Lenzburg
Bär, Hase und Fuchs gegen das Heimweh

Die aufwendigen Kunstarbeiten von Elena Rostovtseva entstammen russischen Volksmärchen.

Markus Christen
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Die in Lenzburg lebende russische Sprachlehrerin Elena Rostovtseva fertigt in aufwendiger Handarbeit Tierfiguren aus russischen Märchen.

Die in Lenzburg lebende russische Sprachlehrerin Elena Rostovtseva fertigt in aufwendiger Handarbeit Tierfiguren aus russischen Märchen.

Markus Christen

Als Elena Rostovtseva vor achteinhalb Jahren zu ihrem damaligen Freund und heutigen Ehemann in die Schweiz zog, nahm sie aus Moskau die Liebe zur russischen Kultur in die neue Heimat mit. Später las sie ihrem Sohn Geschichten aus russischen Volksmärchen vor.

Die Tierfiguren aus den Märchen begeisterten den Knaben und diese Begeisterung inspirierte die studierte Sprachlehrerin dazu, in filigraner Handarbeit dem gutmütigen Bären, dem furchtsamen Hasen und dem raffinierten Fuchs als Hand- und Dekorationspuppen neues Leben zu schenken. «Schon seit ich klein bin, habe ich immer gerne gebastelt und genäht. Mein Talent für die handwerkliche Arbeit habe ich wohl von meinen Eltern geerbt», sagt Elena Rostovtseva.

In die Fertigung einer Märchenpuppe investiert sie viele Stunden. Zu Beginn werden Kopf, Hände und Füsse aus Modelliermasse geformt, um sie in einem nächsten Schritt zu bemalen. Die Kleider der Puppen sind russischen Nationalkostümen nachempfunden.

Den Kenntnissen zu Schnittmustern oder Accessoires liegen aufwendige Recherchen zugrunde. Einzelne Stoffteile besorgt Elena Rostovtseva, wenn sie in Moskau Studienfreundinnen besucht. Das unscheinbare Stoffgeschäft liegt in der Strasse, in der sie aufgewachsen ist.

Reiche russische Geschichte

Den Bezug zur russischen Kultur und Folklore nicht zu verlieren, diesen auch ihrem Sohn vermitteln zu können, ist Elena Rostovtseva wichtig. Im Gespräch schwärmt sie von der reichen Geschichte Russlands, der Weite des Landes und den vielen Sehenswürdigkeiten in Moskau.

«Ich fühle mich sehr wohl hier in Lenzburg», sagt sie, «aber manchmal habe ich schon etwas Heimweh und ich geniesse es deshalb, Russisch unterrichten und Geschichten aus Russland erzählen zu dürfen.»

Es sind auch schon weitere Pläne geschmiedet, um in der Schweiz das Interesse an ihrer Herkunft zu wecken. Zurzeit stellt sie ein Puppentheater her. Mit diesem will sie vor Kindern auftreten, am liebsten in russischer und in schweizerdeutscher Sprache. «Obwohl ich schon einen Kurs besucht habe, muss ich für das Schweizerdeutsch aber noch üben», sagt sie und lacht.

Eine glückliche Kindheit

Das ehrwürdige Obraszow-Theater in Moskau, benannt nach dem berühmten Puppenspieler Sergei Wladimirowitsch Obraszow, besuchte Elena Rostovtseva als junges Mädchen. Mit den Aufführungen verbindet sie viele schöne Erinnerungen. «Das Puppentheater war Teil einer sehr glücklichen Kindheit. Meine Erinnerungen möchte ich gerne mit meinem Sohn und mit anderen Kindern teilen.»

Elena Rostovtseva weiss, dass sie viele Übungsstunden aufwenden muss, bis sie mit ihrem eigenen Puppentheater auftreten kann. Angewiesen ist sie auf die Unterstützung ihres Ehemannes. «Er sorgt dafür, dass ich mir für meine Projekte Zeit nehmen kann. Ohne das ginge es nicht.» Der grosse Aufwand allerdings ist es ihr wert, wenn sie dafür die fantasievollen Welten ihrer eigenen Kindheit weitertragen kann.

Ausstellung: Im Januar werden die Arbeiten von Elena Rostovtseva in der Fremdsprachenschule «Sprachwelten» in Zürich ausgestellt. Zu besichtigen sind sie unter www.lustigepuppen.ch.

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