Prozess

«Autokönig» Santoro könnte die Gerichte noch Jahre beschäftigen

Der Prozess gegen Autohändler Riccardo Santoro wird noch länger dauern.

Der Prozess gegen Autohändler Riccardo Santoro wird noch länger dauern.

Der Fall des Luxusauto-Pleitiers Riccardo Santoro ist beim Obergericht hängig. Mehr als sechs Jahre wurde ermittelt. Bis zum Abschluss des Falls könnten noch weitere Jahre vergehen.

Vor bald eineinhalb Jahren sass Luxusauto-Pleitier Riccardo Santoro vor dem Bezirksgericht Lenzburg als Beschuldigter in einem der grössten Fälle von Wirtschaftskriminalität im Aargau. Entsprechend hatte das Gericht ganze 13 Tage für die Verhandlung reserviert. Nach drei Tagen war man indes mit Befragungen und Plädoyers schon durch.

Santoro hatte als Betreiber der Firma SAR Premium Cars AG in Dintikon ab 2007 äusserst grosszügige Leasingkonditionen für Luxusautos angeboten, womit er jedoch hohe Verluste einfuhr. Die Firma war völlig überschuldet. Das Gericht sprach aufgrund von Gläubigerforderungen von einem Verlust in der Grössenordnung von 36 Millionen Franken. Um nicht aufzufliegen, manipulierte Santoro – gemäss Staatsanwaltschaft und gemäss Bezirksgericht – auch die Jahresabschlüsse seiner Firma.

6 Jahre Haft für Luxusauto-Pleitier Santoro

6 Jahre Haft für Luxusauto-Pleitier Santoro (24. Januer 2019)

Wegen gewerbsmässigem Betrug, Misswirtschaft und weiteren Delikten stand Riccardo Santoro vor Gericht. Nach dem Monsterprozess wurde der Autotuner zu einer längeren Freiheitsstrafe verurteilt.

Der Staatsanwalt hatte eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren gefordert. Das Bezirksgericht verhängte schliesslich sechs: wegen gewerbsmässigen Betrugs, Misswirtschaft, Veruntreuung, Urkundenfälschung und ungetreue Geschäftsbesorgung. Gerichtspräsident Daniel Aeschbach sagte, Santoro habe ein Leasingmodell entwickelt, «das geradezu toxisch war», sein Verschulden wiege schwer.

Schon nach der Urteilsverkündigung zeigten sich Riccardo Santoro und sein Anwalt nicht zufrieden mit dem Urteil und kündigten an, einen Weiterzug ans Obergericht zu prüfen. Das haben sie tatsächlich getan: Wie Nicole Payllier, Sprecherin der Aargauer Gerichte, jetzt sagt, sei der Fall Santoro am Obergericht hängig. Es sei noch nicht absehbar, wann es zu einem Urteil kommen werde. Es dürfte dauern: Die Staatsanwaltschaft hatte mehr als sechs Jahre ermittelt, ihre Verfahrensakten füllen 376 Bundesordner, die Anklageschrift umfasste 355 Seiten. Die Kosten für das ganze Verfahren dürften bis zum Abschluss exorbitant hoch sein. Beim Beschuldigten ist auch im Falle einer rechtskräftigen Verurteilung nichts zu holen.

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