An Tempo 30 scheiden sich die Geister. Fast in jeder Gemeinde, die über die flächendeckende Einführung der Geschwindigkeitslimite nachdenkt, gibt es emotionale Diskussionen. Jüngstes Beispiel ist Gränichen, wo die Gemeindeversammlung im letzten Herbst Ja gesagt hatte zu Tempo 30 in allen Quartieren. Der Entscheid wurde nach einem Referendum an der Urne aber wieder gekippt. Auch in Buchs sagte das Volk deutlich Nein zu einem flächendeckendem Tempo-30-Regime. Und nun wird – auf Wunsch der Anwohner – Tempo 30 sukzessive Quartier für Quartier eingeführt.

Schon der x-te Anlauf

Die Gemeinde Seon bildet also keine Ausnahme, indem sie sich mit Tempo 30 schwer tut. 2011 scheiterte die flächendeckende Einführung an der Wintergmeind. Auch hier gab es eine Referendumsabstimmung, bei der das Verkehrsberuhigungsregime bachab geschickt wurde. Und nun liegt das Thema wieder auf dem Tapet. Dies, nachdem es an der Sommergmeind 2017 intensiv diskutiert wurde. Damals lag der Antrag für Tempo 30 auf zwei Strassen vor. Gegen die Massnahme sprach sich kein Votant explizit aus, aber die «zerstückelte» Einführung – Strasse für Strasse – wurde kritisiert. Es war schliesslich der Präsident der Finanzkommission, der unter dem Traktandum «Verschiedenes» erfolgreich den Antrag auf quartierweise Einführung stellte. Der Gemeinderat nahm den Auftrag entgegen und kündigte an, bis zur Sommergmeind 2018 eine entsprechende Vorlage auszuarbeiten und vor die Gemeindeversammlung zu bringen.

Kosten von 143 000 Franken

Nun liegt in einem ersten Schritt ein Tempo-30-Konzept der Aarauer Firma Ballmer + Partner AG vor. Die Planer gehen schätzen die Gesamtkosten auf 143 000 Franken (Gutachten, Umsetzung und Nachkontrolle). Der Perimeter umfasst alle Wohngebiete der Gemeinde Seon. Ausgenommen sind das Gebiet Unterdorfstrasse vom Kreisel bis zur Egliswilerstrasse und die Milchgasse (Tempo 30 wird hier bereits umgesetzt), die Kantonsstrassen (Tempo 30 nicht möglich) sowie die Oberdorfstrasse, die Schafisheimerstrasse, die Reussgasse sowie Teile der Retterswiler- und der Kirchtalstrasse.

Auch Lärmschutzmassnahme

Das Planungsbüro liess 2017 Verkehrsmessungen durchführen. Sie zeigten, dass im Vergleich mit alten Messwerten von 2011 das Geschwindigkeitsniveau auf der Kirchtalstrasse und der Pilatusstrasse leicht, an der Retterswilerstrasse und der Webereistrasse deutlich abgenommen hat. Besondere Gefahren und Schutzdefizite bestehen im Perimeter unter anderem bei Schulkindern, älteren Personen, Radfahrenden auf den offiziellen Radwegen und bei diversen privaten Hauszufahrten, bei denen die notwendigen Sichtweiten bei Tempo 50 nicht eingehalten werden können. Ausserdem wurde im Rahmen eines Lärmsanierungsprojektes festgestellt, dass bei mehreren Gebäuden die Lärmgrenzwerte überschritten werden. Bei all diesen Problematiken erwarten die Planer durch Tempo 30 eine wesentliche Verbesserung.

Die Planer empfehlen, die baulichen Massnahmen «vorerst auf ein Minimum» zu reduzieren. Die Zoneneingänge sollen mittels Eingangstoren mit Signaltafeln und – falls genügend Platz vorhanden ist – mit Einengungen gekennzeichnet werden. Denkbar sind auch Schilder am Strassenrand mit Querbalken über den Fahrbahnbelag.