Wahlen
Aus der Region Lenzburg-Seetal wollen nur wenige Köpfe nach Bern

Die Region Lenzburg-Seetal stellt unterdurchschnittlich viele Kandidaten für die Nationalratswahlen. Deshalb stellt sich die Frage: Ist das Interesse geringer?

Fritz Thut
Drucken
Irgendwo im Plakatwald über dem grünen Klee finden sich auch einige Kandidaten aus der Region. tf

Irgendwo im Plakatwald über dem grünen Klee finden sich auch einige Kandidaten aus der Region. tf

Noch köchelt der Nationalratswahlkampf auf eher kleiner Flamme. Zwar gibt es auch in der Region Lenzburg-Seetal viel zu wenige Kandelaber, um all die Köpfe und Parolen jener aufzunehmen, die nach Bern wollen. Sicher sehr fähige Leute aus dem Freiamt, vom Rhein drunten oder sogar aus Baden heischen um hiesige Stimmen. Doch wie steht es mit hiesigen Kandidaten?

Im Wald der Kandidaten sieht man die Bäume fast nicht mehr. Oder anders gesagt: Irgendwann findet man unter all den Erbsen eine Perle in Form eines einheimischen Nationalratsbewerbers. Ist die aufstrebende Region Lenzburg, die sich selbstbewusst zwischen dem Beamtenzentrum Aarau und dem Industriezentrum Baden behaupten will, schon derart selbstzufrieden, dass sie ihre Position in Bern nicht mehr stärken muss?

25 Kandidaten

Rein mathematisch lässt sich dieser subjektive Eindruck belegen, wonach hier das Interesse eher unterdurchschnittlich ist. Während Lenzburg-Seetal 9,6 Prozent der Kantonsbevölkerung stellt, kommen nur 8,9 Prozent der Aargauer Nationalratskandidaten von hier. Nachdem der Schafisheimer CVP-Nationalrat Markus Zemp nicht mehr antritt, besteht die «Gefahr», dass die Region in Bern nicht mehr vertreten ist. Es sei denn der gestern sogar von der erz-bürgerlichen «Weltwoche» gepushte «SP-Realist» Martin Kilias (Lenzburg) oder SVP-Kantonalpräsident Thomas Lüpold (Möriken-Wildegg) könnten in die Fussstapfen von Zemp, Fischer, Siegrist, Baumann und Co. treten.

Die 25 Kandidatinnen und Kandidaten aus der Region kommen aus 11 der total 24 Gemeinden. Während im Kanton 2188 Einwohner auf eine Kandidatur entfallen, sind es hier durchschnittlich 2360. Kann die entsprechende Quote einer Gemeinde etwas über das Politinteresse vor Ort aussagen? Erstaunlich ist, dass mit Seon, Rupperswil und Niederlenz gleich drei Gemeinden mit über 4000 Einwohnern niemanden stellen, der die Reise nach Bern antreten möchte. Die neben der Stadt Lenzburg vierte Gemeinde in dieser Kategorie, Möriken-Wildegg, stellt hingegen gleich 5 Kandidaten.

Die grösste Dichte an Nationalratskandidaten herrscht allerdings in Birrwil, wo pro 474 Einwohner eine Kandidatin antritt. Mutig voran Frau Gemeindeammann Barbara Buhofer, die es bei der Sozial-Liberalen Bewegung (SLB) auf den zweiten Listenplatz geschafft hat. SLB? Eine weitere Umsteigerin? «Nein, ich bin immer noch Mitglied der FDP», beruhigt die «Opernsängerin und Kauffrau». So liberal ist diese SLB.

Der az-Wahlkampfbus macht am nächsten Montag ab 18 Uhr in Holderbank Station. Sechs Kandidaten, darunter diverse «Schwergewichte» aus der Region, äussern sich zu Asylpolitik, Ausländerkriminalität und Integration.

Aktuelle Nachrichten