Auenstein/Rupperswil
Auenschutzpark-Bauten: Die Einsprecher lassen nicht locker

Das Baudepartement will die eigenmächtigen Änderungen beim Bau von zwei Brücken und einer Aussichtsplattform im Auenschutzpark Auenstein-Rupperswil nachträglich genehmigen lassen. Auch dagegen gibt es jedoch Widerstand.

Pascal Meier
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Die Aussichtsplattform im Auenschutzpark: Der Kanton hat diese um 90 Meter gegenüber dem bewilligten Projekt verschoben.

Die Aussichtsplattform im Auenschutzpark: Der Kanton hat diese um 90 Meter gegenüber dem bewilligten Projekt verschoben.

Pascal Meier

In den kommenden Wochen wollte das Baudepartement die Sicherheit der zwei Hängebrücken im Auenschutzpark Auenstein-Rupperswil verbessern. Unter anderem sollen die horizontalen Drahtseile unter den Geländern mit Netzen ergänzt werden, damit sich Kinder nicht durchzwängen können und im schlimmsten Fall in die Aare fallen.

Daraus wird vorläufig nichts. Gegen das Baugesuch sind zwei Einwendungen eingegangen, wie das Baudepartement auf Anfrage mitteilt. Die Beschwerden werden vom Rechtsdienst des Regierungsrates geprüft. Dort äussert man sich mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht dazu. Auch die Einsprecher wollen zum jetzigen Zeitpunkt keine Stellung nehmen. Die Gründe für die Einwendungen bleiben damit vorläufig im Dunkeln.

Beim Baudepartement dürfte dies für Kopfschmerzen sorgen, denn die Einwendungen sind ein weiteres Kapitel einer ärgerlichen Geschichte. Mit dem Baugesuch wollte der Kanton nämlich nebst den geplanten Sicherheitsmassnahmen das ganze Bauprojekt im Auenschutzpark nachträglich genehmigen lassen. Grund: Das Baudepartement hatte die zwei Hängebrücken über die Aare gegenüber dem bewilligten Projekt abgeändert und die ebenfalls genehmigte Aussichtsplattform um rund 90 Meter verschoben.

Ein pragmatisches Vorgehen, argumentierte die Projektleitung damals: Die Brücken hätten wegen befürchteter Schwingungen durch Winde anders gebaut werden müssen als geplant — dies unter Zeitdruck, um 600 000 Franken Bundesgelder nicht zu verlieren. Die Verschiebung der Plattform begründete das Baudepartement damit, dass man nachträglich ein altes Brücken-Widerlager entdeckt habe, das sich als Standort besser eignete.

Ein Fall für den Regierungsrat

Bei dieser grosszügigen Auslegung der Baubewilligung machte das Baudepartement die Rechnung aber ohne aufmerksame Bürger. Der Auensteiner EVP-Grossrat Sämi Richner ortete grosse Sicherheitsmängel und kritisierte vor allem die horizontalen Drahtseile, die statt der bewilligten Vertikalstäbe unter den Geländern verbaut worden waren. Zudem müssten die Spannbänder links und rechts der Brücken, welche die hängende Konstruktion tragen, an den Enden mit einem Hindernis versehen werden, damit diese nicht betreten werden können.

Weil das Baudepartement nicht auf diese Kritik einging, reichte Richner mit zwei Auensteiner Kollegen Aufsichtsanzeige ein. Dies mit Erfolg: Der Regierungsrat pfiff Ende 2013 — Brücken und Plattform waren längst gebaut — das Baudepartement zurück. Für die Änderungen an Brücken und Aussichtsplattform braucht es nachträglich ein Baugesuch. Zudem verlangte der Regierungsrat, dass die Drahtseile unter den Geländern zusätzlich gesichert werden. Auch das Betreten der Spannbänder müsse mit Absperrungen verhindert werden.

Brücken bleiben ungenehmigt

Das Baudepartement kam diesen Forderungen nach und reichte Ende Juli das nachträgliche Baugesuch ein. Damit sollen die Verschiebung der Plattform und die Änderungen an den Brücken im Nachhinein bewilligt werden.

Gleichzeitig will das Baudepartement mit dem Baugesuch die Drahtseite unter dem Geländer mit Netzen ergänzen. Hindernisse sollen zudem verhindern, dass jemand die Spannbänder links und rechts der Brücken betritt. Die Anfang Jahr vorsorglich montierten Gitter vor den Bändern werden durch eine dauerhafte Lösung ersetzt.

Wann diese Massnahmen umgesetzt werden, ist nun wegen der Einwendungen — Absender ist nicht Sämi Richner — gegen das nachträgliche Baugesuch unklar. Damit bleiben Brücken und die Aussichtsplattform in dieser Form baurechtlich nicht genehmigt. Wann der Regierungsrat die Einwendungen behandelt und einen Entscheid fällt, ist derzeit ebenfalls unklar.

Getrübte Idylle im Auenschutzpark – Kommentar von Lenzburg-Redaktor Pascal Meier

Der Auenschutzpark Auenstein-Rupperswil ist ein grosser Wurf, für das Aargauer Baudepartement aber eher peinlich. Zwei Hängebrücken wurden anders gebaut als genehmigt und eine Aussichtsplattform gegenüber dem bewilligten Projekt um 90 Meter verschoben. Kritische Bürger, die auf Sicherheitsmängel an den geänderten Brücken hinwiesen, stiessen auf taube Ohren. Man habe beim Bau neue Erkenntnisse gewonnen und das Projekt verbessern wollen, hiess es im Baudepartement. Der Auensteiner EVP-Grossrat Sämi Richner und zwei Kollegen reichten darauf Aufsichtsanzeige beim Regierungsrat ein, der das Baudepartement zurückpfiff: Es braucht ein nachträgliches Baugesuch. Zudem müssen Sicherheitsmängel an den Brücken behoben werden.

Das Baudepartement hat nun ein nachträgliches Gesuch eingereicht – und prompt gibt es erneut Widerstand: Zwei Einwendungen flatterten ins Haus. Da das Baudepartement mit dem neuen Baugesuch bei den Brücken die Forderungen des Regierungsrates erfüllt, ist anzunehmen, dass sich die Kritiker an der verschobenen Aussichtsplattform stören, die wegen ihrer steilen Treppe umstritten ist.

Anders als früher geben sich die Kritiker wortkarg. Das ist ihr Recht, und bisher haben sie auch Recht bekommen. Die Motive bleiben damit aber im Dunkeln. Gleichzeitig hat man den Eindruck, die Kritiker hätten sich völlig in die Sache verbissen.

Ironie des Ganzen: Wegen des Widerstands gegen das nachträgliche Baugesuch dauert es länger, bis der Kanton die Sicherheit an den Brücken verbessern kann — jene Sicherheit, welche die Kritiker so dringend fordern.

pascal.meier@azmedien.ch