Lenzburg

Badmeister landete nach brutalem Angriff im Spital

Der Sohn des Lenzburger Badi-Wirts hat am Sonntag, begleitet von seinem Vater, einen Badmeister spitalreif geschlagen und ihm gedroht. Die Polizei hat sich der Angelegenheit bereits angenommen. Der Stadtrat schweigt bisher zum Vorfall.

André Schoch ist geschockt, hat Angst. Angst, wieder in der Badi Lenzburg zu arbeiten. Erst im Mai hat er seine Stelle angetreten. Seine Angst wird verständlich, sieht man sich die Liste seiner Verletzungen an, die das Kantonsspital Aarau (KSA) bis gestern behandelte.

Ein Zahn ist abgebrochen, am Kiefer erlitt er eine Abrissfraktur. Zudem leidet Schoch unter einer schweren Hirnerschütterung. Und sein rechter Arm und seine rechte Hand sind zeitweilig gelähmt, weil sich in der Halswirbelsäule eine Bandscheibe verschoben hat. Drückt man ihm auf die rechte Hand, spürt er nichts.

All diese Verletzungen stammen von drei Schlägen, die ihn am Sonntagmorgen im Technikraum der Badi Lenzburg zusammensacken liessen. An einem friedlichen Sonntagmorgen, drei Tage nach seinem Geburtstag.

Zehn Medikamente muss André Schoch täglich zu sich nehmen. In seinem Spitalbett erinnert er sich an die Tätlichkeit; seine Worte sind bestimmt, aber er tönt geschwächt.

«Ein Teil der Wirtefamilie wollte am Sonntagmorgen mit dem Quad durch die Badi fahren. Ich habe ihnen das verboten, schliesslich war Sonntag und die Badi bereits offen», erinnert sich André Schoch. Als er danach im Technikraum der Kassierin zeigte, wo sich der Defibrillator befindet, seien der Badi-Wirt O. und dessen Sohn A. auf ihn zugekommen (Namen der Redaktion bekannt).

Gegen einen Pfosten gestossen

«O. sagte, wir seien gar nicht fähig, eine Badi zu führen», sagt Schoch, der schon viel Erfahrung hat: 1984 machte er die Badmeisterprüfung. Er arbeitete unter anderem schon bei den Badis in Auenstein, Kölliken, Olten, Brugg und Rheinfelden. Schoch: «Ich sagte den beiden, sie sollen aufhören und gehen, worauf mir A. einen Kinnhaken verpasste, an die linke Kieferseite. Ich fiel nach hinten an einen Pfosten.»

Schoch erhielt einen weiteren Schlag, diesmal an die Stirn, er prallte an die Türe. Dann ein dritter Schlag, Schochs Nase begann zu bluten.

Der Sohn des Badi-Wirts drohte ihm: Man werde ihn schon noch finden, wenn er alleine sei. Die Kassierin beobachtete den ganzen Vorfall. Sie war es, die Schoch zur Kasse führte und seinen Kopf kühlte. Schoch verständigte die Polizei. Gegen 10.45 Uhr trafen die Regionalpolizei Lenzburg, die Kantonspolizei Aargau und die Ambulanz des KSA ein.

Polizeisprecher Roland Pfister bestätigt die Körperverletzung: «Wir sind am Sonntag ausgerückt. Mutmasslich hat ein 34-jähriger Schweizer einen 55-jährigen Schweizer gegen einen Pfosten gestossen. Die Umstände müssen wir noch klären.» Abhängig vom Arztbericht wird festgelegt, ob es sich um eine einfache oder eine schwere Körperverletzung handelt.

Ist Letzteres der Fall, handelt es sich um ein Offizialdelikt. So oder so muss sich die Staatsanwaltschaft mit dem Fall beschäftigen, denn André Schoch hat bereits einen Strafantrag gestellt. Mit der Kassierin gibt es für die Körperverletzung eine Zeugin.

Der Stadtrat schweigt

Auch die Politik befasst sich mit dem Fall; das Schwimmbad Walkematt gehört der Stadt Lenzburg. Der Stadtrat zeigt sich schweigsam: «Wir geben noch keine Auskunft, da noch nicht der ganze Stadtrat informiert ist», sagt Stadtammann Daniel Mosimann auf Anfrage. Damit ist noch unklar, ob der Badi-Wirt und sein Sohn allenfalls ein Badi-Verbot erhalten. 

Schoch hat sich bereits für die Opferhilfe der Kantone Aargau und Solothurn angemeldet, die Ärzte empfahlen ihm psychologische Begleitung.

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