. Das Schiesseisen, ein Vorderlader, passe freilich nicht zum Gurt voller Patronen, gesteht er. Er ist auch ein Mittelalterfreak.

Bruno Schütz lebt neben dem Sheriff- auch den Trapper-Traum. Dann zeigt er als Fallensteller mit Trapperzelt das Trapperleben. Die Birrwiler Halle war am Wochenende ganz auf Wildwest eingestellt. An der Sprossenwand hängen Reiter-Utensilien, ein Büffelschädel, Fahnen, Lederstiefel. Diagonal an der Decke sind Kleider und Tücher zu sehen. Wer etwas auf sich hält, kommt in Cowboy-Kluft. In Latzhosen aus Mülligen angereist ist Erich Flühr mit seiner Frau Daniela. Sie sind erstmals in Birrwil. «Ich bin ein Hillbilly», sagt er. Die beiden reisen jedes Jahr in die USA; ihr Interesse gilt vor allem den Ureinwohnern und weniger den weissen Einwanderern. «Wir sind angefressen von den Indianern», gesteht Flühr. Diese fehlten etwas heute, meint er. Doch die familiäre, gemütliche Stimmung gefällt.

Feuerwasser und Musik

Die schönsten Outfits bei den Frauen und bei den Männern werden prämiert. Der Applaus entscheidet; einen Preis erhalten alle. 25 Jahre Country-Night ist für die Initianten Marianne und Urs Lehmann Grund zum Feiern. Von Anfang an dabei ist neben ihnen Marietta Gloor, die in der Festwirtschaft tätig ist. «Ich habe Freude an diesem Club; es ist der einzige Verein, wo ich dabei bin», sagt sie.

Country heisst nicht nur Hut, Schiesseisen und kariertes Hemd. Country heisst vor allem Musik. Und die fährt gehörig in die Beine. Am Samstag sorgen Tex Maex, die Blizzard Ladies und die Swiss Highwaymen für Stimmung. Letztere haben auch den Boogiewoogie und den Rock’n’Roll drauf. Viele frönen dem Linedance, während ein junges Quartett das Bier auf den Stühlen stehend geniesst. Klar, Feuerwasser gehört auch zum Wilden Westen. Nicht nur im Saloon, gleich neben dem Gefängnis.