Zugegeben: Die Lage des Gewerbeparks Oholten in Seon ist nicht gerade ideal für ein Restaurant oder eine Bar. Nicht direkt an der Hauptstrasse gelegen und mindestens zehn Gehminuten von der nächsten Bushaltestelle entfernt. Man muss die Gäste also mit etwas Besonderem anlocken, damit sie auf das Areal kommen. Keine einfache Aufgabe. Vielleicht ist genau dies der Grund, weshalb es derzeit weder eine Bar noch ein Restaurant oder ein anderes Verpflegungsangebot gibt.

Im letzten Jahr hat der Dart Club nach vier Jahren seine Türen geschlossen. Dasselbe Schicksal ereilte die PS Bar, die 2012 lediglich ein paar Monate geöffnet hatte, bevor sie Konkurs ging. Dass es aber durchaus möglich ist, einen gut laufenden Gastrobetrieb auf dem Areal des Gewerbeparks Oholten zu führen, haben die Betreiber der «Wäbibar» bewiesen.

Selber Hand angelegt

Am 31. August 2002 eröffneten sieben Kollegen aus dem Seetal die «Wäbibar» mit einem rauschenden Eröffnungsfest, das rund 1500 Gäste angelockt hatte. «Wir sind aus allen Nähten geplatzt», erinnert sich Stephan Marti lachend. Er war einer der sieben Gründer des Lokals, das sie mangels Alternativen eröffnet hatten. «Für uns Jugendliche gab es damals in der Region keine Gelegenheit, um in den Ausgang zu gehen. Also haben wir entschieden, die Sache selber in die Hand zu nehmen», blickt Marti auf die Anfänge zurück.

Die sprichwörtliche «Bieridee» – die Bar, die von den Betreibern eigenhändig ausgebaut wurde, war anfänglich gar nicht für die Öffentlichkeit gedacht – stiess auf grosses Echo. Die monatlichen Partys waren ein voller Erfolg, das Lokal jedes Mal brechend voll. Doch nach zwei Jahren war die Bar am Boden. «Wir hatten alles falsch gemacht, was wir falsch machen konnten. Die Preise waren zu tief, wir hatten kein Geld auf die Seite gelegt und hatten keinen Plan, was wir machen wollten», so Marti. Ein Teil der Gründer stieg daraufhin aus. Eine fünfköpfige Gruppe um Stephan Marti entschied sich aber, weiterzumachen. Und zwar richtig.

200 Leute pro Abend

Sie gründeten den Verein «Wäbibar Egliswil Memberclub» und machten die «Wäbibar» zu einem offiziellen Lokal. Sie erwarben das Wirtepatent, machten Werbung, erweiterten die Öffnungszeiten und mussten bald schon erste Hilfskräfte einstellen. Ab 2007 hatte die «Wäbibar» von Mittwoch bis Samstag jeweils abends geöffnet und zwei Jahre später bestritt Stephan Marti als Geschäftsführer ein 100-Prozent-Pensum. Der Grund für den Erfolg war einfach: Innovation. «Wir organisierten Metal-Openairs, aber auch Ü40-Partys, wir hatten WM-taugliche ‹Töggelikästen›, eine Dartanlage sowie eines der schweizweit grössten Angebote an Shisha- und Tabakartikeln», so Marti. «Für eine normale Bar wären keine Leute zu uns gekommen. So aber hatten wir regelmässig 200 Besucher pro Abend, die teilweise aus der ganzen Schweiz anreisten.»

Dank des grossen Engagements der Betreiber wurde die «Wäbibar», die auf Egliswiler Boden stand, von den Gemeinden Egliswil und Seon sowie von der Regionalpolizei tatkräftig unterstützt. «Gelebte Jugendarbeit» nannte der Egliswiler Gemeindeammann Rolf Jäggi die «Wäbibar». «Die Unterstützung der beiden Gemeinden und der Polizei war ein Riesenkompliment für unsere Arbeit und ein Zeichen dafür, dass wir weit mehr waren als bloss der Ort, an dem sich Jugendliche betranken», sagt Marti, der überzeugt ist, dass die «Wäbibar» auch viele andere Lokale in der Region inspiriert hat, auf eine jüngere Zielgruppe zu setzen. «Ich glaube schon, dass wir mit der ‹Wäbibar› zu einem Hotspot für die Jugendlichen in der Region geworden sind und einiges bewegt haben.»

Wäbibar am Argovia-Fäscht

2012 war dann aber Schluss. Nach zehn Jahren entschieden sich die Betreiber um Geschäftsführer Stephan Marti, die «Wäbibar» zu schliessen. «Die Luft war etwas draussen. Wir hatten alle neue Projekte, die wir angehen wollten, und wir waren etwas zu alt geworden, um jeden Abend Rambazamba zu haben», so Marti, der heute in Solothurn wohnt und zwei Lokale mit insgesamt 26 Mitarbeitern führt.

Ganz verschwunden ist die «Wäbibar» allerdings nicht: Am Argovia-Fäscht bauen Stephan Marti und seine Kollegen jeweils ein grosses Festzelt auf und lassen den Geist der «Wäbibar» wieder aufleben. «Ich habe jeweils Hühnerhaut und Tränen in den Augen. Es kommen jedes Mal so viele Leute, die wir jahrelang bewirtet haben und mit denen wir uns an die alten Zeiten erinnern. Das ist grossartig.»