Lenzburg

Auch nach 20 Jahren ist ihre Leidenschaft für das Stapferhaus ungebrochen

Sibylle Lichtensteiger im Neubau.

Sibylle Lichtensteiger im Neubau.

Seit 2012 ist Sibylle Lichtensteiger Chefin des Stapferhauses in Lenzburg – wie das erste Jahr im Neubau verlief, weshalb «Fake» verlängert wurde und wie sie ihre Ferien verbrachte.

Trotz der frühen Stunde ist an diesem sonnigen Spätsommertag im Stapferhaus in Lenzburg schon einiges los. Das Café ist besetzt, an der Kasse lösen zwei Senioren ein Ticket für die Ausstellung. Sie sind nicht die ersten Besucher, bereits sind zwei Schulklassen im oberen Stockwerk ins aktuelle Thema «Fake. Die ganze Wahrheit» eingetaucht, wie Sibylle Lichtensteiger erzählt.

Die Stapferhaus-Chefin hat gut lachen: «Fake» läuft wie geschmiert und wird an die bisherigen Besucherrekorde anschliessen. Die letzte Ausstellung «Heimat» im alten Zeughaus mobilisierte 90'000 Besucher. Demgegenüber hat «Fake» in den zehn Monaten seit der Eröffnung Ende Oktober 2018 bereits über 76'000 Eintritte zu verzeichnen. Jetzt wird sie um ein halbes Jahr verlängert. Bis Ende Juni 2020.

Entspannt sitzt Sibylle Lichtensteiger im Café des neuen Stapferhauses beim Bahnhof vor einem Glas Wasser und erzählt: über den jüngsten Ausstellungserfolg, die Reaktionen von Besuchern und Fachpresse zum Neubau und über ihre persönliche «Auszeit». Eben ist sie von einem achtwöchigen Urlaub aus Portugal zurückgekehrt. Vier Wochen davon sind ein Dienstaltersgeschenk des Arbeitgebers. Seit 1998 ist Lichtensteiger beim Stapferhaus fest angestellt, ab 2002 als dessen Co-Leiterin, seit 2012 als alleinige Chefin. Noch früher hatte sie als Studentin Besucher durch die Ausstellungen geführt.

Ein wenig musealer Holzbau

Sie habe die langen Ferien genossen, schwärmt Lichtensteiger. Die erste Hälfte der zweimonatigen Arbeitspause gehörte der Familie. Der Moment zusammen mit den 18- und 15-jährigen Töchtern sei extrem schön gewesen. «Für die restliche Zeit hatte ich keinen Plan», sagt sie und lacht. Sie, deren Agenda sonst proppenvoll ist mit Terminen, hatte nichts im Voraus organisiert. Langeweile sei jedoch keine aufgekommen, erzählt sie. In einem Keramikatelier hat sie eigene Werke getöpfert, sich ein paar Meditationstage gegönnt und, wen wunderts, Museen besucht.

Die Ferien sind vorbei, Lichtensteiger ist zurück an ihrem Arbeitsplatz in Lenzburg. Ist die Stapferhaus-Chefin nach über zwei Jahrzehnten überhaupt noch gefordert? Ist nach den vergangenen Jahren mit laufend neuen Besucherrekorden in den Ausstellungen und dem erfolgreich abgeschlossenen Neubau noch eine Steigerung möglich? Sibylle Lichtensteiger schmunzelt. Auch nach zwanzig Jahren sei ihre Leidenschaft ungebrochen, sich im Stapferhaus mit aktuellen Gesellschaftsfragen auseinanderzusetzen, sagt sie.

Das aktuelle Stapferhaus-Team sei grossartig. «Wir freuen uns darüber, das neue Haus jetzt auszukosten, neu zu bespielen und zu verändern.» Das Haus werde wohl nie «fertig» sein, vermutet sie. Zwar stosse der Bau vielerorts auf Begeisterung, sowohl beim Publikum als auch in Fachkreisen im In- und Ausland. «Der Holzbau findet wegen seiner wenig musealen Erscheinung grosse Beachtung.» Doch seien die grossflächigen Raumverhältnisse in der Ausstellung eine Herausforderung an die Akustik. Man schaffe daran. Ebenso steht die Frage im Raum, ob die asphaltierte Fläche vor dem Gebäude in irgendeiner Form begrünt werden soll.

Zudem beschäftigt sich die Stapferhaus-Chefin bereits mit der kommenden Ausstellung: Sie trägt den Arbeitstitel «Geschlecht». «Das Thema löst grosse Emotionen aus: Es begeistert, verunsichert und regt auf», sagt Lichtensteiger. Eine Herausforderung ganz im Sinne des Stapferhauses.

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