Seengen

Bald 4000 Einwohner: Bauboom weckt in Seengen Ängste

Sechs Kandidaten für den Gemeinderat (von links): Peter Käser, Dieter Gugelmann, Jörg Bruder, Regula Hechler, Moderator Fritz Thut, Patrick Hippele und Gianni Asquini.

Sechs Kandidaten für den Gemeinderat (von links): Peter Käser, Dieter Gugelmann, Jörg Bruder, Regula Hechler, Moderator Fritz Thut, Patrick Hippele und Gianni Asquini.

Das starke Bevölkerungswachstum hat in Seengen die Podiumsdiskussion der sechs Gemeinderatskandidaten dominiert. Diese sind sich einig: Man muss dem Dorf Sorge tragen. Auf den Bauboom Einfluss nehmen kann der Gemeinderat aber nur begrenzt.

Mit einem Steuerfuss von 80 Prozent, relativ wenig Schwerverkehr und einem intaktem Dorfleben steht Seengen nicht nur geografisch auf der Sonnenseite des Hallwilersees. Dem Dorf geht es gut – sehr gut sogar verglichen mit anderen Seetaler Gemeinden, die mit viel Verkehr und wenig Geld kämpfen.

Dessen sind sich auch jene sechs Kandidaten bewusst, die am 22. September (wieder) zur Gemeinderatswahl antreten. Am Donnerstag stellten sie sich in einer Podiumsdiskussion der Bevölkerung. Existenzielle Probleme, die Seengen in naher Zukunft ans Eingemachte gehen könnten, kamen in der Diskussion unter der Leitung von az-Redaktor Fritz Thut nicht zum Vorschein.

Ein Thema jedoch brennt sowohl den bisherigen drei Gemeinderäten als auch den drei neuen Kandidaten unter den Nägeln: Der Bauboom, der Seengen seit 1990 über 1500 neue Einwohner gebracht hat. Heute wohnen 3700 Personen im Dorf – und ein Ende ist nicht in Sicht: «Wir werden wohl bald die 4000er-Grenze knacken», sagte der parteilose Gemeinderat Dieter Gugelmann, der auch Kandidat für das Amt des Vizeammanns ist. Sein Gemeinderatskollege Gianni Asquini (parteilos) sprach deshalb mit seinem Appell allen Kandidaten aus dem Herzen: «Wir müssen zu Seengen Sorge tragen.»

Angst vor «Schlafgemeinde»

Sorge tragen zum Dorf, das wollen alle Kandidaten; das Wachstum bremsen jedoch ist schwierig. «Viele Faktoren kann der Gemeinderat gar nicht beeinflussen», sagte Jörg Bruder (FDP), der neu als Gemeinderat kandidiert und sich auch als Nachfolger der abtretenden Frau Gemeindeammann Nelli Ulmi zur Wahl stellt. Gleicher Meinung ist der zweite neue Kandidat Peter Käser (SVP): «Wo es Bauland gibt, wird gebaut.» Der Gemeinderat müsse trotzdem seine Möglichkeiten nutzen, um das Dorfleben zu fördern – und um zu verhindern, dass Seengen zur Schlafgemeinde abdriftet.

In die gleiche Kerbe schlug der dritte neue Gemeinderatskandidat Patrick Hippele (parteilos): «Mit 49 Vereinen haben wir beste Voraussetzungen, Neuzuzüger einzubinden.» Hippele relativierte zudem Ängste vor dem Wachstum: «Es kann nicht ewig so weitergehen, der Zustrom wird sich verlangsamen.» Zudem werde auch in anderen Dörfern gebaut. Die amtierende Gemeinderätin Regula Hechler (FDP) gab zu bedenken: «Trotz aller Herausforderungen sind Neuzuzüger gut für unser Dorf.»

Kaum Unterschiede spürbar

Die Debatte über Bauboom und Wachstum zeigte eines klar: Die neuen Kandidaten unterscheiden sich in ihrer Vision für Seengen nicht fundamental und liegen im Wesentlichen auf der Linie des heutigen Gemeinderates. Die Podiumsdiskussion war aufschlussreich, inhaltliche Differenzen und parteipolitische Färbungen kaum spürbar. Das ist eine gute Nachricht für Seengen – und auch den künftigen Gemeinderat. Wie auch immer dieser nach dem 22. September zusammengesetzt sein wird.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1