Seon

Ausgebildeter Schreiner von Prüfung ausgeschlossen – weil er keine Schweizer Lehre hat

Schreiner aus Seon diskriminiert?

Dennis Guthmann im Beitrag von "Tele M1".

Ein Schreiner, der in Seon arbeitet, will sich weiterbilden und wird nicht zur Kursprüfung zugelassen. Dies, weil er seine Lehre nicht in der Schweiz gemacht hat. Sein Chef ärgert und die Behörden widersprechen sich.

Dennis Guthmann fühlt sich diskriminiert. Der eingebürgerte deutsche Schreiner macht eine Weiterbildung, um mit Strom arbeiten zu dürfen. Nur: Das Eidgenössische Starkstrominspektorat (Esti) will ihn die Abschlussprüfung nicht schreiben lassen. Das dürfen nur Arbeitskräfte mit Eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ), also solche, die in der Schweiz ausgebildet wurden.

Guthmann aber hat seine Lehre in Deutschland gemacht. Sein Chef Otto Walti von der gleichnamigen Schreinerei in Seon, der die gleiche Weiterbildung besucht, versteht die Welt nicht mehr. Zum Regionalsender Tele M1 sagt er: "Man sagt damit, dass ein Schreiner oder Tischler, der seine Lehre im deutschsprachigen Raum gemacht hat, nicht gleich gut ist wie ein Schweizer Schreiner."

Zwei Behörden im Widerspruch

Das Esti geht mit seiner Entscheidung auf Konfrontationskurs mit dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI). Dieses bescheinigt Guthmann das Niveau einer Schweizer Ausbildung. Das reicht laut Esti aber nicht. Zur Prüfung werde nur zugelassen, wer eine Berufsausbildung mit EFZ, mindestens drei Jahre Berufserfahrung und 42 Lektionen in diversen Bereichen der Elektrotechnik bei einer Fachperson absolviert hat.

Guthmann arbeitet seit neun Jahren als Schreiner in Seon. Trotz seiner Erfahrung und der Anerkennung des SBFI müsste er in der Schweiz die Lehre noch einmal machen, um zur Prüfung zugelassen zu werden.

Guthmann will sich weiterbilden, weil seine Firma häufig Küchen baut und er die elektrischen Geräte nicht selbst einbauen und anschliessen darf. Er macht den Kurs nun aber trotzdem und hofft, wenigstens eine Kursbestätigung zu bekommen. "Aber das ist ja eigentlich nicht der Sinn", sagt er. (mwa)

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