Meisterschwanden
Aus Protest: Der Elternrat der Schule tritt geschlossen zurück

«Unüberbrückbare Differenzen» haben zum geschlossenen Rücktritt des Elternrats geführt. Blockade von Projekten wird einerseits angeführt, fehlende Loyalität zur Schule andererseits.

Fritz Thut
Merken
Drucken
Teilen
Das Logo des geschlossen zurückgetretenen Elternratsder Schule Meisterschwanden.

Das Logo des geschlossen zurückgetretenen Elternratsder Schule Meisterschwanden.

Die Institution Elternrat ist in der Aargauer Schulszene im Trend. Diese relativ neue Form der Elternmitwirkung wurde im Schuljahr 2014/15 auch in Meisterschwanden eingeführt. Ein Konzept und ein Reglement bilden die Grundlage und regeln die Kompetenzen des Elternrats.

Seit letzter Woche ist allerdings der Meisterschwander Elternrat vorerst Geschichte. «Der Elternrat hat an einer ausserordentlichen Sitzung mit Schulpflege und Schulleitung geschlossen seinen Rücktritt erklärt», teilt Ex-Präsidentin Christiane Hinrichs in einer flugs versandten Medienmitteilung mit. Als Gründe werden «fehlendes Vertrauen und unüberbrückbare Differenzen bei den Vorstellungen über gelebte Elternmitwirkung» genannt.

In der Medienmitteilung wird aufgelistet, was der Elternrat in der kurzen Zeit alles erreicht hat: «Trotz vieler Widerstände» habe man «verschiedene Aktivitäten, Anlässe, Projekte erfolgreich geplant und durchgeführt». Namentlich erwähnt sind der Infobrief an alle Eltern, die Gestaltung des Internetauftritts oder das Begrüssungskafi für die Eltern am ersten Schultag.

Unvereinbare Vorstellungen

Neben diesen positiven Ergebnissen gab es auf Elternrat-Seite auch Frust: Die Schule sei auf die neue Organisation nicht vorbereitet gewesen. Konkrete Vorstellungen über Strukturen, Ziele, Budget und Kommunikationswege habe es keine gegeben. Auf der andern Seite: «Reglementierungen, was der Elternrat alles nicht darf, gab es genug», lautet ein Vorwurf. Die Vorstellungen von Elternrat auf der einen und von Schulpflege und Schulleitung auf der andern Seite seien «nicht vereinbar» gewesen.

«Es fehlt das Vertrauen auf beiden Seiten. Das ist keine Basis für eine kooperative und konstruktive Zusammenarbeit», schliesst die Mitteilung des Elternratsvorstandes. Nachdem die ausserordentliche Sitzung «keine Klärung und keine Annäherung» gebracht habe, sei man geschlossen zurückgetreten.

Lehrkraft im Fadenkreuz

Wie Präsidentin Caroline Camenzind gegenüber der az festhält, hat man bei der Schulpflege weit mehr vermisst als das gegenseitige Vertrauen: «Einigen Elternrat-Vorstandsmitgliedern hat die Loyalität gegenüber der Schule gefehlt.» Ausgerechnet aus diesem Kreis sei eine Unterschriftensammlung gegen eine Lehrkraft lanciert worden, in der diese auf unzulässige und unfaire Weise diskreditiert worden sei. Dies sorgte im Kollegium zu einer grossen Verunsicherung und untergrub den Willen zur Zusammenarbeit mit dem Elternrat.

Zur Rettung der Situation wurde vorgeschlagen, dass die in die Aktion gegen die Lehrkraft involvierten Mitglieder aus dem Elternrat-Vorstand zurücktreten sollen. Dieses Ansinnen wurde an der Krisensitzung letzte Woche abgelehnt.

Fortsetzung soll folgen

Wie Schulleiterin Rosmarie Lüem gegenüber der az festhält, wurde der Kollektivrücktritt vom Lehrerkollegium «mit Erleichterung» aufgenommen. Lüem wertet viele Elternrat-Projekte als positiv, einige seien allerdings auch «überbordet». Genau wie die Schulpflegepräsidentin findet auch die Schulleiterin, dass der Massenrücktritt nicht das Ende des Elternrats bedeuten muss: «Jetzt läuft eine Denkpause. Das ist sicher für alle Beteiligten das Beste.»

Gleicher Meinung ist auch Marcel Meyer, der im Gemeinderat für die Schule zuständig ist: «Der Gemeinderat steht hinter dem Elternrat; wir finden dies nach wie vor eine gute Institution. Doch in dieser Zusammensetzung war eine Zusammenarbeit nicht mehr möglich. Deshalb gilt das vorübergehende Ende zu respektieren.»