Lenzburg
Autoparkplätze und drei Bäume weichen neuen Bus-Haltestellen

Der Bahnhofplatz in Lenzburg ist wenig einladend – und ein Dauerthema. Nun soll die Situation für 6 bis 10 Jahre verbessert werden. Die SBB, der Kanton und die Stadt arbeiten an einer Studie für die Neugestaltung.

Fritz Thut
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Der Lenzburger Bahnhofplatz soll ein neues Gesicht bekommen; Bäume, Rasenstreifen und die Parkplätze rechts verschwinden.

Der Lenzburger Bahnhofplatz soll ein neues Gesicht bekommen; Bäume, Rasenstreifen und die Parkplätze rechts verschwinden.

Chris Iseli

In jedem Schauermärchen gibt es schöne Kapitel: In die endlos scheinende Geschichte um den trostlosen Bahnhof Lenzburg kommt nun Bewegung. Der letztes Jahr mit Sofortmassnahmen etwas sicherer gemachte Bahnhofplatz soll ein Bushof-Provisorium bekommen. Der Einwohnerrat Lenzburg entscheidet an der Sitzung vom 5. November über eine Übergangslösung für «6 bis 10 Jahre» für 380 000 Franken.

Das Dauerthema Neugestaltung des wenig einladend wirkenden Lenzburger Bahnhofplatzes erfuhr im letzten Jahr eine scharfe Zäsur. Nach jahrelangen Vorbereitungsarbeiten und einem bewilligten Kredit über 1,5 Millionen Franken im November 2013 machte eine Information der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) alle Projektpapiere der Stadt zu Makulatur. Die SBB planen langfristig – frühestens ab 2020 – eine Umgestaltung der gesamten Bahnhofanlagen.

Mehr Sicherheit – jetzt

Die Stadt wollte nicht bis zu dieser definitiven Lösung zuwarten. Als Sofortmassnahme wurde auf den letzten Fahrplanwechsel im Dezember 2014 eine zusätzliche Bushaltebucht auf dem Areal des abgebrochenen «Warteck» installiert. Diese unkompliziert umgesetzte Vorkehrung basierte auf einer Petition des Regionalbus Lenzburg (RBL), der vom Stadtrat eine Verbesserung der Sicherheitssituation von Passagieren und Passanten verlangte.

Auch die aktuelle Einwohnerratsvorlage des Stadtrates will vor allem die Sicherheit der hier umsteigenden öV-Benutzer erhöhen. Für das neue Bushof-Provisorium werden zwei neue Bushaltestellen mit schmalen Perrons gebaut. Dafür werden die hier und beim Zufahrtskreisel markierten Auto-Parkplätze aufgehoben: «Die bestehende Park-and-Ride-Anlage der SBB hat genügend freie Parkplätze», hält der Stadtrat in der Vorlage fest.

Doch nicht nur der motorisierte Individualverkehr auch die Natur muss für das Provisorium Opfer bringen: Die Grünrabatte, die heute die Parkplätze von der Bahnhofstrasse trennt, wird aufgehoben; drei der vier Bäume müssen gefällt werden. Das bestehende Trottoir wird Richtung Bahngeleise verschoben. Damit schafft man Raum für einen Carparkplatz und vier Taxiplätze.

Parallel läuft Langfristplanung

Zusammen mit den SBB und der Abteilung Verkehr des kantonalen Baudepartements arbeitet das Stadtbauamt an einer umfassenden funktionalen Studie über das gesamte Bahnhofareal. «Die Arbeiten haben eben begonnen. Im Moment läuft die Bedürfnisabklärung», sagt Christian Brenner, Leiter Tiefbau im Lenzburger Stadtbauamt.

Dieser «Wunschzettel» soll bis Ende Jahr ausformuliert sein. Anschliessend wird unter Berücksichtigung städtebaulicher Vorgaben abgeklärt, wie die gewünschten Elemente angeordnet werden können. Dabei will man sich nicht durch unnötige Rücksichtnahmen auf Bisheriges einschränken lassen. «Wir gehen da sehr offen vor», so Brenner.

SBB investieren in Bahnhof Lenzburg: Migrolino und Brezelkönig kommen

Nicht nur die Stadt Lenzburg handelt mit dem Vorwärtsmachen für das Bushof-Provisorium auf dem Bahnhofplatz. Die SBB haben eigenen Handlungsbedarf erkannt und wollen «das Aufnahmegebäude für die nächsten 5 bis 10 Jahre ertüchtigen», wie es der Stadtrat in seiner Einwohnerratsvorlage formuliert. «Generell wird das gesamte Bahnhofgelände etwas aufgeräumt», sagt Christian Brenner, der Leiter Tiefbau im Lenzburger Stadtbauamt.

Diese Aktion, die sich die SBB rund 2 Millionen Franken kosten lassen, betrifft Bereiche, die auch Aussenstehenden auffallen werden: Die bisherige «Buvette» im Westteil des Aufnahmegebäudes verschwindet. In diesem Bereich ist ein Migrolino (Franchising-Kette des Grossverteilers Migros mit Schwerpunkt auf Convenience-Produkte) vorgesehen. Die bisherige Schalterhalle wird durch den Wegfall des Reisebüros kompakter. Auf der Kiosk-Seite neben der Treppe in die Unterführung ist ein Take-away-Shop vorgesehen; die SBB haben hier einen Vertrag mit der Kette Brezelkönig abgeschlossen. Zudem werden die verschiedenen Automaten übersichtlicher angeordnet.

Das Baugesuch für das Projekt, das auch die Verbesserung der Brandschutzmassnahmen im gesamten Aufnahmegebäude umfasst, ist beim Stadtbauamt eingetroffen. Es liegt ab übernächstem Donnerstag, 29. Oktober, während eines Monats öffentlich auf.

Die Aufräumaktion der SBB hört im Umfeld des Aufnahmegebäudes nicht auf: Auch die Perrons zwischen den Gleisen sollen entrümpelt werden. Um speziell während der Stosszeiten mehr Platz und damit mehr Sicherheit zu schaffen, werden Sitzbänke und andere Hindernisse entfernt. (tf)