Nicht vergeblich wird die Aktionärsversammlung der Hypothekarbank Lenzburg, liebevoll überall nur «Hypi» genannt, in der Einladung als «zweitgrösster gesellschaftlicher Anlass in Lenzburg» angekündigt. Hinter dem Jugendfest notabene.

1804 von total 6789 Aktionären liessen es sich am Samstag nicht nehmen, aus erster Hand über ihre Bank informiert zu werden. Und für einmal hatte es der statutarische Teil in der Mehrzweckhalle in sich. Sonst meist nur als Hors d’Oeuvre für das anschliessende Traditionsznacht mit Schweinshalsbraten mit Zwetschgen, Gratin und Gemüse, wurden diesmal mit dem Wechsel des Verwaltungsratspräsidiums und der Verabschiedung neuer Statuten wichtige Weichen für die Zukunft des bald 147-jährigen Geldinstituts gestellt.

Anpassungen an «Minder-Initiative»

Wehmut habe ihn bei der Vorbereitung seiner letzten Generalversammlung als Präsident keine befallen, verriet der nach 15 Präsidialjahren zurücktretende Max Bühlmann (Möriken) im Foyer der Mehrzweckhalle. «Wenn ich etwas mache, dann mach ich dies richtig bis zum Ende und dazu gehört eine saubere Übergabe zum Abschluss.»

So präsentiert Bühlmann seinem Nachfolger, dem bisherigen Vizepräsidenten Gerhard Hanhart (Möriken), neue, an die Vorgaben der vom Schweizer Volk angenommenen «Minder-Initiative» angepasste Statuten. Die Vorschläge des Verwaltungsrats wurden nur einmal hinterfragt, als ein Aktionär wollte, dass die Zahl der Mandate der Verwaltungsräte bei börsenkotierten Unternehmen auf 2 und bei den andern Betrieben auf 6 zu limitieren sei. Die neuen Statuten mit dem ursprünglichen Vorschlag von 5 und 10 Unternehmens-Mandaten wurde mit 90,3 Prozent angenommen.

Gesunder Menschenverstand

Die Übung mit den neuen Statuten als Höhepunkt des immer grösseren «Regulierungs-Tsunami», so CEO Marianne Wildi in ihren Ausführungen zu Geschäftsbericht und Jahresrechnung, hätte sich Bühlmann zum Ende seiner 35-jährigen Hypi-Verwaltungsratstätigkeit gerne erspart: «Eigentlich ist dies überflüssig, wenn man sich auf den gesunden Menschenverstand verlassen kann.»

Ereignisse in der globalen Finanzwirtschaft und bei Schweizer Grossbanken haben dazu geführt, dass auch kleine, übersichtliche und bodenständig handelnde Banken unter den neuen Vorschriften zu leiden haben. Bei der Hypi wurden mit der Forderung nach Offenlegung von Entschädigungen quasi offene Türen eingerannt. «Transparenz war uns und vor allem Max Bühlmann schon immer sehr wichtig», hob Wildi in ihrer Laudatio hervor. «Wir haben diese Zahlen seit je offen gelegt», hielt Bühlmann vor den Abstimmungen über die Vergütungshöhe fest. Die Aktionäre honorierten die Anträge mit jeweils über 93 Prozent Zustimmung.

Erfahrung contra Rating

Nicht nur an der Spitze des Verwaltungsrats gab es eine Wachtablösung. Neben Bühlmann stellten sich mit Philipp Gloor (Seengen, Jahrgang 1965, Verwaltungsrat seit 2007), Ernst Pelloli (Mellingen, 1949, seit 1983) und Daniel Steffen (Stetten, 1955, seit 2004) drei weitere Verwaltungsräte der Wiederwahl nicht und wurde durch Josef Lingg und Simone Westerfeld (vgl. rechts) ersetzt.

Mit Werten zwischen 98,7 und 85,7 Prozent wurden die wieder kandidierenden Verwaltungsräte Herhard Hanhart (1956, seit 1997), Kaspar Andreas Hemmeler (Aarau, 1970, seit 2010), Marco Killer (Baden-Dättwil, 1978, seit 2013), Ursula McCreight-Ernst (Zürich, 1959, seit 1998), Christoph Schwarz (Thalwil, 1963, seit 2013), Therese Suter (Seon, 1965, seit 2007), Thomas Wietlisbach (Wilen bei Wollerau, 1962, seit 2010) und Ulrich Ziegler (Seengen, 1952, seit 2004) bestätigt.

Für CEO Wildi «mutet es schon fast grotesk an», dass mit der neuen Zusammensetzung des Verwaltungsrates die Hypi im Rating einiger institutionellen Anleger gestiegen ist, denn dort werden langjährige Engagements negativ bewertet. Die Hypi denkt auch in diesem Punkt anders. Wildi: «Uns ist die Erfahrung langjähriger Verwaltungsräte wichtiger als ein paar Ratingpunkte.»