Die Tage des Bahnhofgebäudes Lenzburg sind gezählt. Dies ist die konkreteste Aussage im Nachgang zum Versand von zwei Medienmitteillungen durch die SBB und die Stadt Lenzburg gestern Freitag.

Auf Nachhaken der az Aargauer Zeitung bestätigte die SBB-Pressestelle: «Die vorliegende Konzeptstudie zu den Publikumsanlagen zeigt, dass die notwendige Anlagenausdehnung im Konflikt steht zum bestehenden Aufnahmegebäude.» Diese Ansammlung von Verklausulierungen entspricht einem deutlichen «Ja» auf die Frage, ob der bestehende Bahnhof dereinst abgebrochen werden muss.

Die Angst, schon morgen oder übermorgen würden die Abrissbagger auffahren, ist deplatziert. Die SBB rechnen mit ganz andern zeitlichen Dimensionen. «Mit dem Bau- und Auflageprojekt für die neuen Publikumsanlagen … kann frühestens Anfang 2019 gestartet werden», schreiben die SBB.

«Grundlagen für neue Planung»

So gesehen sind die aktuellen Informationen kaum mehr als ein dickes Pausenzeichen auf dem Weg zu einem zeitgemässeren Bahnhof Lenzburg: Gestern verschickten die SBB und die Stadt zwei abgestimmte Medienmitteilungen zur ewigen Geschichte: «Planungsgrundlagen der SBB liegen vor» steht darüber als Überschrift.

Kein Wort wird dabei darüber verloren, dass die SBB selber diese Grundlagen für den letzten Sommer in Aussicht gestellt haben, nachdem sie einräumen mussten, dass alle bisherige Planungen wegen Auflagen des Bundesamtes für Verkehr zu Makulatur verkamen. Als Erklärung für die Verzögerung spricht die SBB-Pressestelle von einem «iterativen Prozess, der sich schrittweise der besten Lösung annähern muss».

Konkrete Neuigkeiten, wie es am Bahnhof, insbesondere mit dem städtischen Projekt Neugestaltung des Bahnhofplatzes, weitergehen könnte, findet man in den Mitteilungen kaum. Die Planungsgrundlagen sollen in diversen Studien verfeinert werden. «Diese Abklärungen dauern bis ca. Ende 2016», nennen die SBB einen weiteren Termin.

Stadt arbeitet an Provisorium

«So lange kann nicht gewartet werden», antwortet die Stadt in ihrer Mitteilung. Nach der Umsetzung einer Sofortmassnahme mit der Inbetriebnahme von zusätzlichen Buskanten im letzten Dezember, arbeite man nun «intensiv am angekündigten Provisorium». Da mit dieser Übergangslösung mehrere Jahre bis zum neuen Bahnhofareal irgendwann in den 20er-Jahren überbrückt werden muss, muss man auch hier intensiv hirnen: «Das Ganze ist sehr komplex und erfordert intensive Planungsarbeiten.»

Das Stadtbauamt treibt diese – «in enger Absprache mit dem Regionalbus Lenzburg» – «mit Hochdruck voran». Hier werden ganz andere Zeithorizonte genannt. Christian Brenner, Leiter Tiefbau im Stadtbauamt, ist «zuversichtlich, dass Mitte Jahre verschiedene Lösungsvarianten vorliegen und mit der Realisierung noch in diesem Jahr gestartet werden kann».

In welche Richtung dieses Provisorium tendiert wollte niemand sagen, doch ist davon auszugehen, dass die Bäume und einige oder alle Autoparkplätze östlich des Bahnhofgebäudes einem effizienteren Bushof Platz machen müssen.

Breitere Perrons

Für die definitive Neugestaltung des Bahnhofplatzes, die ja nach verschiedenen Anläufen nach dem Stopp durch die SBB im letzten Mai ganz auf Eis gelegt werden musste, steht der Stadt sicherlich weniger Platz zur Verfügung. Die Verbreiterung der Gleis-Anlagen «tangiert den bisher im Projekt Loop ausgeschiedenen Bereich um etwa zwei Meter», schreiben die SBB. Für den Stadtrat ist «eine möglichst hohe Planungssicherheit absolut essenziell». Dies wegen dem Einfluss auf das Bahnhofsumfeld.

Die SBB-Konzeptstudie, die diesen Zusatzraum ausweist, sieht als «Kernelemente zwei breite Mittelperrons sowie eine zusätzliche Personenunterführung im Westen des Bahnhofs» vor. Parallel zur aktuellen Park-and-Ride-Anlage wird zudem ein zusätzlicher Perron für die Nationalbahn Richtung Suhr und Zofingen vorgesehen. Die ganze Anlage soll für 40 000 Bewegungen (Ein- und Aussteigende) pro Tag ausgelegt werden. Zum Vergleich: Aktuell gibts 25 000 Bewegungen; vor drei Jahren waren’s noch 16 000.

Während nun Studien gleich rudelweise ausgearbeitet werden, folgt irgendwann die Realisierung: «Die Kosten in den nächsten Jahren belaufen sich wohl auf einen dreistelligen Millionenbetrag», schätzen die SBB.