Hallwil

Auto-Attacke auf Jogger: Obergericht schickt Täter 5,5 Jahre ins Gefängnis

`Er nahm den Tod des Joggers in Kauf`

`Er nahm den Tod des Joggers in Kauf`

Vor knapp vier Jahren fuhr ein junger Mann absichtlich einen Jogger an und verletzte diesen lebensgefährlich. Nun wurde der Mann auch vom Aargauer Obergericht zu 5,5 Jahren Gefängnis verurteilt.

Im August 2013 fuhr ein heute 29-jähriger Mann in Hallwil einen Jogger über den Haufen und verletzte ihn schwer. Das Aargauer Obergericht hat das erstinstanzliche Urteil nun bestätigt. Der Verteidiger versuchte vergeblich, dem Jogger eine Teilschuld am Unfall anzulasten.

Der junge Mann sei «kein eigentlicher Verbrecher», sagte Oberrichter Robert Fedier. Dennoch bestätigte das Obergericht in der Berufungsverhandlung das Urteil des Bezirksgerichts Lenzburg: Der Beschuldigte muss fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis.

Der Vorfall vom 16. August 2013 hatte für grosses Aufsehen gesorgt: Der Beschuldigte half auf dem Sportplatz Hallwil mit, Netze für das Grümpelturnier aufzuhängen. Er geriet dabei in den Clinch mit zwei Joggern; es kam zu verbalen Provokationen. Als er die beiden Jogger später wieder entdeckte, fuhr er ihnen hinterher, sagte seinem Kollegen er wolle «geschwind so blöd an ihnen vorbeifahren». Er näherte sich mit seinem VW Passat den beiden Läufern von hinten, ohne abzubremsen.

Die beiden Läufer wichen aber nicht auf die Seite aus, sondern blieben auf dem Asphalt stehen. Der Beschuldigte setzte seine Fahrt immer noch ungebremst fort, wich aber im letzten Moment auf das Feld links neben der Strasse aus. Gleichzeitig reagierten nun die Jogger: Einer sprang links von der Strasse, der andere nach rechts. Und weil der Beschuldigte ebenfalls nach links ausgewichen war, kam es zur heftigen Kollision, bei der einer der Jogger sich mehrere Knochenbrüche und einen Milzriss zuzog. Die spätere Untersuchung ergab eine Kollisionsgeschwindigkeit zwischen 45 km/h und 54 km/h.

Bilder des Vorfalls vom August 2013:

Drei Jahre nach dieser Tat hatte das Bezirksgericht Lenzburg den Fall zu beurteilen. Es kam zum Schluss, der Beschuldigte habe im Moment, als er mit seinem Auto die Verfolgung mit einer Geschwindigkeit von mindestens 45 km/h aufgenommen habe und auf die beiden Männer zufuhr, bewusst und gewollt in Kauf genommen, dass diese nicht mehr ausweichen konnten und sich bei einer Kollision mit seinem Auto tödliche Verletzungen zuziehen könnten. Für das Bezirksgericht war klar, dass es sich also um mehrfach versuchte Tötung handelte; deshalb die Verurteilung zu einer Gefängnisstrafe von fünfeinhalb Jahren.

Happiges Urteil für Unfallfahrer von Hallwil

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Juni 2016: Das Bezirksgericht Lenzburg verurteilt den Täter zu 5,5 Jahren Gefängnis. Ein Freund macht sich grosse Sorgen um ihn.

Die Jogger haben ihn «genervt»

Knapp vier Jahre nach der Kollision musste sich nun auch das Obergericht mit dem Fall befassen. «Ich habe nie jemanden verletzen wollen», sagte der heute 29-jährige Beschuldigte. Warum hat er die beiden Jogger denn verfolgt? Sie hätten ihn «genervt», erklärte er und er habe einfach vorbeifahren und sie nochmals sehen wollen.

Der Verteidiger erwähnte, wie die letzten vier Jahre der Ungewissheit dem Beschuldigten zugesetzt hätten, dass er sich seither nichts mehr habe zuschulden kommen lassen und reifer geworden sei. Damals habe er die Risiken unterschätzt und sein fahrerisches Können überschätzt, wie das verkehrspsychologische Gutachten ergeben habe. Der Beschuldigte habe die beiden Jogger einfach nochmals sehen wollen, sei halt «gwundrig» gewesen, was doch nur menschlich sei. Aber nie und nimmer habe der Beschuldigte die Absicht gehabt, jemanden zu verletzen. Es handle sich also um eine fahrlässige schwere Körperverletzung, ein Strafmass von 12 Monaten Gefängnis bedingt sei angemessen.

Der Verteidiger stellte auch das Verhalten der beiden Jogger infrage, die dem nahenden Auto den Weg versperrten bis zum allerletzten Moment. Dass der Beschuldigte dann ins Feld ausgewichen sei – und nicht gebremst habe – sei in diesem Falle eine adäquate Reaktion. Schliesslich vermutete der Verteidiger, das Bezirksgericht Lenzburg sei unter einem dermassen grossen Druck der Öffentlichkeit gestanden, dass es von Anfang an zur Verurteilung wegen versuchter fahrlässiger Tötung tendiert habe. Das Obergericht trat nicht auf die Argumentation ein, sondern stützte Urteil und Begründung des Bezirksgerichts Lenzburg.

So berichtete "Tele M1" im August 2013 über den Unfall:

Jogger in Hallwil angefahren: Unfallfahrer ist in U-Haft

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