Lenzburg
Auf die Tourismus-Poinierin warten neue Herausforderungen

Während exakt vier Jahren leitete die gebürtige Freiämterin Fabienne Vollenweider das Tourismusbüro Lenzburg-Seetal. Sie prägte die Aufbauphase entscheidend und trug dazu bei, dass diese Institution immer breiter wahrgenommen wird.

Fritz Thut
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Nun verlässt Fabienne Vollenweider das Büro für Tourismus und Mobilität am Kronenplatz 24. Am Donnerstag hat sie ihren letzten Arbeitstag und bereits am Montag tritt sie ihre neue Stelle als Geschäftsführerin von Brunnen Tourismus am Vierwaldstättersee an.

Vor dem Interview- und Fototermin bezirzt sie ein potenzielles neues Mitglied von Seetaltourismus am Telefon.

Voller Einsatz bis zuletzt. Kommt kurz vor dem Abschied bei Ihnen auch Wehmut auf?

Fabienne Vollenweider: Ein bisschen schon. Es war eine schöne Zeit hier in Lenzburg und in der ganzen Region. Ich wurde vom Vorstand von Seetaltourismus gut aufgenommen und konnte immer auf die Unterstützung und das wertvolle Wissen von allen Vorstandsmitgliedern zählen. Es war eine Freude, Hand in Hand mit den aufgestellten Kolleginnen im Tourismusbüro zu arbeiten. Schön war auch die Integration hier im Haus ins Team vom Stadtbauamt, wo immer gute Stimmung herrschte und man oft ein Spässchen machen konnte.

Wissen Sie noch, wie Sie zu diesem Posten gekommen waren?

Ich hatte mich einmal für einen Posten bei Aargau Tourismus beworben und dabei René Bossard (Vorstandsmitglied von Aargau Tourismus und Präsident von Seetaltourismus, die Red.) kennen gelernt. Als ich im Dezember 2008 von einem längeren Australien-Aufenthalt zurückkam, hatte ich einen Anruf von ihm auf dem Beantworter, ob ich am Posten beim Tourismusbüro Lenzburg-Seetal interessiert sei. Zum Glück habe ich damals zurückgerufen...

Sie haben sich also für die Stelle nicht beworben?

Nein. Damals lief noch eine Bewerbung von mir bei den Engadiner Bergbahnen. Von dort bekam ich eine Absage. Aber kaum hatte ich meine Stelle hier angetreten, bekam ich einen Anruf, ich könnte nun doch ins Engadin. Doch ich bin froh, dass ich hier gelandet bin.

Für Sie war die Region Lenzburg-Seetal zuerst aber auch Neuland?

Stimmt, ich habe mich vorher nicht sehr gut ausgekannt. Nach Lenzburg kam ich vorher nur zu den Kader-Zusammenzügen des aargauischen Skiteams. Doch ich habe mich extrem schnell eingelebt und eine interessante Region und auch den ganzen Kanton besser kennen gelernt.

Die Arbeit als Leiterin eines Tourismusbüros war ebenfalls etwas Neues?

Ja. Ich habe hier gemerkt, dass dies für mich der richtige Beruf ist: Hier konnte ich viele Ideen umsetzen und etwas bewegen.

Hatten Sie schon immer ein Flair für den Tourismus?

Ich habe eine KV-Lehre mit Berufsmatur in einem Industriebetrieb in Sins gemacht, doch wollte schon immer etwas in der Reisebranche machen. Deshalb habe ich später die Tourismusschule in Zürich besucht.

Für die Region Lenzburg und das Seetal haben Sie Pionierarbeit geleistet. Spürten Sie dies in der täglichen Arbeit?

Wir haben hier etwas aufbauen können und dabei etwas Strukturiertes aufgegleist. Wir haben einen engen Kontakt zu Aargau Tourismus, dem Kanton und anderen Institutionen mit Einfluss im Tourismus. Mittlerweile ist die Arbeitsaufteilung auch klar. Wir sind beispielsweise für den direkten Kontakt mit den Dienstleistungsanbietern in unserer Region zuständig. Ich hoffe, dass meine Nachfolgerin Romana Wietlisbach von den Partnern ebenso gut aufgenommen wird wie ich.

Es war nicht einfach, die Tourismusanbieter in der Region vom Sinn des Tourismusbüros zu überzeugen?

Die Akzeptanz war unterschiedlich: Es gab und gibt ein Wirrwarr von möglichen Mitgliedschaften, etwa für Restaurants. Es galt auch, die Partner vom Nutzen des Tourismus und einer entsprechenden Organisation zu überzeugen. Vielleicht ist auch das Wort Tourismus hier nicht immer ganz richtig: Bei uns geht es vorwiegend um Tageserlebnisse und um Naherholung. Mit den oft mit dem Begriff Tourismus verbundenen Auswüchsen haben wir ja nichts zu tun.

Die Erkenntnis über die Vorteile des Tourismusbüros setzt sich aber langsam durch?

Eine unserer Aufgabe ist die Pflege des Netzwerkes. Es geht darum, die verschiedenen Anbieter miteinander bekannt zu machen. Ein schönes Detail vom letzten Herbst, als wir zu einem Hoteliertreffen auf den Hallwilersee geladen haben: Jemand bemerkte, dass ihm hier die Augen geöffnet wurden, dass ja alle am gleichen Strick ziehen. Auch frühere Konkurrenten.

Was wünschen Sie dem operativen Geschäft von Seetaltourismus am Ende Ihrer Amtszeit?

Ich wünsche mir, dass unsere, dank dem integrierten A-Welle-Ticket einzigartige Gästekarte der Region Aarau-Lenzburg-Seetal besser akzeptiert wird.

Dass die beiden grössten Hotels in der Region bei der Gästekarte immer noch nicht mitmachen, ist ein für Sie ein Wermutstropfen?

Es gibt halt Sachen, die muss man akzeptieren, so wie sie sind. Aber wer weiss ...

Aber Sie haben hier sicher auch Positives erlebt?

Ich hatte viele positive Erlebnisse. Eines ist noch besonders präsent: Für unseren Auftritt an der AMA’12 konnte ich das ganze Konzept gestalten und dabei meine Kreativität voll ausschöpfen. Es hat alles bestens geklappt und wir konnten für unseren Stand viele Komplimente einheimsen.

Gibt es in der Region spezielle Orte, die Sie in der neuen Funktion besonders gern bekommen haben?

Eine Entdeckung für mich war beispielsweise das Schloss Heidegg im Luzerner Seetal, das ja eigentlich ganz in der Nähe meiner ursprünglichem Heimat liegt. Und zudem ist auch der Homberg ein ganz spezieller Ort.

Nun wechseln Sie in die Innerschweiz und leiten ab nächstem Monat Brunnen Tourismus. Was bewog Sie zum Wechsel?

Am Radio hörte ich von der dortigen Vakanz. Ich habe verwandtschaftliche Beziehung in den Kanton Schwyz; mein Grossvater von mir wohnte in Brunnen. In Brunnen hat der Tourismus einen viel höheren Stellenwert. Das Büro kümmert sich ausschliesslich um Aspekte des Tourismus. Dazu gehört viel Standortmarketing, wie übrigens hier auch.

Es gibt aber auch Unterschiede?

Im Unterschied zu Brunnen wird im Gebiet Lenzburg-Seetal im Moment intensiv in neue Hotels investiert, man steht vor einem Aufbruch. In Brunnen spürt man eher eine Angst, dass bestehende Hotels geschlossen oder zu Wohnungen umgenutzt werden. Es warten also neue Herausforderungen auf mich.

publiziert am 31.1.2013