Eine Zeit lang hat es düster ausgesehen um das neue Dorfzentrum «In den Matten» auf dem ehemaligen Marti-Areal. Das Gelände drohte zu einer Industrie-Brache zu werden. Doch jetzt geht es vorwärts mit der Bebauung. In einer Woche werden auf dem 25'000 Quadratmeter grossen Grundstück die Baugespanne für ein ganz neues Quartier errichtet. «Ende Juni wird das Baugesuch eingereicht werden», teilt die Investorin Priora AG aus Kloten mit. Schon im nächsten Frühling sollen die Bagger für das Grossprojekt auffahren, Wohnungsbezug ist «voraussichtlich ab Herbst 2020».

In den kommenden Jahren werden «In den Matten» in drei Etappen neun Mehrfamilienhäuser mit rund 170 2,5 - bis 4,5 - Zimmer-Wohnungen gebaut. Diese verfügen über je drei Stockwerke plus ein Attikageschoss. Hinzu kommen zwei Gewerbeliegenschaften. Für die gesamte Überbauung wird eine Tiefgarage mit rund 220 Abstellplätzen erstellt. Das neue Quartier bietet Wohnraum für rund 370 neue Bewohner. Das entspricht einem Bevölkerungswachstum von gut 13 Prozent.

Hinter der Priora AG steht der Immobilienunternehmer Reto Stoffel, der im Bündner Bergdorf Vals das höchste Hotel der Welt bauen will. Er hat das Industrieareal im vergangenen Dezember von der Centravo AG gekauft, nachdem diese in Oensingen ein neues Produktionsgebäude gebaut und den Standort Othmarsingen verlassen hat.

Eine neue Gemeindeverwaltung

In einer der zwei geplanten Gewerbebauten entlang der Lenzburgerstrasse, wo nebst Laden- und Gewerbegeschäften auch Büroräumlichkeiten geplant sind, soll die Othmarsinger Gemeindeverwaltung angesiedelt werden. Deshalb atmet man beim Gemeinderat auf. Gemeindeammann Hans Rätzer bekräftigt den früher gefällten Entscheid, wenn er sagt: «Die Gemeinde Othmarsingen beabsichtigt, die Gemeindeverwaltung in einem der neuen Gebäude anzusiedeln.»

Seit Jahren schon platzt die Verwaltung am heutigen Standort aus allen Nähten. Die Liegenschaft müsste längst saniert werden. Doch bereits vor fünf Jahren hat die Gemeindeversammlung einen Richtungsentscheid gefällt, die neuen Verwaltungsräumlichkeiten ins künftige Dorfzentrum zu verlegen. Das sich an der Hauptstrasse befindliche Restaurant Pflug muss den Neubauten weichen. Einen genauen Zeitpunkt für den Abbruch will man bei der Priora AG nicht festlegen. Projektentwickler Roland Schlegel sagt nur soviel: «Vorläufig bleibt der ‹Pflug› offen.»

Lange Leidensgeschichte

Mit der nun anstehenden Bebauung des Geländes geht eine lange Leidensgeschichte im Dorfzentrum zu Ende. Schon früher hat das Quartier wegen Geruchsimmissionen in der Gemeinde wiederholt für rote Köpfe gesorgt, als die Marti AG und später die Centravo AG hier Fleisch verarbeiteten. Nach dem Wegzug der Centravo harzte der Verkauf des Areals. Investoren sprangen wieder ab. Erst im Dezember 2017 glückte der Durchbruch, als die Priora AG die Unterschrift unter den Kaufvertrag setzte.

Um zu vermeiden, dass sich nach der Betriebsverlagerung des Fleischverarbeiters bis zur neuen Bebauung übel riechende Duftwolken entwickeln, wurde mit der Centravo AG eine Zwischennutzung vereinbart. Sie soll bis etwa sechs Monate nach Erteilung der Baubewilligung weitergeführt werden, heisst es bei der Priora AG.