Der neue Lenzburger Stadtteil, das nachhaltig konzipierte Quartier «Im Lenz», füllt sich langsam, aber stetig. Während die Vermietung von kleineren und mittelgrossen Gewerbeflächen bisher eher etwas harzig verlief, sind jetzt Details über einen Gastronomie-Betrieb bekannt: Ab nächstem Februar betreibt die Firma Trinamo AG in den Shed-Hallen des ehemaligen Hero-Gebäudes das Restaurant Barracuda. Der nach einem hechtähnlichen, im Meer lebenden Raubfisch benannte Betrieb umfasst einen Restaurantteil mit rund 150 Plätzen, ein abgetrenntes «Säli», das auch als Seminar- oder Arbeitsraum verwendet werden kann, und sechs originelle Hotelzimmer.

Erleuchtung bei der Shed-Halle

Bei der Trinamo AG ist das Projekt «Barracuda» Chefsache. Mit grossem Engagement kümmert sich Geschäftsführer Reto Schaffer um die nun immer intensiver werdende Vorbereitung. Mit den Architekten müssen noch zahlreiche Details geklärt werden. Ebenso mit den Vermietern, denn die Verträge sind eben erst unterzeichnet worden. «Doch da sollte es keine Probleme mehr geben.»

Die ansteckende Euphorie von Schaffer entspringt nicht einer Liebe auf den ersten Blick. Der erste Augenschein im Quartier «Im Lenz» endete mit einer Ernüchterung: Dem Interessenten für einen Gastrobetrieb wurde im Komplex «Im Kreis» der für ein Quartierbeizli vorgesehene ebenerdige Raum am neuen Markus-Roth-Platz gezeigt. Im Hinterkopf zeichnete sich nach der Besichtigung bereits eine Absage ab: «Das eignet sich höchstens für ein Café ohne das besondere Etwas.» Also alles andere als das, was Schaffer suchte.

Beim Verlassen des Areals sah er jedoch plötzlich die Shed-Halle mit den gezackten Dachgiebeln, die von der ehemaligen Hero-Fabrik ins neue Quartier hinübergerettet worden ist. Gemäss den ursprünglichen Plänen der Areal-Entwickler war vorgesehen, dass sich hier kreative Werkplätze oder Künstler mit ihren Ateliers einmieten. Doch die Nachfrage hielt sich in Grenzen. Bei Reto Schaffer hingegen machte es angesichts dieser industriehistorischen «Altlast» sofort Klick.

«Ab da ging es los», blickt der Trinamo-Geschäftsführer zurück. Im Kopf entstand sofort das Bild eines trendigen Lokals: «Eine Industriehalle ist immer gut», ist er überzeugt. In diesem Rahmen, der im Komplex «Im Flügel» liegt, hat es mit rund 700 Quadratmetern gut dreimal so viel Platz wie im ursprünglich vorgesehen Café.

Vor dem geistigen Auge nahm «Barracuda» schnell Formen an. Individuelle Möblierung, Riemenböden, dunkle Eiche. Eine Mischung aus Retro-Jugendstil, Vintage und feiner englischer Art. «Das gibt etwas fürs Auge», wusste Schaffer sofort. Ein aussergewöhnliches Lokal, das bei den Gästen Feriengefühle weckt.

Mit dem vorgeschlagenen Konzept stiess Schaffer bei den Verantwortlichen von «Im Lenz» auf offene Ohren. Die Bernische Pensionskasse als Investorin von rund 150 Millionen Franken ins gesamte Areal zeigte sich bei den Umbaukosten sogar kulant, so dass sich das Projekt «Barracuda» finanzieren lässt.

Eine Bar aus Leeds

Hinter den Kulissen laufen nun die konkreten Vorbereitungsarbeiten. Reto Schaffer ist ein grosser London-Fan. Um sich Inspirationen für sein «Baby» zu holen, ging er nach England. Und kehrte nicht nur mit vielen Ideen zurück. Sondern auch mit einer neun Meter langen Bartheke, die er sich in Leeds erstand; «meine Beauty», wie sie Schaffer nennt.

Vorschläge für die Gestaltung des Geschirrs brachte er ebenfalls heim; Muster einer neuen Keramiklinie aus London, die mit Formen und Farben spielt, stapeln sich in Schaffers Büro in Aarau. «Wir wollen nicht das Gleiche wie überall», hält er fest. Das gilt auch für das kulinarische Angebot. «Da sind wir in erster Linie der Region verpflichtet. Wir wollen wissen, woher die Produkte stammen.» Mitglied der Küchencrew wird der in der Region bekannte Werner Schlegel, der bis letzten Monat im Boniswiler «Seeblick» wirkte, der nun einer Überbauung weichen muss.

Etliche Angestellte werden Klienten der Trinamo sein, die hier wieder an den normalen Arbeitsmarkt herangeführt werden sollen. Ein Credo sei jedoch «weg vom Werkstattbereich, hin zur Normalität». Daraus ergibt sich ein wichtiges Ziel, wenn «Barracuda» im nächsten Februar in die freie Wildbahn entlassen wird. Reto Schaffer: «Uns ist wirklich wichtig, dass der Gast nicht merkt, dass das Restaurant ein Sozialprojekt ist.»