Ausstellung
Noch mehr Frauen-Power: Das Fotofestival Lenzburg erweitert mitten in der Pandemie seinen Horizont

Mehr Ausstellungsorte, internationale Partnerschaften und berührende Bilder. All das und mehr soll das diesjährige Fotofestival Lenzburg bieten. Erstmals werden ausgewählte Werke so auch in Aarau präsentiert.

Larissa Gassmann
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Bittersüsse Mutterschaft: «Getting closer, becoming mother: About Intimacy and Family» von Elinor Carucci.

Bittersüsse Mutterschaft: «Getting closer, becoming mother: About Intimacy and Family» von Elinor Carucci.

zVg/Fotofestival Lenzburg/Elinor Carucci

Vieles, was lange Bestand hatte, beinahe als selbstverständlich hingenommen wurde und Halt gab, wird seit Beginn der Pandemie beeinträchtigt. Ganze Leben ähneln durcheinandergeschüttelten Schneekugeln, alte Wege werden verlassen und neu gezeichnet. Alles ist auf einmal anders. Und alles dürfte der Israelin Elinor Carucci nur allzu bekannt vorkommen. Denn: Nach der Geburt ihrer Zwillinge lernte die Fotografin ihr eigenes Ich, wie auch die sie umgebende Welt, neu kennen.

Den dadurch erfolgten Konflikt, ausgelöst irgendwo auf dem Weg zwischen gewohntem und unbekannten Leben, sollen auch ihre Werke widerspiegeln, die Teil des diesjährigen Fotofestivals Lenzburg sind. Oder wie es in der Ausstellungsbroschüre heisst: «Die Mutterschaft hatte das Beste und Schlimmste in ihr offenbart.» Freude und Staunen konkurrierten bei Carucci mit der Trauer um die Frau, die sie niemals mehr sein würde. Schonungslos und ehrlich will die 50-Jährige daher die Komplexität der Mutterschaft darstellen.

Fotos sollen zeigen, «was es bedeutet, als Frau (und Mutter) die Welt zu sehen»

Tragen wird das von 4. September bis 10. Oktober andauernde, vierte Fotofestival Lenzburg so passenderweise den Titel «re:sources». Drehen wird sich einen Monat lang alles um das Thema Ressourcen, die Reflexion über unsere grundlegenden Bedürfnisse.

Vertieft werden soll das breite Thema 2022 erneut, ist es doch derzeit allgegenwärtig. «Denn alles, was uns wichtig ist und uns am Herzen liegt, wurde im vergangenen Jahr der Pandemie und deren Gegenmassnahmen in Frage gestellt und beeinträchtigt», wie es in der entsprechenden Medienmitteilung heisst.

Der Fokus soll in diesem Herbst auf die Rolle der Frau als Protagonistin, Akteurin und Symbol des Wandels und der Erneuerung gelegt werden. Sinnbildlich dafür stehen nebst Carucci zwei weitere Fotografinnen mit ihren Werken: die US-Amerikanerin Mary Ellen Mark sowie die Schweizerin mit französischen Wurzeln, Caroline Minjolle.

Ganz im Zeichen des Wandels ist das Fotofestival dabei erstmals Gast in Aarau. So werden die Werke von Carucci und Minjolle im Stadtmuseum Aarau gezeigt, während die Fotos von Mark bis 28. November im Lenzburger Stapferhaus anzutreffen sind. An beiden Standorten zeige Trio, «was es bedeutet, als Frau (und Mutter) die Welt und die eigene Position darin zu sehen und täglich zu verhandeln».

Gerade im schwierigen Jahr 2021 «eine Ehre»

Zusätzlich werden im Schloss Lenzburg, dem Museum Burghalde sowie im Müllerhaus erstmals ausgewählte und prämierte Bilder der 15. Ausführung des «Sony World Photography Awards» präsentiert. Dabei wird es sich um eine Open-Air-Ausstellung handeln, können die Bilder doch bei einem Spaziergang durch die Gärten der erwähnten Lokalitäten bewundert werden.

Dass das Festival an der internationalen Preisverleihung teilhaben und den Fotografen und Fotografinnen eine Plattform in der in der Schweiz bieten kann, sei laut Medienmitteilung gerade im schwierigen Jahr 2021 «eine Ehre».

Starten soll das Eröffnungswochende des diesjährigen Festivals am Samstag mit Portfolio Reviews der Experten, diversen Führungen sowie einem Talk. Am Sonntag folgen unter anderem eine Prosecco Matineé sowie ein Kinder-Fotowalk. Ebenfalls angeboten werden acht Workshops, so etwa zum Thema Kuration oder Dokumentarfotografie. Auch die ganz kleinen Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen dabei nicht zu kurz.

Kosten wird ein für die gesamte Laufzeit des Festivals gültiger Pass 15 Franken. Für Inhaber der Kultur-Legi oder Studenten gibt es einen ermässigten Eintritt in Höhe von 10 Franken. Besucherinnen und Besucher bis 16 Jahre sind derweil gratis.

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